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Grundstückskosten 2026 - Bodenrichtwerte aller Bundesländer

Median, unteres und oberes Quartil der Bodenrichtwerte aller 16 Bundesländer, dazu Nebenkosten und Beispielrechnung für ein typisches 600 m²-EFH-Grundstück.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 27. April 2026 14 Min Lesezeit
Geldscheine und Hausmodell - Grundstückskosten
Bauland 2026: zwischen 30 Euro pro Quadratmeter im ländlichen Osten und 2.500 Euro in Münchner Vororten.
240 €/m²
Median 2026 baureifes Wohnbauland bundesweit
9-15 %
Nebenkosten vom Kaufpreis
15-50 %
Grundstücksanteil am Gesamtbudget Hausbau

Bodenrichtwerte alle 16 Bundesländer 2026

Die folgende Tabelle zeigt typische Bodenrichtwerte für baureifes Wohnbauland je Bundesland. Die Werte basieren auf öffentlich zugänglichen BORIS-Daten und Marktberichten der Gutachterausschüsse Stand Anfang 2026. Die Spannweite je Bundesland ergibt sich aus dem Stadt-Land-Gefälle und regionalen Boom- vs. Schrumpfungsregionen.

BundeslandUnteres Quartil €/m²Median €/m²Oberes Quartil €/m²
Baden-Württemberg180320700
Bayern2004001.500
Berlin5009001.800
Brandenburg50120350
Bremen200320500
Hamburg5009501.700
Hessen150280700
Mecklenburg-Vorpommern4090250
Niedersachsen80180400
Nordrhein-Westfalen120250550
Rheinland-Pfalz90180380
Saarland80150280
Sachsen50120320
Sachsen-Anhalt3080200
Schleswig-Holstein120240500
Thüringen40100250

Stand: April 2026. Indikative Werte für baureifes Wohnbauland aus BORIS-Daten und Gutachterausschuss-Berichten. Aktuelle Einzelwerte je Lage immer im jeweiligen BORIS-Portal prüfen.

Höchstpreis-Hotspots 2026

  • München und Umland: 1.800 bis 2.500 Euro pro Quadratmeter in besseren Lagen, Spitzenlagen über 3.000 Euro
  • Hamburg-Innenstadt und Elbvororte: 1.500 bis 2.000 Euro
  • Berlin-Süden und Speckgürtel: 1.200 bis 1.800 Euro
  • Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf: 800 bis 1.500 Euro in mittleren Lagen

Günstige Regionen

  • Ländliche Mecklenburg-Vorpommern: 30 bis 80 Euro
  • Ländliches Sachsen-Anhalt: 30 bis 80 Euro
  • Ländliches Brandenburg (außerhalb Berliner Speckgürtel): 50 bis 150 Euro
  • Ländliches Thüringen: 40 bis 100 Euro

Nebenkosten beim Grundstückskauf

Grunderwerbsteuer

Wichtigste Nebenkosten-Position. Sätze 2026 zwischen 3,5 und 6,5 Prozent je nach Bundesland. Detailtabelle unter Grunderwerbsteuer Bundesländer 2026.

Notarkosten

Beurkundung des Kaufvertrags durch den Notar nach Notarkostengesetz. Höhe: rund 1,5 Prozent des Kaufpreises bei Standardvertrag, etwas mehr bei besonderen Vertragselementen (Bauverpflichtungen, Rückabwicklungsklauseln). Wer bei der gleichen Beurkundung auch die Grundschuld eintragen lässt, zahlt zusätzlich rund 0,5 Prozent.

Grundbuchkosten

Eintragung in das Grundbuch durch das Amtsgericht, ebenfalls nach Gerichts- und Notarkostengesetz. Höhe: rund 0,5 Prozent des Kaufpreises. Bei zusätzlicher Grundschuld-Eintragung weitere 0,5 Prozent.

Maklerprovision

Wenn ein Makler beteiligt ist, fällt seit der Reform 2020 die Provision je hälftig auf Käufer und Verkäufer. Üblich 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer pro Seite, also 7,14 Prozent gesamt. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen oft 3,0 Prozent pro Seite.

Sachverständige und Bauberater

Bodengutachten 1.200 bis 2.500 Euro, Architekt oder Bauberater für Vorbesichtigung 300 bis 800 Euro, gegebenenfalls Verkehrswertgutachten 800 bis 3.000 Euro. Diese Kosten sind im engeren Sinne keine Kaufnebenkosten, gehören aber zur Vorbereitung dazu.

Grunderwerbsteuer 2026 nach Bundesländern

BundeslandSteuersatz
Baden-Württemberg5,0 %
Bayern3,5 %
Berlin6,0 %
Brandenburg6,5 %
Bremen5,0 %
Hamburg5,5 %
Hessen6,0 %
Mecklenburg-Vorpommern6,0 %
Niedersachsen5,0 %
Nordrhein-Westfalen6,5 %
Rheinland-Pfalz5,0 %
Saarland6,5 %
Sachsen5,5 %
Sachsen-Anhalt5,0 %
Schleswig-Holstein6,5 %
Thüringen5,0 %

Stand: April 2026. Bayern hält den niedrigsten Satz mit 3,5 Prozent, Brandenburg, NRW, Saarland und Schleswig-Holstein mit 6,5 Prozent am höchsten. Detail unter Grunderwerbsteuer 2026.

Beispielrechnung: 600 m² EFH-Grundstück

Szenario A: Ländliches Sachsen-Anhalt

  • Grundstück 600 m² × 80 Euro = 48.000 Euro Kaufpreis
  • Grunderwerbsteuer 5,0 %: 2.400 Euro
  • Notar plus Grundbuch rund 2,0 %: 960 Euro
  • Bodengutachten und Bauberater: 2.000 Euro
  • Gesamtkosten ohne Erschließung: rund 53.400 Euro

Szenario B: Mittlere Lage Niedersachsen

  • Grundstück 600 m² × 200 Euro = 120.000 Euro Kaufpreis
  • Grunderwerbsteuer 5,0 %: 6.000 Euro
  • Notar plus Grundbuch rund 2,0 %: 2.400 Euro
  • Bodengutachten und Bauberater: 2.000 Euro
  • Gesamtkosten ohne Erschließung: rund 130.400 Euro

Szenario C: Stuttgarter Vorort

  • Grundstück 600 m² × 800 Euro = 480.000 Euro Kaufpreis
  • Grunderwerbsteuer 5,0 %: 24.000 Euro
  • Notar plus Grundbuch rund 2,0 %: 9.600 Euro
  • Maklerprovision 3,57 % (Käufer-Anteil): 17.136 Euro
  • Bodengutachten und Bauberater: 2.500 Euro
  • Gesamtkosten ohne Erschließung: rund 533.236 Euro

Szenario D: Münchner Vorort (Spitzenlage)

  • Grundstück 600 m² × 2.000 Euro = 1.200.000 Euro Kaufpreis
  • Grunderwerbsteuer 3,5 %: 42.000 Euro
  • Notar plus Grundbuch rund 2,0 %: 24.000 Euro
  • Maklerprovision 3,57 % (Käufer-Anteil): 42.840 Euro
  • Bodengutachten und Bauberater: 3.000 Euro
  • Gesamtkosten ohne Erschließung: rund 1.311.840 Euro

Erschließungskosten zusätzlich

Bei voll erschlossenen Grundstücken kommen für die Hausanschlüsse 6.000 bis 12.000 Euro dazu. Bei nicht voll erschlossenen Grundstücken zusätzlich 10.000 bis 60.000 Euro Erschließungsbeitrag. Detail unter Grundstück Erschließung.

Finanzierung des Grundstücks

Reine Grundstücksfinanzierung

Banken finanzieren reine Grundstückskäufe ohne Hausbau, verlangen dafür aber höhere Zinsaufschläge als bei kombinierter Finanzierung mit Hausbau. Häufig wird der Grundstückskauf aus Eigenkapital gestemmt, der Hausbau dann über Hypothek finanziert.

Kombinierte Finanzierung

Standard 2026: Grundstück und Hausbau werden gemeinsam in einem Baudarlehen finanziert. Bank prüft Bonität für die Gesamtsumme, das Grundstück dient als erste Sicherheit. Vorteile: einheitliche Konditionen, weniger Verwaltungsaufwand. Nachteile: das Grundstück ist erst beim Hausbau wirtschaftlich nutzbar.

Eigenkapital-Quote

Banken empfehlen 20 bis 30 Prozent Eigenkapital für die Gesamtinvestition. Bei einem 700.000-Euro-Projekt also 140.000 bis 210.000 Euro Eigenkapital - das deckt typisch Grundstück, Nebenkosten und einen Teil des Bauwerks. Detail unter Eigenkapital für den Hausbau.

Förderwirkungen beim Grundstück

KfW und BAFA

KfW- und BAFA-Förderungen beziehen sich primär auf das Bauwerk, nicht auf das Grundstück. Indirekt entlastet die Förderung des Bauwerks aber das Gesamtbudget, was indirekt auch den Grundstücksanteil leichter finanzierbar macht.

Wohn-Riester

Riester-geförderte Vorsorge kann auch für Grundstückskauf bei Eigennutzung verwendet werden, sofern darauf später ein Eigenheim entsteht. Steuerliche Vorteile sind komplex, lohnt sich vor allem bei Familien mit Kindern.

Einheimischenmodelle

Mehrere Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein) erlauben Gemeinden, Bauland bevorzugt an Ortsansässige zu vergeben - mit reduziertem Preis (oft 30 bis 50 Prozent unter Marktwert) und Bindungsfristen für Selbstnutzung. Bei eigener Wunschregion immer beim Bauamt nachfragen, ob ein solches Modell läuft.

Erbschaftsteuer-Vorteile

Familien können Grundstücke schenkungsteuerlich begünstigt übertragen - insbesondere an Kinder mit Freibetrag von 400.000 Euro alle 10 Jahre. Wer ein Familiengrundstück erbt oder geschenkt bekommt, spart die Anfangsinvestition komplett.

Stagnation in den Boom-Regionen

Nach Jahren stark steigender Preise zeigen sich 2026 in einigen Boom-Regionen erste Stagnations-Tendenzen - vor allem in den absoluten Spitzenlagen München, Hamburg, Berlin. Hintergrund: gestiegene Bauzinsen, demografische Entwicklung, geänderte Förderpolitik.

Aufholbewegung in Mittelstädten

Mittelstädte mit guter Verkehrsanbindung und Lebensqualität (Münster, Regensburg, Würzburg, Dresden, Leipzig) verzeichnen weiterhin moderate Preissteigerungen. Pendelwillige Städter mit Homeoffice-Möglichkeiten ziehen verstärkt in mittelgroße Universitätsstädte.

Schrumpfung in peripheren Regionen

Periphere Regionen ohne wirtschaftliche Perspektive zeigen weiterhin sinkende Bodenpreise. Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Teile Brandenburgs bieten 2026 historisch günstiges Bauland - mit der Frage, ob die Region langfristig lebenswert bleibt.

Häufige Fehler bei Grundstückskosten

  • Nur den Kaufpreis kalkulieren. Nebenkosten 9 bis 15 Prozent oft vergessen - 18.000 bis 30.000 Euro extra bei 200.000 Euro Kaufpreis.
  • Erschließungskosten ignorieren. Bei eb-pflichtigen Grundstücken bis 60.000 Euro extra.
  • Bodenrichtwert eins zu eins als Kaufpreis ansehen. Lage-Faktoren können 30 Prozent über oder unter dem Bodenrichtwert liegen.
  • Bodengutachten und Bauberater nicht in die Vorbereitungskosten einrechnen. 2.500 bis 5.500 Euro vor dem Notar.
  • Förderwirkungen ungenutzt lassen. Einheimischenmodelle und Familienkonstellationen können den Grundstücksanteil deutlich reduzieren.
  • Spitzenlagen ohne Wirtschaftlichkeitsrechnung. Bei 50 Prozent Grundstücksanteil am Gesamtbudget muss das Hauspaket entsprechend kleiner werden.

Großstadt-Spitzenwerte 2026 im Detail

Die teuersten Wohnlagen Deutschlands liegen in fünf Großstädten. Wer dort kaufen will, muss mit Bodenwerten weit über dem regionalen Median rechnen.

München und Speckgürtel

München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Innerhalb der Ringbebauung erreichen Bodenrichtwerte 2.500 bis 4.000 Euro pro Quadratmeter, in Spitzenlagen wie Bogenhausen oder Grünwald über 5.000 Euro. Der Münchner Speckgürtel (Pullach, Solln, Geretsried) liegt bei 1.500 bis 2.500 Euro. Wer hier baut, hat einen Grundstücksanteil von 50 bis 70 Prozent am Gesamtbudget.

Hamburg und Elbvororte

Hamburg-Innenstadt erreicht 1.500 bis 3.000 Euro, die Elbvororte (Blankenese, Othmarschen, Nienstedten) 2.000 bis 3.500 Euro. Die nördlichen Bezirke (Eimsbüttel, Winterhude, Eppendorf) liegen bei 1.000 bis 2.000 Euro. Hamburger Randgemeinden (Norderstedt, Pinneberg, Ahrensburg) sind mit 600 bis 1.200 Euro die günstigere Alternative.

Berlin und Speckgürtel

Berlin-Innenstadt zeigt 2026 erste Stagnationen, Werte 1.500 bis 2.500 Euro je nach Bezirk. Berliner Speckgürtel (Kleinmachnow, Falkensee, Bernau) bietet 800 bis 1.500 Euro - mit guter Verkehrsanbindung in die Innenstadt eine gute Alternative.

Stuttgart und Region

Stuttgart-Stadt 1.500 bis 2.500 Euro, Stuttgarter Vororte (Filderstadt, Esslingen, Leinfelden) 800 bis 1.800 Euro. Im weiteren Großraum (Region Stuttgart) sinken die Werte auf 400 bis 800 Euro - lange Pendelzeiten als Folge.

Frankfurt und Rhein-Main

Frankfurt-Innenstadt 1.500 bis 2.500 Euro, Frankfurt-West (Sachsenhausen, Westend) bis 3.000 Euro. Rhein-Main-Region (Bad Soden, Königstein, Oberursel) 1.000 bis 2.500 Euro. Außenring (Hanau, Aschaffenburg, Darmstadt) 500 bis 1.200 Euro.

Was die Mehrkosten in Spitzenlagen rechtfertigt

Wer überlegt, ob 1.500 Euro pro Quadratmeter angemessen sind, sollte mehrere Faktoren bedenken.

Wertstabilität

Spitzenlagen bewahren ihren Wert auch in Krisenzeiten. Wer 2026 in München-Schwabing kauft, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in 30 Jahren noch einen vergleichbaren Wert realisieren. In peripheren Regionen ist das nicht garantiert.

Lebensqualität

Schulen, Ärzte, kulturelle Angebote, Verkehrsanbindung, Freizeitangebote - in Großstädten oft umfassender als in ländlichen Regionen. Diese Lebensqualität hat einen Wert, der sich schwer in Quadratmeterpreisen ausdrücken lässt.

Berufliche Karriere

In Großstadtregionen finden sich mehr Arbeitgeber, mehr Karriere-Optionen. Bei Jobwechsel oder beruflicher Veränderung größerer Spielraum. Pendelwege bleiben kurz.

Kompromiss

Wer in einer Großstadt arbeiten will, aber nicht den Spitzenpreis zahlen kann, kann im Speckgürtel kaufen - mit längerem Pendelweg, dafür einem Drittel bis halbiertem Quadratmeterpreis. Bei drei Tagen Homeoffice ist das oft tragbar.

Bayern als Sonderfall

Bayern ist bei Bauland-Kosten 2026 ein Sonderfall - sowohl wegen der Spitzen-Lagen München als auch wegen des günstigen Grunderwerbsteuersatzes von 3,5 Prozent.

Münchner Boom-Effekt

München zieht durch wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität auch 2026 noch Menschen an. Bauland in München und engerem Umland bleibt knapp und teuer. Spitzenpreise von 4.000 Euro pro Quadratmeter und mehr in Toplagen.

Bayerische Landgemeinden

Außerhalb der Münchner Metropolregion und der Großstädte (Nürnberg, Würzburg, Augsburg, Regensburg) sind bayerische Landgemeinden oft erschwinglich. Niederbayern, Oberpfalz und Oberfranken bieten Bodenrichtwerte von 80 bis 200 Euro pro Quadratmeter.

Niedrige Grunderwerbsteuer als Vorteil

Mit 3,5 Prozent hat Bayern den niedrigsten Grunderwerbsteuersatz Deutschlands. Bei 300.000 Euro Kaufpreis spart das gegenüber NRW (6,5 Prozent) 9.000 Euro. Ein nennenswerter Vorteil bei Investitionsentscheidungen.

Einheimischenmodelle

Viele bayerische Gemeinden vergeben kommunales Bauland bevorzugt an Einheimische zu reduzierten Preisen. Wer in seiner Heimatgemeinde baut, kann erhebliche Vorteile haben - bis zu 50 Prozent unter Marktwert. Selbstnutzungsbindung 10 bis 30 Jahre.

Empfehlung für die eigene Budgetplanung

Wer realistisch plant, vermeidet die häufigsten Fallen. Drei Faustregeln aus der Praxis 2026.

Budgetreserve einplanen

Bei Grundstückskauf 5 bis 10 Prozent Reserve über die geplanten Kosten hinaus einplanen - für unerwartete Erschließungskosten, höhere Bodenklasse, Anpassungen am Notarvertrag. Diese Reserve schützt vor Engpässen in der Bauphase.

Grundstückskauf vor Hausbau

In den meisten Fällen wird der Grundstückskauf zeitlich vor dem Hausbau abgewickelt. Damit ist klar, was finanziell für das Bauwerk übrig bleibt. Wer parallel Grundstück und Haus plant, sollte auf eine kombinierte Finanzierung mit fester Zinsbindung achten.

Realistisches Verhältnis Grundstück zu Haus

Faustregel: das Grundstück sollte typisch 20 bis 35 Prozent des Gesamtbudgets ausmachen. Bei einem 600.000-Euro-Projekt also 120.000 bis 210.000 Euro für Grundstück und Nebenkosten. Wer 50 Prozent des Budgets in das Grundstück steckt, hat zu wenig für das eigentliche Haus übrig.

Zinsentwicklung und Bauland-Markt

Die Bauzinsen 2026 haben den Bauland-Markt deutlich beeinflusst. Drei zentrale Beobachtungen.

Nachfrage gedämpft

Mit Bauzinsen von 3,5 bis 4,2 Prozent (Stand April 2026) ist die Nachfrage nach Bauland gegenüber den Niedrigzins-Jahren deutlich zurückgegangen. Das spürt vor allem die Mittelstädte und ländlichen Regionen, wo Bauland länger auf Käufer wartet.

Boom-Regionen weniger betroffen

In München, Hamburg, Berlin bleibt die Nachfrage stark, weil der Mangel groß und das Einkommensniveau hoch ist. Hier zeigen sich Stagnations-Tendenzen, aber kaum Rückgänge.

Käufer-Markt in der Peripherie

In strukturschwachen Regionen sind 2026 Verhandlungsspielräume von 10 bis 20 Prozent unter Angebotspreis möglich. Wer dort kauft, sollte selbstbewusst verhandeln.

Bauland-Preisentwicklung historisch

Wer aktuelle Preise einordnen will, sollte die historische Entwicklung kennen.

Niedrigzins-Boom 2010-2022

Mit den niedrigen Bauzinsen ab 2010 stiegen die Bauland-Preise in Deutschland erheblich. In Boom-Regionen wie München oder Berlin teils Verdoppelung der Preise innerhalb weniger Jahre. Die Bodenrichtwerte folgten dieser Marktentwicklung mit zeitlicher Verzögerung.

Zinswende 2022

Ab 2022 sind die Bauzinsen sprunghaft gestiegen, von rund 1 Prozent auf 3,5 bis 4 Prozent. Das hat die Nachfrage gedämpft, die Preise zeigen 2026 erste Stagnations- und teils Rückgangs-Tendenzen.

Mittelfristige Erwartung

Bauland in den Boom-Regionen wird auch langfristig knapp und teuer bleiben - Demografie und Verdichtungspolitik wirken in diese Richtung. In peripheren Regionen ist mit weiterer Schrumpfung zu rechnen, falls sich die regionale Wirtschaftslage nicht ändert.

Detailbetrachtung Mittelstädte

Die deutschen Mittelstädte zeigen 2026 ein interessantes Bild. Zehn Beispiele mit Bodenpreisen.

Münster

Boomende Universitätsstadt. Bodenrichtwerte 400 bis 800 Euro pro Quadratmeter in mittleren Lagen, in Top-Lagen über 1.000 Euro. Stark steigend.

Tübingen

Universitätsstadt mit hoher Lebensqualität. Bodenrichtwerte 350 bis 700 Euro. Konzeptvergabe-Verfahren der Stadt für kommunale Bauflächen.

Leipzig

Stark wachsende Großstadt. Bodenrichtwerte 200 bis 600 Euro je nach Stadtteil. Im Vergleich zu westdeutschen Großstädten noch günstig.

Würzburg

Bayerische Mittelstadt mit hohem Lebensstandard. Bodenrichtwerte 300 bis 700 Euro. Stabile Marktentwicklung.

Erfurt

Thüringer Hauptstadt mit moderater Preisentwicklung. Bodenrichtwerte 100 bis 300 Euro - deutlich unter westdeutschen Vergleichsstädten.

Entscheidungsfindung in Kürze

Wer den Bauland-Markt verstanden hat, kann seine Entscheidung in fünf Schritten strukturieren.

Region bestimmen

Wo soll gewohnt werden? Pendelradius, Wirtschaftslage, persönliche Präferenz. Damit entsteht der grobe Preisrahmen.

Maximalbudget berechnen

Mit Bank klären, was finanzierbar ist - inklusive Nebenkosten, Erschließung, Bauwerk. Daraus ergibt sich, welche Quadratmeterpreise realistisch sind.

Anforderungen priorisieren

Was ist wichtig - Größe, Lage, Erschließung, B-Plan? Wer alle Kriterien gleichzeitig will, findet kein Grundstück. Priorisierung hilft.

Marktanalyse

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Suchen und kaufen

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FAQ - Grundstückskosten 2026

Was kostet ein Grundstück 2026 in Deutschland?
Bundesweiter Median für baureifes Wohnbauland liegt 2026 bei rund 240 Euro pro Quadratmeter. Spannweite riesig: in ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns oder Sachsen-Anhalts 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter, in Münchner Vororten 1.500 bis 2.500 Euro, in Hamburger Randlagen 600 bis 1.200 Euro. Bayern und Hamburg führen die Statistik der teuersten Bauland-Regionen an, gefolgt von Baden-Württemberg und Berlin.
Warum sind die Preise so unterschiedlich?
Drei Hauptfaktoren: Nachfrage (Wirtschaftskraft und Bevölkerungsentwicklung der Region), Angebot (wie aktiv weist die Gemeinde neue Baugebiete aus), Lage (Verkehrsanbindung, Schulen, Naherholung). In schrumpfenden Regionen sind Grundstücke oft günstiger als der Bauwerksbau selbst, in Boom-Regionen oft teurer als das Haus.
Wo finde ich aktuelle Bodenrichtwerte?
In den BORIS-Portalen der Bundesländer. Zentraler Einstieg: BORIS-D (Bundesland-übergreifend). Jedes Bundesland hat ein eigenes Portal. Aktualisierung typisch alle 2 Jahre, in Großstädten oft jährlich. Werte sind kostenlos einsehbar, Adresse oder Flurnummer eingeben, Bodenrichtwert ablesen.
Wie viel Nebenkosten kommen zum Kaufpreis?
Typisch 9 bis 15 Prozent: Grunderwerbsteuer 3,5 bis 6,5 Prozent (je nach Bundesland), Notar plus Grundbuch rund 2 Prozent, Maklerprovision 3,57 Prozent (wenn Makler beteiligt). Bei einem Grundstück mit Kaufpreis 200.000 Euro fallen also 18.000 bis 30.000 Euro Nebenkosten an. Detail unter Grunderwerbsteuer Bundesländer.
Lohnt sich Bauerwartungsland?
Nur als Spekulation. Bauerwartungsland ist 30 bis 50 Prozent günstiger als baureifes Land - dafür fehlt die Garantie auf Bebaubarkeit. Wer in 5 bis 10 Jahren bauen will, sollte ausschließlich nach baureifem Land suchen. Bauerwartungsland ist eine Generationen-Wette und kein Bauherren-Werkzeug.
Wie hoch ist der Grundstücksanteil am Gesamtbudget?
Bundesweit typisch 15 bis 25 Prozent des Gesamtbudgets für Grundstückskauf, in Boom-Regionen oft 30 bis 50 Prozent. Bei einem Gesamtbudget von 600.000 Euro für Hausbau in mittlerer Lage fallen also 90.000 bis 150.000 Euro auf den Grundstückskauf. In München-Vororten kann der Grundstücksanteil 50 bis 60 Prozent erreichen.
Hausbau Journal Redaktion

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