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Haustechnik

Elektroinstallation - Stromkreise, Steckdosen, Verteilerschrank

Stromkreis-Plan, Mengenliste, Verteilerschrank-Auslegung und RCD-Standard für den Neubau 2026 - mit konkreten Werten für ein 140 m² Einfamilienhaus.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 24 Min Lesezeit
Elektriker installiert Verteilerschrank im Rohbau eines Einfamilienhauses
Der Verteilerschrank ist die Schaltzentrale jeder Elektroinstallation - 4-reihig mit Reserve ist 2026 Standard.
22
StromkreiseMedian 140 m² EFH
130
SteckdosenRAL-RG 678 plus Reserve
96 TE
Verteilerschrank4-reihig mit Reserve

Normen und Pflichten 2026

Die Elektroinstallation im Wohnneubau ist normativ stark reguliert. Wer bauen lässt, sollte die einschlägigen Normen kennen, weil sie Pflicht-Anforderungen definieren - Abweichungen führen zu Mängelrügen bei der Bauabnahme.

  • DIN VDE 0100-100: allgemeine Bestimmungen für Errichtungs-Niederspannungsanlagen.
  • DIN VDE 0100-410: Schutzmassnahmen gegen elektrischen Schlag.
  • DIN VDE 0100-443: Überspannungsschutz, seit Oktober 2016 / 2018 Pflicht für Neubauten.
  • DIN VDE 0100-540: Erdung, Schutzleiter, Schutzpotenzialausgleich.
  • DIN VDE 0100-701: Bäder und Duschen mit Schutzbereich-Klassen.
  • DIN VDE 0100-704: Baustellen während der Bauphase.
  • DIN VDE 0100-722: Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge (Wallbox).
  • RAL-RG 678: Empfehlung für Steckdosen- und Schaltermengen pro Raum (Mindest-, Standard-, Komfort-Niveau).
  • DIN 18015: Elektrische Anlagen in Wohngebäuden, Teil 1-3.

Bauabnahme-Pflichtmessungen

Bei der Bauabnahme oder vor Inbetriebnahme dokumentiert der Elektriker im Inbetriebnahme-Protokoll: Schleifenwiderstand, Isolationswiderstand, RCD-Auslösestrom und -zeit, Schutzleiterprüfung und Spannungsabfall. Wer das Protokoll nicht einfordert, hat im Schadensfall ein Beweisproblem.

Stromkreis-Plan

Der Stromkreis-Plan ist das zentrale Planungsdokument der Elektroinstallation. Ein Stromkreis fasst Verbraucher zusammen, die über einen gemeinsamen Leitungsschutzschalter (LSS) abgesichert sind. Faustregel: pro Raum mindestens ein Stromkreis für Licht und einer für Steckdosen. Bei grossen Räumen oder hoher Verbraucherdichte mehr.

Stromkreis-Liste für ein 140 m² Einfamilienhaus

BereichStromkreisLSSRCD-Typ
WohnzimmerLichtB 16 ATyp A
WohnzimmerSteckdosenB 16 ATyp A
Esszimmer/KücheLichtB 16 ATyp A
KücheSteckdosen ArbeitsflächeB 16 ATyp A
KücheBackofenB 16 ATyp A
KücheKochfeld (E-Herd)B 16 A 3-polTyp A
KücheSpülmaschineB 16 ATyp A
KücheMikrowelle / DampfgarerB 16 ATyp A
SchlafzimmerLicht + SteckdosenB 16 ATyp A
Kinderzimmer 1Licht + SteckdosenB 16 ATyp A
Kinderzimmer 2Licht + SteckdosenB 16 ATyp A
Bad EGLicht + SteckdosenB 16 ATyp A 30 mA
Bad OGLicht + SteckdosenB 16 ATyp A 30 mA
Flur und TreppenhausLicht + SteckdosenB 16 ATyp A
HWRWaschmaschineB 16 ATyp A
HWRTrocknerB 16 ATyp A
HWRWärmepumpeB 16 A 3-polTyp B
HWRLüftungsanlageB 10 ATyp A
AussenGarten-SteckdosenB 16 ATyp A 30 mA
GarageLicht + SteckdosenB 16 ATyp A
Garage/CarportWallboxB 16 A 3-polTyp B (oder A + DC-Schutz)
DachPV-Wechselrichter (AC)B 16 ATyp A

Stand April 2026. 22 Stromkreise im typischen Standard-Setup, vergrössert sich auf 28-32 mit Smart-Home, Sauna oder Pool.

Trennung Licht und Steckdosen

In jedem Wohnraum sollten Licht und Steckdosen auf getrennten Stromkreisen liegen. Vorteil: bei einem Defekt am Staubsauger fällt nicht das Deckenlicht aus, die Familie steht nicht im Dunkeln. Mehrkosten gegenüber Ein-Kreis-Lösung 200-400 Euro pro Etage, sehr lohnend.

Steckdosen-Mengen pro Raum

Die RAL-RG 678 unterscheidet drei Niveaus: Mindestausstattung (Pflicht), Standardausstattung (Empfehlung), Komfortausstattung (Premium). Im Neubau 2026 ist Standard- bis Komfort-Niveau angemessen, weil Nachrüstung 80-150 Euro pro Dose kostet.

Steckdosen-Mengen 140 m² EFH (Komfort-Niveau)

RaumStandardKomfortEmpfehlung 2026
Wohnzimmer (25 m²)101414 + 2 LAN + 1 SAT
Esszimmer (12 m²)588 + 1 LAN
Küche (12 m²)101515 + Geräte-Anschlüsse
Flur EG (8 m²)355 + 1 LAN
Treppenhaus233 (mit Wechselschaltung)
Schlafzimmer (16 m²)61010 + 1 LAN + 1 SAT
Kinderzimmer 1 (14 m²)699 + 1 LAN + 1 SAT
Kinderzimmer 2 (12 m²)699 + 1 LAN
Arbeitszimmer (10 m²)699 + 2 LAN
Bad EG (5 m²)355 (Schutzbereich beachten)
Bad OG (8 m²)355 + Spiegelschrank-Steckdose
Gäste-WC122
HWR (8 m²)61010 + Geräte-Anschlüsse
Garage/Carport355 + 1 Wallbox
Aussen Eingang122 (IP44)
Aussen Terrasse244 (IP44)
Aussen Garten244 (IP44)
Summe~75~120130 + 6 LAN + 3 SAT

Mehr Detail mit Empfehlungen pro Raum unter Steckdosen pro Raum.

Höhe und Position

  • Standard-Steckdosen: 30-40 cm über Fertigfussboden.
  • Arbeitsfläche Küche: 110-115 cm über Fertigfussboden, 25 cm über Arbeitsplatte.
  • Bett-Nachttisch-Steckdosen: 70-80 cm.
  • TV-Wand-Steckdosen: hinter Bildschirm-Höhe (110-130 cm) plus zusätzliche LAN-Dose und SAT.
  • Schreibtisch-Steckdosen: 80-90 cm.
  • Bad-Steckdosen: nicht im Schutzbereich 0-2, ausserhalb mit RCD 30 mA.

Verteilerschrank - Auslegung und Position

Der Verteilerschrank (Hauptverteilung, Wohnungsverteilung) ist der Knotenpunkt der Hausinstallation. Hier laufen alle Stromkreise zusammen, hier sitzen Hauptschalter, RCD/RCBO, Leitungsschutzschalter, Überspannungsschutz und Bus-Steuerung.

Reihenanzahl im 140 m² EFH

KonfigurationReihenTeilungseinheitenAnwendung
Klein3-reihig64 TEMindest-Setup, kaum Reserve
Standard4-reihig96 TEStandard-EFH, 30 % Reserve
Komfort5-reihig120 TEEFH mit KNX, Wallbox, PV
Premium6-reihig oder zusätzlicher Unterverteiler144 TE plusEFH mit Voll-KNX, Pool, Sauna

Aufstellung und Einbauort

  • HWR: häufigster Platz, in der Nähe vom Hausanschlusskasten.
  • Hauseingang/Flur: Alternative bei Häusern ohne HWR oder mit kompaktem Grundriss.
  • Zugang: Frontseite frei zugänglich, mindestens 70 cm Abstand für Bedienung.
  • Aufputz vs. Unterputz: Aufputz einfacher zu erweitern, Unterputz optisch sauberer.
  • Bus-Verteilung: KNX-Linien-Koppler und Aktor-Schiene gehören in dieselbe Verteilung.

Mehr unter Verteilerschrank im Haus.

RCD und RCBO - Fehlerstromschutz

Der Fehlerstromschutzschalter (Residual Current Device, früher FI) erkennt Differenzströme zwischen Aussen- und Neutralleiter und schaltet bei einem Fehlerstrom aussen kürzester Zeit ab. Pflicht für alle Endstromkreise mit Steckdosen bis 32 A in Wohnräumen seit 2007.

RCD-Typen

  • Typ AC: nur für reine Wechselströme - im Neubau praktisch nicht mehr verwendet.
  • Typ A: für Wechselstrom und pulsierenden Gleichstrom - Standard für Haushaltsstromkreise.
  • Typ F: wie A, plus für Frequenzumrichter.
  • Typ B: auch für glatten Gleichstrom - Pflicht bei Wallbox (mit DC-Anteil) und einigen Wärmepumpen-Invertern.

RCBO statt RCD

Ein RCBO (Residual Current Breaker with Overcurrent protection) kombiniert RCD und LSS in einem Gerät. Bei einem Fehler schaltet nur der eine Stromkreis ab, nicht die ganze Etage. Mehrkosten 25-40 Euro pro Stromkreis, im 140 m² EFH 500-1.000 Euro Mehrpreis - lohnt sich, weil bei 2026er-Smart-Home-Systemen die selektive Abschaltung Folge-Effekte vermeidet.

Auslösestrom

30 mA ist Standard für Wohnstromkreise. 10 mA für Bäder mit Sondernutzung (Sauna, Whirlpool). 300 mA als Brandschutz-RCD vor Hauptverteilung in besonders feuergefährdeten Bereichen.

Überspannungsschutz - Pflicht seit 2018

Seit Oktober 2016 (Übergangsfrist bis 14. Dezember 2018) ist Überspannungsschutz nach DIN VDE 0100-443 für Neubauten Pflicht. Drei Schutzgeräte-Typen sind unterschiedlich verbaut:

  • Typ 1 (B): Blitzschutz-Ableiter im Hausanschlusskasten - Pflicht bei äusserem Blitzschutz, sonst empfohlen.
  • Typ 2 (C): Mittelschutz in der Hauptverteilung - Pflicht in Neubauten.
  • Typ 3 (D): Endgeräteschutz an empfindlichen Verbrauchern - empfohlen für TV, IT-Geräte.

Mehrkosten Überspannungsschutz Typ 1 und 2 etwa 400-700 Euro netto. Im Schadensfall sparen sie schnell mehrere tausend Euro Geräte-Schäden.

Leitungstypen und Querschnitte

Die korrekten Leitungsquerschnitte und -typen sind in DIN VDE 0100-520 geregelt. Im Wohnungsbau sind drei Querschnitte typisch: 1,5 mm² für Lichtstromkreise, 2,5 mm² für Steckdosen-Stromkreise, 6 mm² für Wallbox und 4-10 mm² für Wärmepumpe (je nach Aufstellung).

Standard-Querschnitte im EFH

AnwendungQuerschnittLSS
LichtstromkreiseNYM-J 3 x 1,5 mm²B 10/16 A
Steckdosen-StromkreiseNYM-J 3 x 2,5 mm²B 16 A
BackofenNYM-J 3 x 2,5 mm²B 16 A
Kochfeld (E-Herd) 11 kWNYM-J 5 x 2,5 mm²B 16 A 3-pol
Wallbox 11 kWNYM-J 5 x 2,5 oder 5 x 4 mm²B 16 A 3-pol
Wallbox 22 kWNYM-J 5 x 6 mm²B 32 A 3-pol
Wärmepumpe (je nach Modell)NYM-J 5 x 4 oder 5 x 6 mm²B 16/25 A 3-pol
HausanschlussNYM oder NAYY 4 x 16 mm² oder 4 x 25 mm²SLS 35-50 A

Verlegearten

  • Unter Putz: Standard für Wohnräume.
  • In Leerrohr: nachträglich austauschbar, im Neubau bei Schlüsselleitungen sinnvoll.
  • Auf Putz: nur im HWR, Garage, Keller mit Aufputz-Akzeptanz.
  • In Installationszone: nach DIN 18015-3, definierte Verlauf-Bereiche an Wänden für Bohren ohne Treffer-Risiko.

Leerrohre und Reserven für die Zukunft

Leerrohre kosten im Neubau 2-4 Euro pro Meter, im Bestand 60-120 Euro pro Meter. Wer Leerrohre einplant, hält Optionen für die nächsten 30 plus Jahre offen.

Pflicht-Leerrohre im Neubau 2026

  • HWR zu Carport/Garage: für Wallbox-Leitung, mindestens DN 32.
  • HWR zu Garten: für Aussenbeleuchtung, Pool, Bewässerung.
  • HWR zu Dach: für PV-DC-Leitung und Kommunikation.
  • HWR zu Strasse: für späteren Glasfaser-Anschluss, DN 50.
  • Wand zu TV-Position: für Wandhalterung, vom Boden zur Decke.
  • Decken-Leerrohr Wohnzimmer/Esszimmer: für nachträgliche Pendelleuchten oder Beamer.

Aussen- und Garten-Elektro

Aussenbereiche brauchen Elektroinstallation mit IP44-Schutz und 30-mA-RCD. Pflicht-Stromkreise: Eingang, Terrasse, Garten. Optional Pool, Sauna, Gewächshaus, Carport-Beleuchtung.

Aussen-Steckdosen Empfehlung

  • Eingang: 2 Steckdosen IP44 (Beleuchtung, Saugroboter, Weihnachtsdeko).
  • Terrasse: 4 Steckdosen IP44, verteilt auf 2 Wandseiten (Grill, Heizung, Beleuchtung).
  • Garten: 4 Steckdosen IP44 oder Bodensteckdosen (Bewässerung, Mähroboter).
  • Carport: 4 Steckdosen IP44 plus 1 Wallbox-Anschluss.

Beleuchtung Aussen

Standard-Komponenten: Wandleuchten am Eingang mit Bewegungsmelder, Bodeneinbauleuchten an der Terrasse, Garten-Leuchten am Weg. Smart-Home-Anbindung über KNX-Aktoren oder DALI-Bus für dimmbare Aussenleuchten.

KNX/Loxone-Bus-Vorrüstung

Wer im Neubau Smart Home plant - selbst nur als Option für später - sollte die Bus-Verkabelung mitziehen. Mehrkosten gegenüber konventioneller Verkabelung 800-2.500 Euro netto, später ohne Bus-Kabel 4.000-12.000 Euro Aufwand für Funk-Lösungen mit Repeater-Setup.

KNX-Verkabelung

KNX-Bus läuft als 2-paariges, geschirmtes Kabel (KNX TP, J-Y(St)Y 2 x 2 x 0,8 mm²). In jedem Raum mit Aktor- oder Sensor-Bedarf eine Bus-Schleife - vom Verteiler zum Raum, von Sensor zu Sensor, zurück. Mehr unter KNX im Neubau.

Kosten 2026 im Detail

Die Elektroinstallation im 140 m² EFH gliedert sich in Material, Lohn und Inbetriebnahme. Lohnanteil 60-70 Prozent, Material 30-40 Prozent.

Standard-Niveau (konventionell)

PositionKosten netto
Verteilerschrank 4-reihig + Komponenten2.500-4.000 €
Hauptanschluss + SLS + Zähler1.200-2.000 €
Stromkreise 22 Stück + Material4.500-7.500 €
Steckdosen, Schalter, Dosen 130 Stück1.500-2.500 €
Beleuchtung Vorrüstung800-1.500 €
Aussen-Elektro (IP44, Garten)1.500-2.500 €
Lohn Elektriker (~280-350 Std.)10.000-14.000 €
Inbetriebnahme + Messprotokoll500-800 €
Summe22.500-34.800 €

Komfort-Niveau (mehr Steckdosen, Bus-Vorrüstung)

Komfort-Niveau addiert 4.000-8.000 Euro für mehr Steckdosen, Bus-Vorrüstung in alle Räume mit Aktor-Bedarf, höherwertige Schalter (Glas, Edelstahl), Designline-Einsätze. Summe: 26.500-42.800 Euro netto.

Premium-Niveau (Voll-KNX, Wallbox, PV)

Premium-Niveau mit voll ausgebautem KNX, Wallbox 11 kW, PV-Wechselrichter-Anbindung, Wärmepumpen-Stromkreis, Lastmanagement-Modul: 50.000-75.000 Euro netto.

Installation im Bauablauf

  1. Werkplanung mit Stromkreis-Plan, Schalt- und Verteiler-Schema. Vor Baubeginn.
  2. Hausanschluss durch Netzbetreiber. Zähler montiert, SLS aktiv.
  3. Elektro-Schlitzung im Rohbau. Vor Verputz.
  4. Dosen setzen, Leitungen einziehen. Schalter- und Steckdosendosen, Verteilerdosen.
  5. Verteilerschrank-Rohmontage. Schaltschrank gesetzt, Sammelschienen vor.
  6. Innenputz. Alle Schlitze und Dosen geschlossen.
  7. Estrich. Heizungsleitungen und ggf. Bodendosen-Leerrohre eingegossen.
  8. Trockenbau und Maler. Schalter und Dosen frei lassen.
  9. Endmontage Schalter, Dosen, Leuchten.
  10. Inbetriebnahme mit Messprotokoll, RCD-Test, Schutzleitermessung.

Häufige Fehler bei der Elektroinstallation

  • Zu wenig Steckdosen. Nachgerüstet kostet jede Position 80-150 Euro - der Spar-Effekt im Neubau ist minimal.
  • Verteilerschrank zu klein. 3-reihig spart 200 Euro, kostet aber jede spätere Erweiterung 400-800 Euro Aufwand.
  • Licht und Steckdosen auf einem Stromkreis. Bei Kurzschluss am Toaster ist der Raum dunkel.
  • Keine RCD-Trennung pro Etage. Ein Defekt schaltet das ganze Haus ab.
  • Überspannungsschutz vergessen. Pflicht seit 2018, wird trotzdem oft weggelassen.
  • Keine Leerrohre vom HWR zum Carport oder Garten. Nachgerüstet 800-2.000 Euro.
  • Keine Wallbox-Vorrüstung. 5x6er Kabel zum Stellplatz im Neubau 200-600 Euro.
  • Bus-Verkabelung vergessen. Smart Home wird mit Funk dann zur Notlösung.
  • Keine Reserven im Verteiler. Mindestens 30 Prozent freie Plätze einplanen.
  • RCD Typ A statt Typ B für Wallbox. Bei Wallbox mit DC-Anteil ist Typ B Pflicht.

Auswahl des Elektrikers

Der Elektriker für ein Einfamilienhaus sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Eintragung in die Handwerksrolle (Elektrotechnikermeister oder Konzessionsträger).
  • Innungs-Mitgliedschaft als Qualitätssignal.
  • 3+ Referenzen vergleichbarer Neubauten besichtigen.
  • Detailangebot mit Mengenliste statt Pauschalbetrag.
  • KNX-Partnerschaft (oder Loxone) wenn Smart Home Bus geplant ist.
  • Erfahrung mit Wallbox-Anmeldung beim Netzbetreiber.
  • Bereitschaft zum Inbetriebnahme-Protokoll.

Hauptzuleitung und Hausanschlusskasten

Die Hauptzuleitung verbindet den Hausanschlusskasten (HAK) im Vorgarten mit dem Zählerschrank und Verteilerschrank im HWR. Material: Erdkabel NAYY-J 4 x 25 mm² für Standard-EFH, NAYY-J 4 x 35 mm² bei Wallbox plus Wärmepumpe parallel.

SLS-Auslegung

  • 35 A SLS: Standard EFH ohne grosse Verbraucher.
  • 50 A SLS: EFH mit Wärmepumpe plus Wallbox 11 kW.
  • 63 A SLS: EFH mit Wallbox 22 kW oder mehreren Wallboxen.

Hausanschluss-Verstärkung

Bei nachträglichem Bedarf nach höherer Anschluss-Leistung: Antrag beim Netzbetreiber, Erdarbeiten zum HAK, Verlegung neues Erdkabel. Mehrkosten 1.500-4.000 Euro je nach Strecke.

Schutzpotenzialausgleich

Pflicht nach DIN VDE 0100-540: Alle metallischen Versorgungs- und Bauteile werden auf gleiches Potenzial gebracht. Schiene im HAK oder HWR mit:

  • Schutzleiter Hausanschluss.
  • Wasserzuleitung (metallisch).
  • Heizungsleitung (metallisch).
  • Gasrohr (wenn vorhanden).
  • Lüftungskanäle.
  • Stahlbeton-Bewehrung der Bodenplatte (Fundamenterder).
  • Antennen-Erdung.

Fundamenterder

Im Neubau Pflicht nach DIN 18014: Ringerder oder Banderder im Fundament eingegossen. Verbindung mit Bewehrung und Hauptpotenzialausgleichsschiene. Bei späterer Solarinstallation als Erdung nutzbar. Mehrkosten Fundamenterder 800-1.500 Euro im Rohbau.

Schaltungs-Konzepte

Wechselschaltung

Eine Lampe mit zwei Schaltern (z.B. Treppenhaus oben und unten). Standard-Bauform mit korrespondierendem Wechselschalter, 3-adriges Kabel zwischen den Schalter-Positionen.

Kreuzschaltung

Eine Lampe mit drei oder mehr Schaltern. Wechselschalter an den Endpunkten, Kreuzschalter dazwischen. Im langen Flur oder bei mehreren Eingängen ins Wohnzimmer sinnvoll.

Tastdimmer und Universal-Dimmer

Standard für LED-Beleuchtung: Universal-Dimmer hinter Wand-Taster oder direkt im Wand-Schalter. Wichtig: dimmbare LED wählen, sonst flackern und Lebensdauer-Verkürzung.

Bewegungsmelder

  • Aussen-Bewegungsmelder: mit Dämmerungsschalter, IP44, Reichweite 8-15 m.
  • Innen-Bewegungsmelder: Decken- oder Wand-Montage in Flur, WC, Garage.
  • Präsenzmelder: hochempfindlich, erkennt sitzende Personen - sinnvoll im Arbeitszimmer.

LED-Beleuchtungs-Vorrüstung

Im Neubau 2026 wird ausschliesslich LED-Beleuchtung verbaut. Die Werkplanung sollte vorsehen:

  • Decken-Leuchten: Anschluss-Dose mit 3-adrigem Kabel (Phase, N, PE).
  • Spots in Decken: Wand-Decken-Übergang mit Anschluss-Dose, Trafo nach Bedarf.
  • LED-Streifen-Vorrüstung: 24V- oder 12V-Trafo im Verteiler oder lokal, Steuerung über DALI oder KNX-Aktor.
  • RGB/RGBW-Beleuchtung: 4-/5-adrige Verbindung zu LED-Streifen, DALI- oder KNX-Aktor.
  • Aussen-Beleuchtung: Pole mit Steckverbindung und IP65-Anschluss.

DALI vs. KNX-Beleuchtung

  • DALI (Digital Addressable Lighting Interface): Standard für professionelle Beleuchtungs-Steuerung. Bis 64 Geräte pro Linie, einzeln adressierbar.
  • KNX-Beleuchtung: über Schalt-/Dimm-Aktoren im Verteiler, jede Leuchte einzeln steuerbar.
  • DALI-KNX-Gateway: verbindet beide Welten - im Premium-Setup oft eingesetzt.

Not- und Sicherheitsbeleuchtung

Im Wohnneubau nicht zwingend, aber sinnvoll bei spezifischen Räumen:

  • Treppenhaus-Notbeleuchtung: bei Stromausfall mit Akku-Pufferung.
  • Sicherheitsbeleuchtung im Aussenbereich: Eingangsweg auch bei Stromausfall.
  • Notstrom-Steckdose im HWR: für Heizung und Wasserpumpe bei Stromausfall.

Dynamische Strompreis-Tarife

Mit Smart-Meter-Pflicht 2026 werden dynamische Tarife verbreitet (Tibber Pulse, awattar, Octopus Energy). Die Stromkosten variieren stündlich nach Marktpreis. Lohnt sich für Bauherren mit:

  • Wärmepumpe mit Pufferspeicher (kann verschoben werden).
  • Wallbox mit zeitgesteuertem Laden.
  • Hausspeicher mit Vorhersage-Steuerung.

Energie-Management-System mit dynamischer Tarif-Optimierung kann Stromkosten 10-25 Prozent senken.

FAQ - Elektroinstallation im Neubau

Wie viele Stromkreise braucht ein 140 m² Einfamilienhaus?
Standard sind 18 bis 24 Stromkreise. Pro Raum mindestens ein eigener Lichtstromkreis und ein Steckdosen-Stromkreis. Küche braucht eigene Stromkreise für Backofen, Herd, Mikrowelle, Spülmaschine, Kühlschrank. HWR mit eigenen Kreisen für Waschmaschine, Trockner, Wärmepumpe. Garten und Aussen mit RCD-geschützten Stromkreisen. Wallbox-Stromkreis separat mit RCD Typ B.
Wie gross sollte der Verteilerschrank ausfallen?
Mindestens 3-reihig mit 64 Teilungseinheiten, besser 4-reihig mit 96 TE. Für Premium-Ausstattung mit KNX, Wallbox, PV und Wärmepumpe sind 144 TE (5-reihig) realistisch. 30 Prozent Reserve für spätere Erweiterungen einplanen. Aufputz oder Unterputz möglich, im HWR oder Hauseingang positioniert.
Was ist der Unterschied zwischen RCD und RCBO?
RCD (Fehlerstromschutzschalter, früher FI) schützt mehrere Stromkreise gemeinsam vor Berührungsfehlern. RCBO kombiniert RCD und Leitungsschutzschalter (LSS) in einem Modul - schützt einen einzelnen Stromkreis sowohl vor Fehlerstrom als auch vor Überlast. RCBO ist im Neubau zunehmend Standard, weil ein Defekt nur einen Stromkreis abschaltet, nicht die ganze Etage.
Was kostet die Elektroinstallation im Neubau 2026?
Standard-Niveau im 140 m² EFH liegt bei 18.000 bis 28.000 Euro netto, Komfort bei 25.000 bis 38.000 Euro, Premium mit voller Bus-Vorrüstung bei 38.000 bis 55.000 Euro. KNX als Vollausstattung kommt zusätzlich mit 20.000 bis 40.000 Euro hinzu. Wallbox-Vorbereitung 200 bis 600 Euro, PV-Anbindung 1.500 bis 3.500 Euro.
Welche Normen gelten für die Elektroinstallation?
DIN VDE 0100 (allgemeine Errichtungsbestimmungen), DIN VDE 0100-410 (Schutz gegen elektrischen Schlag), DIN VDE 0100-443 (Überspannungsschutz, Pflicht seit 2018), DIN VDE 0100-722 (Wallbox), DIN VDE 0100-704 (Baustellen). RAL-RG 678 als Empfehlung für Steckdosen-Mengen pro Raum. KNX nach ISO/IEC 14543-3.
Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung und Bauherren-Interviews. Mehr über die Redaktion →