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Baustrom beantragen: wer ihn anmeldet, was er kostet und wann er da sein muss

Warum der Elektriker vor dem Bagger beauftragt werden sollte, was Netzbetreiber für den Anschluss verlangen und welche Position die Rechnung am Ende am stärksten treibt.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 4. November 2026 9 Min Lesezeit
Baustromverteiler auf einem Pfosten mit CEE-Steckdosen und angeschlossenem Kabel zur Betonmischmaschine auf der Baustelle eines Einfamilienhauses
Baustromverteiler auf der Baustelle (Symbolbild)
370 €
netto Kabelanschluss bei Netze BW, ohne Tiefbau
30 mA
FI-Schutz für Steckdosenkreise bis 32 A
12-24
Monate Befristung je nach Netzbetreiber

Ablauf in fünf Schritten

  1. Elektriker beauftragen. Nur ein beim Netzbetreiber eingetragener Elektrofachbetrieb darf den Baustromanschluss beantragen und herstellen. Oft ist es der Betrieb, der später auch die Elektroinstallation im Haus macht.
  2. Antrag beim Netzbetreiber. Zuständig ist der Netzbetreiber, nicht der Stromlieferant. Der Antrag läuft heute meist über ein Online-Portal, mit Lageplan, Leistungsbedarf und Baustellenadresse.
  3. Baustromverteiler aufstellen. Der Elektriker stellt einen gemieteten oder eigenen Verteiler an dem Punkt auf, den der Netzbetreiber nennt.
  4. Anschluss und Zähler. Der Netzbetreiber klemmt den Verteiler an und setzt die Messeinrichtung. Netze BW nennt dafür etwa zwei Wochen ab Antrag.
  5. Stromliefervertrag. Für die Baustelle braucht es einen Liefervertrag, der Verbrauch wird über den Zähler abgerechnet.

Der richtige Zeitpunkt ist kurz nach der Baugenehmigung. Bagger und Rohbauer brauchen den Strom am ersten Tag, und ein Generator als Notlösung ist laut, teuer und auf Dauer keine Lösung. Wie Bauphasen und Vorlaufzeiten zusammenhängen, zeigt die Übersicht Bauphasen-Timing.

Kosten und Rechenbeispiel

Die Kosten setzen sich aus vier Teilen zusammen. Nur der erste kommt vom Netzbetreiber und ist nicht verhandelbar.

Netzbetreiber Baustromanschluss Befristung
Netze BW370 € netto Kabelanschluss ohne Tiefbau, 640 € netto Freileitung, Tiefbauzuschlag 1.524 € netto, Anfahrtspauschale 120 € netto je zusätzlicher Anfahrt1 Jahr, Verlängerung meist möglich
MITNETZ STROM416 € brutto, An- und Abklemmen des Verteilers einschließlich Messeinrichtungbis 24 Monate

Quellen: Netze BW, Seite Baustromanschluss; MITNETZ STROM, Anschlusskosten (Preisliste 2026). Andere Netzbetreiber haben eigene Preisblätter.

Für ein Einfamilienhaus mit zwölf Monaten Bauzeit ergibt sich folgendes Bild:

Position Annahme Kosten
Anschluss NetzbetreiberKabelanschluss Netze BW, 370 € nettorund 440 €
Miete Baustromverteiler40 bis 70 € pro Monat, 12 Monate480 bis 840 €
Aufbau, Erdung, Abbau durch den Elektrikerje nach Betriebnach Angebot
Stromverbrauch1.500 bis 4.000 kWh bei rund 35 ct/kWh525 bis 1.400 €
Summe ohne Elektrikerleistungrund 1.450 bis 2.700 €

Eigene Berechnung. Miete und Verbrauch für den Rohbau nach mfm.energy, Strompreis als Annahme.

Der Verbrauch ist die Position mit der größten Spanne. Der Rohbau selbst braucht wenig: Mischer, Rüttler, Kreissäge, Licht. Teuer wird es, wenn im Winter elektrisch geheizt oder der Estrich mit Elektrogeräten getrocknet wird. Laut mfm.energy brauchen Kran, elektrische Baustellenheizung oder Estrichtrocknung dann auch eine größere Anschlussleistung. Wer die Wärmepumpe schon zum Funktionsheizen des Estrichs nutzen kann, spart hier deutlich.

Wichtig für den Vertrag mit dem Bauunternehmer: Wer zahlt den Baustrom? In vielen Bauverträgen trägt ihn der Bauherr, in anderen ist er im Preis enthalten. Das sollte in der Leistungsbeschreibung eindeutig stehen. Mehr zu allen Nebenkosten unter Baunebenkosten.

Was der Strom für das Estrichtrocknen kostet

Wie stark elektrische Heizung den Verbrauch treibt, zeigt eine einfache Rechnung: Ein Elektroheizer mit 3 kW, der zwei Wochen rund um die Uhr läuft, verbraucht 3 kW × 24 Stunden × 14 Tage, also rund 1.000 kWh. Bei 35 Cent sind das etwa 350 Euro, für ein einziges Gerät. Laufen mehrere Geräte oder dauert die Trocknung länger, wird der Baustrom schnell zum größten Einzelposten der Rechnung. Wer die Wärmepumpe rechtzeitig in Betrieb nehmen und für das Funktionsheizen nutzen kann, zahlt einen Bruchteil davon.

Checkliste für den Antrag

  • Elektrofachbetrieb beauftragt, der beim Netzbetreiber eingetragen ist
  • Lageplan mit dem gewünschten Standort des Baustromverteilers
  • Benötigte Leistung, abgestimmt auf Kran, Heizung und Trocknung
  • Baustellenadresse und Daten des Bauherrn als Anschlussnehmer
  • Gewünschter Termin, möglichst zwei Wochen vor dem ersten Bautag
  • Stromliefervertrag für den Baustromzähler
  • Gleichzeitige Anfrage beim Wasserversorger für Bauwasser

Der Baustromverteiler

Baustellen gelten elektrisch als besonders gefährlich: Nässe, beschädigte Kabel, viele Geräte, wechselnde Nutzer. Deshalb gelten eigene Regeln. Maßgeblich ist DIN VDE 0100-704 für Baustellen, dazu die DGUV Vorschrift 3 mit regelmäßigen Prüfungen.

  • Wetterfest und standsicher aufgestellt, nicht in einer Senke, in der sich Wasser sammelt.
  • Zähler des Netzbetreibers im Verteiler.
  • Fehlerstromschutzschalter: Steckdosenstromkreise bis 32 A sind mit einem FI-Schutzschalter mit 30 mA Auslösestrom zu schützen.
  • CEE-Steckdosen mit 16 A und 32 A für Baumaschinen, dazu Schuko-Steckdosen für Werkzeuge.
  • Prüfung: regelmäßig nach DGUV Vorschrift 3, mfm.energy empfiehlt eine monatliche Prüfung mit Dokumentation.

Beim Mietverteiler sollte das Angebot sagen, was enthalten ist: Transport, Aufstellung, Erdung, Prüfung, Abbau. Ein günstiger Monatspreis ohne diese Positionen ist am Ende oft teurer.

Zählerstand, Schloss und Abrechnung

Auf einer Baustelle mit mehreren Firmen hängen viele Geräte am selben Zähler, und am Ende fragt sich, wer wie viel verbraucht hat. Drei einfache Gewohnheiten vermeiden Streit. Erstens den Zählerstand mit Datum fotografieren, wenn der Verteiler in Betrieb geht, wenn ein Gewerk beginnt, das viel Strom braucht, und wenn der Baustrom abgemeldet wird. Zweitens den Verteiler abschließen, damit nach Feierabend niemand ungefragt Strom zapft. Drittens im Bauvertrag festhalten, ob die Firmen den Baustrom kostenlos nutzen, ob eine Pauschale abgezogen wird oder ob nach Zähler abgerechnet wird. Ohne diese Regel zahlt am Ende der Bauherr für Bautrockner, Heizlüfter und Baustellenradio aller Gewerke.

Welche Leistung ein Einfamilienhaus braucht

Für ein Einfamilienhaus sind laut mfm.energy 22 kVA Standard. Mehr braucht es, wenn ein Kran gestellt wird, wie bei vielen Fertighäusern, wenn die Baustelle elektrisch beheizt wird oder wenn Estrichtrockner laufen. Dann können 33 bis 44 kVA nötig sein. Die Leistung gibt der Elektriker im Antrag an, und sie bestimmt Kabelquerschnitt und Absicherung.

Bauwasser nicht vergessen

Neben Strom braucht die Baustelle Wasser, vor allem für Mörtel, Beton und Putz. Den Bauwasseranschluss stellt der örtliche Wasserversorger bereit, je nach Gebiet über ein Standrohr an einem Hydranten oder über einen frühen Hausanschluss mit Bauwasserzähler. Bedingungen und Preise regelt jeder Versorger selbst. Am besten wird Bauwasser gleichzeitig mit dem Baustrom angefragt, weil beide oft über denselben Leitungsgraben kommen. Wie die endgültigen Leitungen ins Haus geführt werden, steht unter Mehrspartenhauseinführung.

Übergang zum endgültigen Hausanschluss

Der Baustromanschluss ist befristet, Netze BW etwa begrenzt ihn auf ein Jahr, MITNETZ STROM auf bis zu 24 Monate. Den endgültigen Hausanschluss beantragt der Elektriker deshalb rechtzeitig, damit Zählerschrank und Hausanschlusskasten in Betrieb gehen, bevor die Frist endet. Ist der Hausanschluss in Betrieb, wird der Baustromverteiler abgemeldet und abgeholt. Bei Netze BW meldet der Elektriker den Rückbau über das Portal.

Ein häufiger Ablauf im Neubau: Der Baustromverteiler wird früh am späteren Hausanschlusspunkt aufgestellt. Sobald das Haus steht, übernimmt der Hausanschluss im Hausanschlussraum die Versorgung, und der Verteiler bleibt höchstens noch für Außenarbeiten.

Häufige Fehler beim Baustrom

  • Zu spät beantragen. Ohne Strom am ersten Bautag steht die Baustelle oder läuft auf Generator.
  • Selbst beantragen wollen. Der Antrag läuft nur über einen eingetragenen Elektrobetrieb.
  • Leistung zu klein angegeben. Kran und Estrichtrocknung brauchen mehr als 22 kVA.
  • Unklare Kostentragung. Ob Bauherr oder Bauunternehmer den Baustrom zahlen, gehört in den Bauvertrag.
  • Befristung übersehen. Läuft der Baustromanschluss ab, bevor der Hausanschluss steht, wird eine Verlängerung oder Neuanmeldung fällig.
  • Mietpreis ohne Nebenleistungen vergleichen. Transport, Erdung und Abbau sind nicht immer enthalten.

FAQ - Baustrom

Wer beantragt den Baustrom?
Ein Elektrofachbetrieb, der beim Netzbetreiber eingetragen ist. Der Bauherr kann den Baustromanschluss nicht selbst beantragen. Netze BW zum Beispiel nimmt Anträge seit Dezember 2025 nur noch über den Installateurbereich seines Kundenportals an. Der Bauherr beauftragt also zuerst einen Elektriker, der Antrag, Verteiler und Anmeldung übernimmt.
Was kostet ein Baustromanschluss?
Die Gebühr des Netzbetreibers liegt meist bei einigen hundert Euro. Netze BW verlangt für einen Kabelanschluss ohne Tiefbau 370 Euro netto, für einen Freileitungsanschluss 640 Euro netto, MITNETZ STROM 416 Euro brutto einschließlich Messeinrichtung. Dazu kommen Miete und Aufbau des Baustromverteilers sowie der Strom selbst. Für ein Einfamilienhaus mit zwölf Monaten Bauzeit sind insgesamt rund 1.500 bis 3.000 Euro realistisch.
Wie lange dauert es, bis Baustrom da ist?
Das hängt vom Netzbetreiber und vom Anschlusspunkt ab. Netze BW nennt etwa zwei Wochen ab Antrag bis zur Installation. Muss erst ein Kabel gelegt oder an einem entfernten Punkt angeschlossen werden, kann es deutlich länger dauern. Beantragt wird sinnvollerweise, sobald die Baugenehmigung vorliegt.
Wie lange darf ein Baustromanschluss bestehen?
Er ist befristet. Netze BW begrenzt ihn auf ein Jahr mit Verlängerungsmöglichkeit, MITNETZ STROM auf bis zu 24 Monate. Für ein Einfamilienhaus reicht das in der Regel, wenn der endgültige Hausanschluss rechtzeitig vor Ende der Frist beantragt wird.
Welche Anforderungen gelten für den Baustromverteiler?
Er muss für Baustellen geeignet und wetterfest sein, einen Zähler, Fehlerstromschutzschalter und CEE-Steckdosen haben. Steckdosenstromkreise bis 32 A sind mit einem Fehlerstromschutzschalter mit 30 mA Auslösestrom zu schützen. Maßgeblich sind DIN VDE 0100-704 für Baustellen und die DGUV Vorschrift 3, die regelmäßige Prüfungen verlangt.

Quellen

Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung. Mehr über die Redaktion →