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Dachformen im Vergleich

Sattel, Walm, Pult oder Flach: Sieben marktübliche Dachformen, ihre Vor- und Nachteile bei Optik, Wohnraum-Gewinn, Photovoltaik-Eignung und Baukosten.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 14 Min Lesezeit
Einfamilienhaus mit klassischem Satteldach - Dachformen Vergleich
Sieben Dachformen sind 2026 beim Einfamilienhaus marktüblich, das Satteldach dominiert mit rund 60 Prozent Marktanteil.
60 %
Satteldach Marktanteil EFH Deutschland
+25 %
Walm vs Sattel Mehrkosten
7 Formen
Marktüblich Sattel bis Zelt

Sieben Dachformen im Überblick

DachformMarktanteilKostenfaktorBesonderheit
Satteldach60 %1,0günstig, Standard
Walmdach15 - 20 %1,2repräsentativ, sturmsicher
Pultdach10 - 12 %0,95modern, optimal PV
Flachdach5 - 8 %1,0Dachterrasse, Begrünung
Krüppelwalm3 - 5 %1,1Misch-Form Sattel/Walm
Mansardendach1 - 2 %1,3maximaler Wohnraum
Zeltdach< 1 %1,15für quadratische Grundrisse

Satteldach im Detail

Das Satteldach ist die klassische Dachform: zwei geneigte Dachflächen treffen sich am First. Häufigste Form bei Einfamilienhäusern, einfache Konstruktion, geringer Material-Verbrauch, schnelle Ausführung. Bei einem 140-Quadratmeter-Haus rund 28.000 bis 42.000 Euro für Dachstuhl plus Eindeckung.

Vorteile Satteldach

  • Geringe Baukosten einfachste Konstruktion mit Sparrendach-Standard
  • Schnee- und Regenabführung bei Neigung 30 bis 45 Grad optimal
  • Dachgeschoss-Wohnraum mit Drempel und Dachfenstern voll nutzbar
  • Photovoltaik-Eignung bei Süd-Ausrichtung eine Hälfte ungestört nutzbar
  • Reparatur-Freundlichkeit Standard-Eindeckung leicht ersetzbar
  • Bebauungsplan-Konformität in fast allen B-Plänen zulässig

Nachteile Satteldach

  • Optik wird schnell als gewöhnlich empfunden
  • Wohnraum-Verlust durch Dachschrägen ohne Drempel
  • Giebel-Seite ohne Wetterschutz-Vorteil

Empfohlene Dachneigung

30 bis 45 Grad - optimaler Bereich. Unter 22 Grad sind nur spezielle Sonderziegel zugelassen, über 50 Grad steigt die Eindeckungs-Komplexität (z.B. Sturmklammern an jedem Ziegel). 38 bis 42 Grad ist häufigste Wahl, weil Dachgeschoss-Stehhöhe in Verbindung mit 1,5 m Drempel optimal ist.

Walmdach

Das Walmdach hat alle vier Seiten geneigt, kein vertikaler Giebel. Optisch ausgewogener und repräsentativer als Satteldach, sturmsicherer durch geringere Angriffsfläche, regional in Norddeutschland verbreitet.

Vorteile Walmdach

  • Sturmsicherheit alle Seiten geneigt, kein Wind-Lasten-Konzentrations-Punkt
  • Repräsentative Optik wirkt hochwertiger als reines Sattel
  • Allseitige Wetterabführung kein offener Giebel
  • Architektonische Einheit bei freistehenden Häusern wirkt der Baukörper geschlossener

Nachteile Walmdach

  • Höhere Baukosten 15 bis 25 Prozent gegenüber Sattel
  • Wohnraum-Einschränkung durch zusätzliche Schrägen an den Giebel-Seiten
  • PV-Einschränkung kleinere Teil-Flächen pro Seite
  • Komplexere Konstruktion Grat-Sparren statt einfacher Sparren

Pultdach

Das Pultdach hat eine einseitige Neigung, ohne First. Die hohe Wand-Seite wird oft zur Süd- oder Ost-Seite ausgerichtet, dadurch entstehen geräumige Innenräume mit hoher Decke an einer Seite. Häufig bei modernen Architektenhäusern und Bauhaus-orientierter Architektur.

Vorteile Pultdach

  • Optimale PV-Ausrichtung ungestörte Süd-Fläche, kein First-Schatten
  • Moderne Optik Bauhaus, Designhaus, klare Linien
  • Wenig Wohnraum-Verlust nur eine Schräge
  • Gute Energiebilanz bei optimaler Süd-Ausrichtung
  • Geringe Baukosten einfachste Konstruktion mit nur einer Dachfläche

Nachteile Pultdach

  • Im B-Plan oft nicht erlaubt in traditionellen Wohnquartieren häufig ausgeschlossen
  • Volles Dachgeschoss baurechtlich oft nicht möglich hohe Wand zählt manchmal als Wand statt Dach
  • Wenig regionale Tradition bei traditionsbewussten Bauherren weniger beliebt

Flachdach

Das Flachdach hat eine Mindest-Neigung von 2 bis 5 Prozent für Entwässerung. Dachhaut komplett abgedichtet mit Bitumen-Bahnen, EPDM-Folie oder Kunststoff-Bahnen. Architektur Bauhaus-Stil, Kubus-Häuser, Architektenhäuser.

Vorteile Flachdach

  • Dachterrasse nutzbare Außenfläche statt Dachboden
  • Begrünbar extensive Sedum-Begrünung Standard, Mikro-Klima und Regenwasser-Rückhalt
  • Optimale PV-Aufständerung Süd-Ausrichtung unabhängig vom Haus möglich
  • Moderne Architektur klare Linien, Kubus-Optik
  • Kein Wohnraum-Verlust volles Geschoss ohne Schräge

Nachteile Flachdach

  • Höhere Anforderung an Abdichtung Lebensdauer 25 bis 35 Jahre
  • Folge-Sanierungs-Kosten 8.000 bis 15.000 Euro nach 30 Jahren typisch
  • Schneelast-Konzentrations-Risiko kein automatisches Abrutschen
  • Im B-Plan oft nicht zulässig in traditionellen Wohnquartieren ausgeschlossen
  • Wartungsbedarf höher Sichtkontrolle der Abdichtung jährlich erforderlich

Begrünung Flachdach

Extensive Begrünung mit Sedum-Pflanzen 8 bis 15 cm Aufbau, 30 bis 50 Euro pro Quadratmeter inklusive Drainage und Vegetationsschicht. Intensive Begrünung mit Stauden und Sträuchern 25 bis 50 cm Aufbau, 90 bis 200 Euro pro Quadratmeter, kann sogar als Garten genutzt werden. Statisch muss das Dach für die Mehrlast dimensioniert sein - bei Begrünung im Bauplan vorgesehen sein.

Krüppelwalm und Mansardendach

Krüppelwalmdach

Misch-Form: oben Sattel, unten kurze Walmflächen. Architektonisch ansprechender als reines Sattel, wirkt nicht so massiv wie Vollwalm. Mehrkosten gegenüber Satteldach 5 bis 10 Prozent. Wohnraum-Verlust geringer als bei Vollwalm. Besonders verbreitet in Süd- und Mitteldeutschland, häufig bei modernisierten Bestandshäusern.

Mansardendach

Zwei verschiedene Neigungen pro Dachfläche: oben flache Neigung 25 bis 35 Grad, unten steile Neigung 60 bis 75 Grad. Schafft maximale Dachgeschoss-Nutzung, weil die untere steile Fläche fast wie eine Wand wirkt. Klassisch in französischer und mittel-europäischer Stadtarchitektur. Mehrkosten gegenüber Sattel 30 bis 40 Prozent durch komplexe Konstruktion und höheren Materialaufwand. Häufig in Stadtvillen und repräsentativen Bauten.

Zeltdach

Bei quadratischen Grundrissen: alle vier Seiten gleichmäßig geneigt, treffen sich an einem Punkt in der Mitte. Wirkt wie ein Pyramide. Selten in Deutschland, regional in Süd-Italien und Süd-Frankreich verbreitet. Technisch anspruchsvolle Eindeckung mit Grat-Sparren von vier Seiten. Im B-Plan in Deutschland selten zulässig.

Kosten-Vergleich pro Dachform

Bei einem 140-Quadratmeter-Wohnflächen-Haus mit 180 Quadratmeter Dachfläche typische Kostenrahmen für komplettes Dach inklusive Dachstuhl, Eindeckung, Dämmung, Fenster und Rinnen:

DachformDachstuhlEindeckung Standard TonziegelKomplettes Dach
Satteldach14.000 - 20.000 €12.500 - 20.000 €42.000 - 65.000 €
Pultdach12.000 - 18.000 €10.500 - 16.000 €38.000 - 58.000 €
Flachdach10.000 - 15.000 €9.000 - 16.000 €32.000 - 52.000 €
Krüppelwalmdach16.000 - 22.000 €14.000 - 22.000 €46.000 - 70.000 €
Walmdach18.000 - 26.000 €16.500 - 26.000 €52.000 - 80.000 €
Mansardendach22.000 - 32.000 €18.000 - 28.000 €58.000 - 90.000 €

Bauphysik je Dachform

Wärme-Verluste

Dachfläche-zu-Volumen-Verhältnis ist bei kompakteren Formen besser. Walmdach hat das ungünstigste Verhältnis, weil die Dachfläche im Verhältnis zum Volumen größer ist - leicht höhere Heizkosten. Pultdach mit kompaktem Baukörper am günstigsten. Bei moderner Dämmung sind die Unterschiede aber gering.

Sommerlicher Wärmeschutz

Dachgeschoss heizt sich im Sommer stark auf. Dachform beeinflusst die Aufheizung: dunkle Eindeckung absorbiert mehr Strahlungswärme, helle reflektiert. Bei Pultdach mit großer Süd-Fläche besonders wichtig: Holzfaser-Dämmung mit hoher Wärme-Speicherkapazität, außenliegender Sonnenschutz an Dachfenstern.

Schneelast

In schneereichen Regionen (Bayern, Schwarzwald, Alpenraum) ist die Schneelast-Auslegung kritisch. Steile Dächer (über 40 Grad) entlasten sich durch Abrutschen, flache Dächer und Flachdach müssen die volle Last tragen. Statische Auslegung pro Region nach DIN EN 1991-1-3.

Welche Dachform für welches Haus?

Klassisches EFH im Wohnquartier

Satteldach mit 35 bis 45 Grad. Kostengünstig, B-Plan-konform, ausreichend Dachgeschoss-Wohnraum, Photovoltaik-tauglich. Standard-Wahl ohne Risiken.

Architektenhaus oder Bauhaus-Stil

Pultdach, Flachdach oder kombinierte Formen. Erlaubt moderne Linien, optimale PV-Integration. Voraussetzung: B-Plan-Erlaubnis und höheres Architekturhonorar einplanen.

Repräsentatives Haus

Walm- oder Krüppelwalmdach. Optisch ausgewogen, wirkt hochwertig. Bei Stadtvillen und großen Grundstücken passend. Mehrkosten 15 bis 25 Prozent.

Stadthaus mit Dachgeschoss-Wohnraum-Maximum

Mansardendach. Maximale Dachgeschoss-Nutzung, fast wie ein Vollgeschoss. Höchste Investition (30 bis 40 Prozent Aufschlag), aber wirtschaftlich bei knappen Grundstücken in der Stadt sinnvoll.

Haus mit Dachterrasse oder Dachgarten

Flachdach mit Begrünung oder Dachterrasse. Außenfläche statt Dachboden, modernes Wohngefühl. B-Plan vorab prüfen.

Dachneigung und Eindeckungs-Eignung

NeigungTonziegelBetondachsteinSchieferStehfalz-MetallBitumen-Bahn
5 - 12 °neinneinneinjaja
12 - 22 °nur Sondernur Sondernur Sonderjaja
22 - 30 °jajaneinjaja
30 - 50 °ja Standardja Standardjajaja
50 - 75 °jajajajanein

Bebauungsplan-Vorgaben

Im B-Plan stehen oft konkrete Vorgaben. Sechs typische Fundstellen:

  • Zulässige Dachform oft auf Sattel oder Walm beschränkt
  • Dachneigung häufig 30 bis 45 Grad zwingend
  • Eindeckungs-Material oft auf Ziegel oder Schiefer beschränkt
  • Eindeckungs-Farbe häufig nur rot, braun oder schwarz
  • Dachüberstand oft auf 30 bis 60 cm begrenzt
  • Photovoltaik manche B-Pläne begrenzen sichtbare PV-Anlagen

Wer einen Pult- oder Flachdach-Wunsch hat, prüft das B-Plan-Detail vor dem Grundstückskauf. Bei Abweichungen ist eine Befreiung möglich, aber selten erfolgreich. Mehr unter Bebauungsplan.

Historische Entwicklung der Dachformen

Bis 1950 dominierten regional unterschiedliche Dachformen: Norddeutschland Walm- und Krüppelwalmdach, Süddeutschland Sattel mit steiler Neigung, Alpenraum Sattel mit flacher Neigung wegen Schneelast und großer Dachüberstand. Nach 1960 setzte sich das Satteldach als Standard durch, nach 1990 kam das Pultdach mit der Architekten-Avantgarde, nach 2000 wurde das Flachdach durch Bauhaus-Renaissance wieder beliebt. Heute ist die regionale Vielfalt durch Standardisierung der Bauträger eingeebnet, aber B-Pläne bewahren regionale Traditionen.

Trends 2026 und danach

  • Pultdach mit ungestörter Süd-Fläche für PV Marktanteil wächst, weil PV-Pflicht in mehreren Bundesländern
  • Flachdach mit extensiver Begrünung als Beitrag zu Klima-Anpassung und Mikro-Klima
  • Dachintegrierte PV (BIPV) Solar-Module ersetzen Eindeckung, optisch elegant
  • Zurückhaltung beim Walmdach Wohnraum-Verlust wird kritisch betrachtet
  • Kombinationen mit Gauben Sattel mit großer Schleppgaube als Kompromiss zwischen Tradition und Wohnraum

Praktische Tipps zur Wahl

  1. B-Plan einsehen erlaubte Dachformen, Neigung und Eindeckung klären
  2. Süd-Ausrichtung des Hauses optimieren Pult oder Sattel mit Süd-Halbteil
  3. Dachgeschoss-Bedarf abschätzen wenn Vollnutzung gewünscht: Pult oder Mansarde
  4. Sturm-Lage prüfen in Küsten- und Hochlagen Walm bevorzugen
  5. Wirtschaftlichkeit über 60 Jahre rechnen Schiefer-Eindeckung gleicht Mehrkosten aus
  6. Architekt einbeziehen Dachform prägt Optik dauerhaft

Dachform vs Dachneigung

Häufiger Verwechslungs-Punkt: Dachform und Dachneigung sind getrennte Entscheidungen. Eine Dachform definiert die Geometrie (Sattel, Walm, Pult, Flach), die Neigung den Steigungs-Winkel. Beim Satteldach reicht die Spanne von 5 Grad (flach geneigt, fast Flachdach) bis 60 Grad (sehr steil) - und dazwischen verändert sich Optik, Eindeckungs-Eignung und Dachgeschoss-Nutzbarkeit komplett. Wer das Satteldach mit 22 bis 30 Grad Neigung wählt, bekommt einen anderen Hauscharakter als bei 45 Grad - obwohl es in beiden Fällen ein Sattel ist. Vor der Architektur-Entscheidung beide Punkte separat klären.

Dachüberstand und Vordach

Der Dachüberstand (auch Traufüberstand) ragt über die Außenwand hinaus und schützt Fenster und Fassade vor Regen und Sonne. Standard-Maße: 30 bis 80 cm Überstand, in Alpenraum auch über 1 Meter. Mehrkosten gegenüber bündigem Abschluss rund 1.500 bis 4.000 Euro pro Hausseite. Vorteile:

  • Fassaden-Schutz Wasser läuft nicht direkt an der Wand entlang
  • Sommerlicher Sonnenschutz hochstehende Sonne wird abgehalten, niedrigstehende Wintersonne kommt durch
  • Fenster-Witterungs-Schutz Regen erreicht Fenster seltener
  • Optische Prägnanz bei Alpen-Architektur und ländlicher Bauweise prägend

Bei klassischer Bauhaus- oder Designhaus-Architektur wird oft ohne Dachüberstand gebaut - die Außenwand schließt direkt mit der Dachfläche ab. Optisch markant, aber bauphysikalisch anspruchsvoller. Gute Detail-Ausführung am Anschluss erforderlich.

Energetische Bewertung der Dachformen

Die Dachform beeinflusst auch den Energieverbrauch des Hauses, weil das Verhältnis von Außenfläche zu beheiztem Volumen (A/V-Verhältnis) bei kompakten Baukörpern besser ist. Sieben Dachformen im energetischen Vergleich:

  • Pultdach kompakter Baukörper, niedrigste Außenfläche, beste Energiebilanz
  • Flachdach auch kompakt, aber Dach-Abdichtung muss perfekt sein
  • Satteldach 45 Grad Standard-Wert, ausgewogen
  • Krüppelwalm minimal mehr Außenfläche als Sattel
  • Walmdach rund 5 bis 10 Prozent mehr Außenfläche als Sattel
  • Mansardendach komplexe Außenfläche, Wärmebrücken-Anfällig
  • Zeltdach bei quadratischem Grundriss kompakt, aber konstruktiv komplex

Die Energie-Unterschiede zwischen den Dachformen sind aber gering (5 bis 10 Prozent Heizenergie-Bedarf), wenn Dämmung und Bauphysik gleich gut sind. Größeren Hebel hat die Wahl des Dämm-Materials.

Dachform bei Mehrfamilienhaus

Bei Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern werden andere Dachformen üblich als beim Einfamilienhaus:

  • Reihenhaus häufig durchlaufendes Satteldach, vereinheitlichte Optik
  • Doppelhaus Satteldach mit Mittel-Walm, beide Hälften gleichberechtigt
  • Mehrfamilienhaus Flachdach mit Dachterrasse als Premium-Wohnung im DG
  • Stadtvilla Walm- oder Mansardendach, repräsentativ

Schornstein und Dachform

Bei Wärmepumpen-Häusern entfällt der Schornstein meist. Bei Häusern mit Holzofen, Kaminofen oder Pellet-Heizung muss der Schornstein durch das Dach geführt werden. Position beeinflusst Statik und Eindeckung: zentral am First problemlos, in der Mitte einer Dachfläche aufwendiger durch Anschluss-Bleche und Kehlen. Bei Walmdach ist Schornstein schwieriger zu integrieren als bei Sattel. Mehrkosten Schornstein-Eindeckung 1.500 bis 4.000 Euro je nach Komplexität. Mehr unter Heiztechnik-Vergleich.

Regionale Verbreitung in Deutschland

Die Dachform-Wahl ist regional unterschiedlich geprägt. Sechs typische Muster:

  • Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) Walm- und Krüppelwalmdach gegen Sturm, flache Neigung 25 bis 35 Grad
  • Friesland Reet-bedecktes Krüppelwalmdach, traditionell und heute noch verbreitet
  • Bayern und Schwarzwald Satteldach mit großem Dachüberstand, steile Neigung 45 bis 55 Grad wegen Schneelast
  • Sachsen und Thüringen Satteldach mit Schiefer-Eindeckung, 40 bis 50 Grad
  • Stadtgebiete Mansardendach in Stadtvillen, Flachdach bei Mehrfamilienhäusern
  • Neubaugebiete bundesweit Standard-Sattel mit 35 bis 42 Grad und Tonziegel-Eindeckung

Grundstück und Dachform

Die Grundstücks-Form beeinflusst, welche Dachform sinnvoll ist:

  • Lange Schmal-Grundstücke längliches Satteldach mit First in Längsrichtung
  • Quadratische Grundstücke Walm- oder Zeltdach mit allseitiger Symmetrie
  • Hanggrundstück Pultdach mit Hang nach oben für Süd-PV nach unten
  • Eckgrundstück Walmdach optisch ausgewogener von beiden Straßenseiten
  • Kleines Grundstück Pult- oder Mansardendach für maximalen Wohnraum

Förderung und Dachform

KfW-Effizienzhaus-Förderung ist von der Dachform unabhängig - die Anforderung gilt für die Gesamt-Hülle. Trotzdem wirkt sich die Dachform indirekt aus: Pultdach mit großer PV-Fläche kann den Strom-Selbstversorgungs-Grad und damit die Effizienzhaus-40-plus-Berechnung verbessern. Flachdach mit extensiver Begrünung wird in einigen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg) zusätzlich gefördert mit 10 bis 25 Euro pro Quadratmeter Begrünungs-Fläche. Mehr unter Baufördung Bayern und Baufördung Baden-Württemberg.

Häufige Fehler bei der Dachform-Wahl

  • B-Plan ignoriert Pult- oder Flachdach im traditionellen Quartier nicht zulässig, Bauantrag scheitert
  • Süd-Ausrichtung des Hauses falsch bei Pultdach mit Süd-Wand statt Süd-Dachfläche keine PV-Eignung
  • Walm-Dach im Knappen Grundstück Wohnraum-Verlust unterschätzt
  • Flachdach ohne PV-Aufständerung Vorteil verschenkt, weil PV erst später nachgerüstet
  • Mansarde im Reihenhaus oft nicht zulässig wegen Höhen-Begrenzung im B-Plan
  • Dachüberstand zu klein Fassaden-Schäden nach 10 bis 15 Jahren
  • Schornstein-Position nicht zur Dachform passend bei Walmdach in der Mitte einer Dachfläche aufwendige Anschluss-Bleche nötig
  • Schneefangsystem vergessen bei steilen Dächern über Eingang oder Garage Lawinen-Risiko
  • Hagel-Härteklasse nicht spezifiziert in Hagel-Risiko-Zonen wie Bayern oder Schwaben

Dachform und Finanzierungs-Auswirkung

KfW-Förderung der Effizienzhaus-Standards 40 oder 40 plus ist bei jeder Dachform erreichbar - die Anforderung gilt für die Gesamt-Hülle, nicht für Einzel-Bauteile. Wer aber teurere Dachformen wählt (Walm, Mansarde), erhöht die Bausumme und damit den Finanzierungsbedarf. Mehrkosten für Walm gegenüber Sattel rund 8.000 bis 15.000 Euro - das wirkt sich auf die monatliche Annuität spürbar aus. Mehr unter Baufinanzierung und KfW-Förderung.

FAQ - Dachformen

Welche Dachform ist am beliebtesten in Deutschland?
Das Satteldach ist mit rund 60 Prozent Marktanteil bei Einfamilienhäusern die häufigste Dachform. Walmdach folgt mit 15 bis 20 Prozent, Pultdach 10 bis 12 Prozent, Flachdach 5 bis 8 Prozent. Regional variiert stark: Süddeutschland steiler, Norddeutschland flacher, Küstenregionen Walmdach wegen Sturm-Sicherheit.
Welche Dachform ist günstig und welche teuer?
Pultdach und Satteldach sind die kostengünstigsten Formen mit Aufwand 30 bis 45 Euro pro Quadratmeter (Dachstuhl plus Eindeckung). Walmdach kostet 15 bis 25 Prozent mehr, Krüppelwalm 5 bis 10 Prozent mehr. Flachdach kostenneutral, dafür höhere Folgekosten bei Abdichtung. Mansarde mit 30 bis 40 Prozent Aufschlag am teuersten.
Welche Dachform ist optimal für Photovoltaik?
Pultdach mit Süd-Ausrichtung optimal: ungestörte Süd-Fläche, 30 bis 35 Grad Neigung, kein First-Schatten. Satteldach mit Süd-Ausrichtung gut, dann eine Dachhälfte für PV. Walmdach problematisch wegen kleinerer Teil-Flächen. Flachdach mit Aufständerung erlaubt Süd-Ausrichtung unabhängig vom Haus, aber Aufständerung kostet zusätzlich.
Welche Dachform passt zum Bebauungsplan?
Im B-Plan stehen oft konkrete Vorgaben: Dachform (oft Sattel oder Walm), Dachneigung (häufig 30 bis 45 Grad), Eindeckungs-Material und Farbe. Vor Bauantrag prüfen, Abweichungen brauchen Befreiung. In Reihenhaus-Quartieren oft uniforme Sattelformen vorgeschrieben, in Neubaugebieten oft mehr Spielraum.
Wie viel Wohnfläche entsteht im Dachgeschoss?
Bei Satteldach mit 38 bis 42 Grad Neigung und 1,5 m Drempel rund 70 bis 80 Prozent der Grundfläche als nutzbare Wohnfläche. Bei Walmdach durch zusätzliche Schrägen rund 60 bis 70 Prozent. Pultdach mit Mehrhöhe an einer Seite 80 bis 90 Prozent. Flachdach 100 Prozent als Vollgeschoss. Mansarde 90 Prozent durch zwei Neigungen.
Welche Dachform ist sturmsicher?
Walmdach ist die sturmsicherste Form: alle vier Seiten geneigt, geringere Angriffsfläche für Wind. In Küsten- und Hochlagen-Regionen Standard. Satteldach mit 30 bis 45 Grad ist auch sicher, mit Sturmklammern an jedem Ziegel verstärkt. Flachdach hat geringe Angriffsfläche, bei guter Abdichtung sturmsicher. Pultdach mit hoher Wand-Seite zur Wetterseite ungünstig.
Hausbau Journal Redaktion

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