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Energieeffizienz

Solardachziegel im Neubau: was sie kosten und was sie leisten

Warum ein Solarziegel nicht gleich ein Solarziegel ist, welcher Teil des Preises im Neubau gar keine Mehrkosten sind und warum die neue Einspeiseregel ab 2027 die Rechnung verschiebt.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 17. Oktober 2026 13 Min Lesezeit
Neubau mit dunkler Ziegeldeckung, auf der Südseite des Satteldachs ist die Photovoltaik in die Dachfläche integriert, Gerüst steht noch
In die Dachfläche integrierte Photovoltaik auf einem Neubau (Symbolbild)
120
Wp pro m² mit kleinformatigen Solarziegeln
207
Wp pro m² mit einem Solar-Ziegelmodul
~450 €
pro m² installiert laut Herstellerempfehlung

Drei Bauformen, die alle Solardachziegel heißen

Wer Angebote für Solardachziegel einholt, vergleicht schnell Äpfel mit Birnen. Unter dem Begriff laufen Produkte, die sich in der Leistung pro Quadratmeter fast um den Faktor zwei unterscheiden. Der Grund liegt nicht in den Solarzellen, sondern in der Form: Ein Dachziegel überlappt seine Nachbarn an Kopf und Seite, und auf der überdeckten Fläche kann keine Zelle sitzen. Je kleiner das Element, desto größer der Anteil an Falz und Überdeckung.

Bauform Prinzip Leistung je m² Dach Beispiel
Kleinformatiger Solarziegel Jeder einzelne Ziegel trägt eine kleine Solarzelle, rund 12 Stück pro m² rund 120 Wp Autarq-Technik in Ziegeln von Creaton (PV-AUTARQ) und Jacobi-Walther (Stylist-PV), etwa 10 W pro Ziegel
Solar-Ziegelmodul Glas-Glas-Modul in der Breite mehrerer Ziegel, verfalzt mit dem passenden Normalziegel derselben Serie rund 200 Wp Nelskamp G10 S PV: 121 Wp, Deckbreite 6 Ziegel (ca. 1,50 m), 207 Wp pro m²
Indach-Modul Großformatiges Solarmodul in einem Montagesystem, das die Ziegel unter sich ersetzt und seitlich eingedichtet wird ähnlich wie Aufdach Systeme mehrerer Modul- und Dachhersteller
Aufdach-Modul (Vergleich) Standardmodul auf Dachhaken über der fertigen Ziegeldeckung bis 250 Wp Standard bei Neubau und Bestand

Quellen: Autarq, Nelskamp Datenblatt G10 S PV (Stand 06/2024), ADAC (Juli 2026). Stand Oktober 2026.

Die Zahlen zeigen, was der Name verschleiert. Nelskamp gibt für die Zellen seines Ziegelmoduls einen Wirkungsgrad von 25,2 Prozent an. Das ist Spitzenklasse und kein Grund für die geringere Flächenleistung kleiner Solarziegel. Der Unterschied entsteht allein durch das Format. Ein kleinformatiger Solarziegel ist ein Gestaltungsprodukt, das vom Boden aus nicht als Solaranlage erkennbar ist. Ein Ziegelmodul ist ein Kompromiss: in die Ziegelreihe eingepasst, aber als dunkles Glasfeld sichtbar. Ein Indach-Modul ist technisch eine normale PV-Anlage, die nur tiefer im Dach sitzt.

Für die Planung heißt das: Erst die Bauform festlegen, dann die Leistung. Wer auf 50 Quadratmetern Süddach 10 kWp für Wärmepumpe und Wallbox braucht, bekommt sie mit einem Ziegelmodul. Mit kleinformatigen Solarziegeln bleibt es bei rund 6 kWp. Wie groß die Anlage für den eigenen Bedarf sein sollte, steht unter PV-Auslegung, die Grundlagen der Technik unter Photovoltaik im Neubau.

Was Solardachziegel kosten und welcher Teil davon im Neubau Mehrkosten sind

Der ADAC beziffert im Juli 2026 die Kosten für Solardachziegel inklusive Montage auf 330 bis 550 Euro pro Quadratmeter, 25 bis 35 Euro pro Ziegel oder 2.000 bis 3.500 Euro pro kWp. Autarq selbst nennt als unverbindliche Preisempfehlung rund 450 Euro pro Quadratmeter, installiert, für Ziegel von Creaton oder Jacobi-Walther mit seiner Technik. Für Ziegelmodule veröffentlichen die Hersteller keine Endkundenpreise, das Angebot kommt vom Dachdecker.

Position Kosten Quelle
Solardachziegel inklusive Montage 330 bis 550 €/m² bzw. 2.000 bis 3.500 €/kWp ADAC, 07/2026
Autarq-Technik in Creaton- oder Jacobi-Walther-Ziegeln, installiert rund 450 €/m² (Preisempfehlung) Hersteller
Aufdachanlage ohne Speicher 1.200 bis 1.700 €/kWp heim-watt
Tonziegeleindeckung mit Verlegung 55 bis 95 €/m² Dacheindeckung
Abdecken der alten Eindeckung (nur Bestand) 1.500 bis 2.000 € heim-watt

Preise brutto, für den PV-Anteil ohne Umsatzsteuer (siehe Steuer). Stand Oktober 2026.

Die meisten Kostenvergleiche im Netz sind für die Dachsanierung gerechnet. Im Neubau sieht die Rechnung freundlicher aus. Wo Solarziegel liegen, liegt kein normaler Ziegel, und den spart man. Die Lattung, die Unterdeckbahn und die Konterlattung braucht das Dach in beiden Fällen. Abziehen lässt sich also der Preis der Eindeckung selbst, bei Tonziegeln je nach Modell rund 55 bis 95 Euro pro Quadratmeter mit Verlegung. Bei einer Aufdachanlage gibt es diesen Abzug nicht, denn unter den Modulen wird das Dach trotzdem voll gedeckt.

Das senkt den Abstand, beseitigt ihn aber nicht. Bei 450 Euro pro Quadratmeter für den Solarziegel und 75 Euro für den eingesparten Normalziegel bleiben 375 Euro pro Quadratmeter Mehrkosten. Auf eine Leistung von 120 Wp pro Quadratmeter umgerechnet sind das gut 3.100 Euro pro kWp. Die Aufdachanlage liegt bei weniger als der Hälfte.

Rechenbeispiel: 50 m² Süddach im Neubau

Ein Einfamilienhaus mit Satteldach, Südseite mit 50 Quadratmetern nutzbarer Fläche nach Abzug von Ortgang, Traufe und Dachfenster. Verglichen werden kleinformatige Solarziegel mit einer Aufdachanlage auf derselben Fläche. Die Werte beruhen auf den Preisen oben und einem Jahresertrag von 950 kWh pro kWp, der für eine Süddachfläche mit 30 bis 45 Grad Neigung in weiten Teilen Deutschlands erreichbar ist.

Größe Kleinformatige Solarziegel Aufdachanlage
Leistung auf 50 m² 6,0 kWp (120 Wp/m²) 10,0 kWp (200 Wp/m²)
Investition 22.500 € (450 €/m²) 14.000 € (1.400 €/kWp)
Abzug eingesparte Ziegeleindeckung - 3.750 € (75 €/m²) entfällt
Netto-Mehrkosten 18.750 € 14.000 €
Stromertrag pro Jahr 5.700 kWh 9.500 kWh
Eigenverbrauch 2.000 kWh × 35 ct 700 € 700 €
Überschuss × 5,2 ct 3.700 kWh = 192 € 7.500 kWh = 390 €
Nutzen pro Jahr 892 € 1.090 €
Amortisation rund 21 Jahre rund 13 Jahre

Eigene Berechnung ohne Speicher, Finanzierung, Wartung und Leistungsverlust über die Jahre. 5,2 ct/kWh entsprechen der Übergangsvergütung im Regierungsentwurf zum EEG 2027 (siehe nächster Abschnitt).

Zwei Dinge fallen auf. Erstens trennen die beiden Varianten bei den Mehrkosten nur 4.750 Euro, deutlich weniger, als der Quadratmeterpreis vermuten lässt. Zweitens stammt der Unterschied im jährlichen Nutzen vollständig aus dem Überschuss. Der Eigenverbrauch ist in beiden Fällen gleich, weil auch 6 kWp an einem sonnigen Tag mehr liefern, als ein Haushalt tagsüber verbraucht.

Anders sieht es aus, wenn Wärmepumpe, Elektroauto und Speicher den Eigenverbrauch hochtreiben. Dann wird jede Kilowattstunde, die die kleinere Solarziegelanlage nicht liefert, aus dem Netz zu 35 Cent zugekauft statt zu 5 Cent verschenkt. Wer das Dach wegen hohen Strombedarfs vollmachen will, ist mit einem Ziegelmodul oder einer Indach-Anlage besser bedient als mit kleinformatigen Solarziegeln. Ein Ziegelmodul mit 207 Wp pro Quadratmeter bringt auf derselben Fläche gut 10 kWp. Ob es sich rechnet, hängt allein am Angebotspreis.

Einspeisevergütung ab 2027: warum sich die Rechnung gerade verschiebt

Bis Ende 2026 ist die Lage klar. Für Anlagen auf Gebäuden, die zwischen dem 1. August und dem 31. Dezember 2026 in Betrieb gehen, zahlt der Netzbetreiber laut Bundesnetzagentur bei Überschusseinspeisung 7,70 Cent pro kWh bis 10 kWp und 6,66 Cent für den Anteil zwischen 10 und 40 kWp, 20 Jahre lang. Wer in den nächsten Monaten baut, wird diese Frist mit dem Dach aber kaum schaffen.

Das EEG 2023 läuft am 31. Dezember 2026 aus. Die Bundesregierung hat am 29. Juli 2026 eine Novelle beschlossen, die dem Bundestag als Drucksache 21/7867 vorliegt. Für neue Anlagen unter 25 kW sieht der Entwurf keine 20-jährige feste Vergütung mehr vor, sondern drei Jahre lang 5,2 Cent pro kWh. Danach soll Überschussstrom nur noch über einen Direktvermarkter verkauft werden. Zusätzlich plant der Entwurf laut ADAC, dass neue Anlagen höchstens die Hälfte ihrer Leistung gleichzeitig ins Netz einspeisen dürfen. Beschlossen ist das noch nicht, der Bundestag hat den Entwurf im September in erster Lesung beraten.

Schon heute gilt das Solarspitzengesetz, in Kraft seit 25. Februar 2025: Für neue Anlagen gibt es in Stunden mit negativen Börsenpreisen keine Vergütung, und ohne intelligentes Messsystem dürfen Anlagen zwischen 2 und 100 kWp nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen.

Für Solardachziegel ist diese Entwicklung ausnahmsweise eine gute Nachricht. Je weniger der Überschuss wert ist, desto weniger fällt ins Gewicht, dass eine kleinformatige Solarziegelanlage weniger davon produziert. Im Rechenbeispiel liegt der gesamte Unterschied im jährlichen Nutzen bei der Einspeisung. Mit einer Vergütung, die nach drei Jahren auf den Marktwert fällt, wird er kleiner. Die Rechnung dreht sich dadurch nicht um, aber die Frage verschiebt sich: weg von der maximalen Leistung, hin zu einer Anlage, die den eigenen Verbrauch deckt. Wie ein Speicher diesen Anteil erhöht, steht unter PV-Speicher.

Technik, die vor der Bestellung geklärt sein muss

Ein Solardachziegel ist Dachdeckung und Stromerzeuger zugleich. Beide Rollen stellen Anforderungen, die im Werkplan des Dachstuhls stehen müssen, nicht erst im Angebot des Elektrikers.

  • Dachneigung. Nelskamp gibt für das G10 S PV eine Regeldachneigung von 25 Grad bei Verbanddeckung und 30 Grad bei Reihendeckung an. Darunter verlangen die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks zusätzliche Maßnahmen gegen eindringendes Wasser, die mit dem Hersteller abgestimmt sein müssen. Für flache Pultdächer sind Solarziegel meist die falsche Wahl. Mehr zu Neigungen unter Dachformen.
  • Hinterlüftung. Solarzellen verlieren mit jeder Erwärmung Leistung, beim Nelskamp-Modul 0,3 Prozent pro Grad. Zehn Grad mehr unter dem Ziegel kosten also 3 Prozent. Nelskamp schreibt deshalb eine Konterlattung von mindestens 30 × 50 Millimetern als Lüftungsebene vor. Die Höhe muss in der Dachplanung stehen, bevor der Zimmerer die Konterlatten bestellt.
  • Gewicht. Die Solartechnik macht einen Autarq-Ziegel um 700 bis 800 Gramm schwerer, das Dach trägt rund 10 Kilogramm pro Quadratmeter mehr. Ein Nelskamp-Modul wiegt etwa 12 Kilogramm. Der Statiker rechnet die Last im Neubau ohne Aufwand mit, wenn er davon weiß.
  • Brandschutz. Die Landesbauordnungen verlangen für Dächer eine harte Bedachung. Autarq gibt an, dass seine Solarziegel als harte Bedachung gelten. Den Nachweis sollte sich der Bauherr für das konkrete Produkt schriftlich geben lassen.
  • Hagel. Für das G10 S PV nennt Nelskamp die Hagelwiderstandsklasse HW5, geprüft mit 50 Millimeter großen Hagelkörnern, und einen Eintrag im Hagelregister. In Hagelregionen gehört dieser Wert ins Angebot, wie bei der normalen Dacheindeckung auch.
  • Elektrik. Die Autarq-Ziegel arbeiten mit Kleinspannung unter 120 Volt, parallel verschaltet, ohne Elektronik auf dem Dach. Ziegelmodule wie das G10 S PV werden mit MC4-Steckern wie normale Module in Strings verschaltet. Auf einem ganzen Dach kommen so Hunderte Steckverbindungen zusammen, die der Dachdecker legt und der Elektriker anschließt.
  • Garantie. Autarq gibt 25 Jahre Leistungsgarantie auf mindestens 80 Prozent, Nelskamp 10 Jahre Produktgarantie und 25 Jahre Leistungsgarantie auf 83 Prozent. Eine Garantie über 25 Jahre ist so viel wert wie der Hersteller, der sie gibt. Meyer Burger, der Solardachziegel im Programm führte, hat die Produktion an seinen deutschen Standorten zum 1. September 2025 nach der Insolvenz eingestellt.

Der heikelste Punkt ist die Schnittstelle zwischen den Gewerken. Ist ein Solarziegel undicht, ist es der Dachdecker. Liefert ein Strang keinen Strom, ist es der Elektriker. Liegt der Fehler in einer Steckverbindung unter dem Ziegel, streiten beide. Der Bauvertrag sollte deshalb festlegen, wer die Anlage als Ganzes schuldet und wer die Inbetriebnahme mit Messprotokoll abnimmt. Wie solche Regelungen aussehen, steht unter Leistungsbeschreibung im Bauvertrag.

Steuer, Förderung und Solarpflicht

Umsatzsteuer: 0 Prozent nur auf den PV-Anteil

Nach § 12 Abs. 3 UStG gilt für Solarmodule, ihre wesentlichen Komponenten, Speicher und die Installation ein Umsatzsteuersatz von 0 Prozent, wenn die Anlage auf oder in der Nähe einer Wohnung installiert wird. Bei Anlagen bis 30 kWp gelten die Voraussetzungen als erfüllt. Begünstigt ist die Photovoltaik, nicht das Dach. Das Angebot für Solardachziegel sollte deshalb den PV-Anteil getrennt von Lattung, Unterdeckung und Normalziegeln ausweisen, denn auf die Dacharbeiten fallen weiter 19 Prozent an.

Einkommensteuer: Erträge bis 30 kWp steuerfrei

Einnahmen aus einer Photovoltaikanlage auf, an oder in einem Gebäude sind nach § 3 Nr. 72 EStG steuerfrei, wenn die Bruttoleistung bis zu 30 kWp je Wohn- oder Gewerbeeinheit beträgt, insgesamt höchstens 100 kWp pro Steuerpflichtigem. Eine Gewinnermittlung entfällt dann. Für ein Einfamilienhaus mit Solardachziegeln ist diese Grenze praktisch nie erreichbar.

Förderung: Kredit, kein Zuschuss

Einen Bundeszuschuss für die PV-Funktion gibt es nicht. Der BAFA-Zuschuss für die Gebäudehülle gilt nur für bestehende Gebäude und hilft im Neubau nicht. Finanzieren lässt sich die Anlage über den KfW-Kredit 270 Erneuerbare Energien, der über die Hausbank beantragt wird und dessen Zins von der Bonität abhängt. Regionale Programme von Ländern und Kommunen listet die Förderdatenbank des Bundes. Ein Antrag gehört vor die Auftragsvergabe. Die Förderung des Effizienzhauses als Ganzes steht unter KfW 297 und 298.

Solarpflicht: Länder jetzt, Bund ab 2030

Mehrere Bundesländer schreiben auf Wohnneubauten schon heute eine Photovoltaikanlage vor, eine Übersicht steht unter Photovoltaik im Neubau. Bundesweit kommt die Pflicht mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz: Nach § 106 GModG brauchen neue Wohngebäude ab dem 1. Januar 2030 eine Solaranlage, bis dahin müssen Neubauten so geplant werden, dass sie sich nachrüsten lässt, wie die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen zusammenfasst. Solardachziegel sind eine Photovoltaikanlage und erfüllen diese Pflichten genauso wie Module auf dem Dach.

Wann Solardachziegel die richtige Wahl sind und wann nicht

Ein Solardachziegel ist ein Architekturprodukt, kein Renditeprodukt. Das ist keine Abwertung, nur eine Einordnung. Wer ihn kauft, bezahlt für ein Dach ohne sichtbare Technik, und in drei Situationen ist genau das die Lösung:

  • Gestaltungsvorgaben. Schreiben Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung eine einheitliche Dachdeckung in Farbe und Material vor, sind aufgesetzte Module oft nicht zulässig. Ein Solarziegel in derselben Farbe kann es sein. Das klärt eine kurze Anfrage beim Bauamt vor der Bestellung.
  • Denkmalschutz. Für eine Anlage auf einem Denkmal oder im Ensemble braucht es eine denkmalrechtliche Genehmigung. Laut ADAC wird sie oft nur erteilt, wenn das Erscheinungsbild von den prägenden Blickachsen aus nicht gestört wird. Das betrifft auch Neubauten in geschützten Ortskernen.
  • Viele kleine Dachflächen. Gauben, Kehlen und Teilflächen, auf denen kein ganzes Modul Platz findet, lassen sich mit kleinen Solarziegeln belegen. Bei dunklen Glattziegeln fällt dazwischen auch eine teilbelegte Fläche kaum auf.

In allen anderen Fällen ist eine Aufdachanlage mit schwarzen Modulen die nüchterne Wahl: halbe Kosten pro kWp, höhere Leistung, einfache Wartung, jeder Elektriker kennt sie. Dazwischen liegt die Indach-Anlage. Sie kostet je nach Quelle 20 bis 40 Prozent mehr als Aufdach, sitzt bündig in der Dachfläche und bringt annähernd dieselbe Leistung. Für viele Neubauten, bei denen die Optik zählt, die Rechnung aber auch, ist sie der bessere Kompromiss als der Solarziegel. Die aktuellen Preise für alle drei Varianten stehen unter Photovoltaik-Kosten 2026.

Häufige Fehler bei Solardachziegeln

  • Angebote nach Quadratmeterpreis vergleichen. Ein günstiger Quadratmeterpreis für kleinformatige Solarziegel kann pro kWp teurer sein als ein höherer für ein Ziegelmodul. Verglichen wird in Euro pro kWp und in kWh pro Jahr.
  • Die Hinterlüftung vergessen. Wird die Konterlattung nach Standardmaß bestellt, ist die Lüftungsebene für die Solarziegel zu niedrig. Der Verlust kommt jeden Sommer wieder.
  • Keine Ersatzziegel einlagern. Ziegelserien und Solarziegelgenerationen wechseln. Wer in 15 Jahren einen defekten Ziegel tauschen will, braucht ein passendes Stück. Ein paar Ersatzziegel auf dem Dachboden kosten heute wenig.
  • Die Gewerkegrenze offen lassen. Dachdecker und Elektriker getrennt zu beauftragen, ohne festzulegen, wer die funktionierende Anlage schuldet, führt im Schadensfall zum Streit über die Zuständigkeit.
  • Die Rechnung nicht aufteilen. Ohne getrennten Ausweis des PV-Anteils wird entweder auf die Dacharbeiten zu wenig oder auf die Photovoltaik zu viel Umsatzsteuer berechnet. Beides fällt spätestens bei einer Prüfung auf.
  • Mit der alten Einspeisevergütung rechnen. Geht die Anlage 2027 in Betrieb, gelten voraussichtlich andere Regeln. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung mit 7,70 Cent über 20 Jahre ist für einen Neubau mit Dach im nächsten Jahr zu optimistisch.

FAQ - Solardachziegel

Was kosten Solardachziegel pro Quadratmeter?
Installiert rund 330 bis 550 Euro pro Quadratmeter, das sind 25 bis 35 Euro pro Ziegel oder 2.000 bis 3.500 Euro pro kWp (ADAC, Juli 2026). Autarq nennt als unverbindliche Preisempfehlung für Ziegel von Creaton und Jacobi-Walther mit seiner Technik etwa 450 Euro pro Quadratmeter inklusive Montage. Im Neubau zieht man davon die normale Ziegeleindeckung ab, die auf dieser Fläche entfällt.
Wie viele Solardachziegel braucht man für 10 kWp?
Bei kleinformatigen Solarziegeln mit rund 10 W pro Stück etwa 1.000 Ziegel auf gut 80 Quadratmetern, bei 120 Wp pro Quadratmeter. Mit Solar-Ziegelmodulen wie dem Nelskamp G10 S PV (121 Wp je Modul, rund 4,8 m² pro kWp) sind es etwa 83 Module auf knapp 50 Quadratmetern. Die Bauform entscheidet also, ob 10 kWp überhaupt auf eine Dachseite passen.
Lohnen sich Solardachziegel im Neubau?
Finanziell selten. Im Neubau entfällt zwar die normale Eindeckung auf der Solarfläche, die Mehrkosten pro kWp bleiben aber etwa doppelt so hoch wie bei einer Aufdachanlage, und kleinformatige Solarziegel liefern auf derselben Fläche rund 40 Prozent weniger Leistung. Sinnvoll sind sie, wenn Bebauungsplan, Gestaltungssatzung oder Denkmalschutz sichtbare Module ausschließen oder die geschlossene Dachoptik den Aufpreis wert ist.
Gibt es Förderung für Solardachziegel?
Einen Zuschuss für die PV-Funktion gibt es vom Bund nicht. Für den PV-Anteil gilt der Umsatzsteuersatz von 0 Prozent nach § 12 Abs. 3 UStG, Erträge bis 30 kWp je Wohneinheit sind nach § 3 Nr. 72 EStG einkommensteuerfrei. Finanzieren lässt sich die Anlage über den KfW-Kredit 270 bei der Hausbank. Regionale Programme listet die Förderdatenbank des Bundes.
Was passiert, wenn ein Solardachziegel kaputtgeht?
Einzelne Solarziegel und Ziegelmodule lassen sich austauschen, ohne das Dach abzudecken. Voraussetzung ist, dass Ersatz in derselben Form und Farbe lieferbar ist. Deshalb lohnt es sich, beim Bau einige Ersatzstücke mitzubestellen und auf dem Dachboden zu lagern: Eine Ziegelserie, die in zwölf Jahren nicht mehr produziert wird, ist sonst ein Problem.

Quellen

Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung. Mehr über die Redaktion →