hausbaujournal.com
Energieeffizienz

PV-Auslegung - Dach optimal nutzen

Wie die PV-Anlage richtig dimensioniert wird: Verbrauch ermitteln, kWp festlegen, Dachausrichtung optimieren, Verschattung analysieren.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 15 Min Lesezeit
Süddach mit Photovoltaik-Anlage in optimaler Neigung - PV-Auslegung
Optimale PV-Auslegung beginnt mit der ehrlichen Verbrauchsanalyse und dem maximalen Belegen der Süd- oder Ost-West-Flächen.
1 kWp / 10 m²
Faustregelpro Wohnfläche
+2-3 kWp
für Wärmepumpezusätzlich einplanen
30-35°
Optimale NeigungSüd-Dach

Verbrauchsanalyse als Basis

Vor der PV-Auslegung steht die Verbrauchsanalyse. Drei Hauptverbraucher:

  • Haushaltsstrom: 1.500 kWh pro Person pa als Faustwert. Vier-Personen-Haushalt also 6.000 kWh - in der Praxis oft 4.000-5.000 kWh, weil moderne Geräte sparsamer.
  • Wärmepumpe: bei JAZ 4 und 9.000 kWh Wärmebedarf rund 2.250 kWh Strom pa. Plus 250 kWh Heizstab.
  • Elektroauto: 18 kWh pro 100 km, bei 15.000 km/Jahr also 2.700 kWh.
  • Wallbox-Verluste: 5-8 Prozent extra (Lade-Effizienz).

Summe: rund 9.000-11.500 kWh pa.

kWp-Berechnung im Detail

Eine PV-Anlage mit 1 kWp produziert in Deutschland 900-1.100 kWh pa, je nach Region. Ohne Eigenverbrauchs-Optimierung wird typisch 25-30 Prozent direkt verbraucht, der Rest eingespeist. Mit Speicher und smarter Steuerung 60-75 Prozent Eigenverbrauch.

kWp-Empfehlung nach Verbrauch

Gesamtverbrauch pakWp-EmpfehlungSpeicher
5.000-7.000 kWh (kein WP, kein EV)7-10 kWp5-8 kWh
7.000-9.000 kWh (mit WP, kein EV)10-14 kWp8-12 kWh
9.000-11.500 kWh (WP + 1 EV)14-18 kWp12-15 kWh
11.500-14.000 kWh (WP + 2 EV)18-22 kWp15-20 kWh

Maximalbelegung des Dachs

In den meisten Fällen ist Maximalbelegung wirtschaftlich. Mehr Module bedeuten höhere Investition, aber durch Skaleneffekte sinken die spezifischen Kosten pro kWp. Wer ein 80-m²-Süddach hat, kann 16-18 kWp belegen - selbst wenn er aktuell nur 10 kWp brauchen würde, lohnt sich die volle Belegung wegen Wertstabilität, Erweiterungs-Reserve und Eigenverbrauchs-Skalierbarkeit.

Dachausrichtung optimieren

Süd-Dach

Optimale Ausrichtung: Süd, 30-35° Neigung. Spezifischer Ertrag 1.000-1.100 kWh/kWp pa. Im Neubau mit Süd-Dach-Architektur die einfachste Lösung.

Süd-Ost und Süd-West

Bis 30° Abweichung von Süd: 95-98 Prozent vom Süd-Maximum. Akzeptabel und kaum Einbußen.

Ost-West-Aufdachung

Bei 30° Neigung: rund 85-90 Prozent vom Süd-Maximum. Vorteile: gleichmäßigere Erzeugung über den Tag, höhere Eigenverbrauchsquote. Beidseitige Belegung doppelt der Modulanzahl.

Flachdach Aufständerung

Mit 10-15° Aufständerung Richtung Süd: 95-100 Prozent vom Süd-Schräg-Maximum, höherer Modulabstand wegen Verschattung untereinander. Dachfläche kann bis 50 Prozent belegt werden.

Norddach

60-70 Prozent vom Süd-Maximum. Lohnt sich nur, wenn Süd- und Ost-West-Flächen voll belegt sind und der Bauherr die maximale Modulanzahl will.

Verschattungs-Analyse

Verschattung ist die größte Effizienz-Falle bei PV-Anlagen. Drei Quellen:

  • Bäume und Vegetation: oft die Hauptquelle, im Winter durch fehlende Blätter weniger kritisch.
  • Nachbargebäude: Höhe und Abstand prüfen, Verschattungs-Linien über das Jahr aufzeichnen.
  • Eigene Aufbauten: Schornstein, Dachgauben, Lüftungsabzüge.

Sonnenbahn-Diagramm

Bei der Auslegung wird die Sonnenbahn über das Jahr simuliert. Tools wie Sun Surveyor App oder die Online-Werkzeuge der Modul-Hersteller geben präzise Bewegungsdaten. Verschattungs-Linien für 21. Juni, 21. März, 21. Dezember zeigen die Streuung über das Jahr.

Modulanordnung optimieren

Bei teilverschatteten Dächern lohnt sich die Modul-Anordnung mit kürzeren Strings oder Modul-Optimierern. Solar-Edge-System mit Optimierer pro Modul reduziert Verschattungs-Verluste auf rund 10 Prozent. Mehrkosten: rund 1.000-2.000 Euro für 14 kWp.

Modulwahl im Detail

Die Modulwahl bestimmt Wirkungsgrad, Lebensdauer und Investition. Drei Kategorien:

Standard-Module (Wirkungsgrad 20-22 %)

Solide Marken wie JinkoSolar, Trina Solar, Longi, Q Cells. 25 Jahre Produktgarantie, 25 Jahre Leistungsgarantie 87,5 %. Marktstandard 2026.

Premium-Module (Wirkungsgrad 22-23 %)

Meyer Burger, REC, Sunpower. 25-30 Jahre Garantie, höhere Wirkungsgrade. Mehrkosten 15-30 %, dafür mehr Leistung pro m² Dach.

Top-Module (Wirkungsgrad 23-24 %)

HJT-Technologie (Heterojunction). Höchste Effizienz, langlebigste Erträge. Mehrkosten 30-50 %. Sinnvoll bei knappem Süddach.

Modulgrößen 2026

Standard-Module 2.094 mm × 1.134 mm mit 60 Halbzellen, Leistung 400-440 Wp. Großmodule 2.278 mm × 1.134 mm mit 66 Halbzellen, Leistung 440-460 Wp. Bei knapper Dachfläche Großmodule wählen, sonst Standard für einfacheren Service.

Wechselrichter-Auslegung

Der Wechselrichter wandelt DC-Strom der Module in AC-Strom für Hausnetz und Einspeisung. Drei Bauarten:

String-Wechselrichter

Standard. Ein Wechselrichter pro Anlage (oder zwei bei großen Anlagen). Module in Strängen verschaltet. Wirtschaftlich, einfach, zuverlässig.

Hybrid-Wechselrichter

Mit integrierter Speicher-Anbindung. Im Neubau zunehmend Standard, weil Speicher direkt am Wechselrichter angeschlossen wird. Vorteile: bessere Effizienz, weniger Komponenten.

Mikro-Wechselrichter und Optimierer

Pro Modul ein Wechselrichter (Mikro) oder Optimierer plus zentraler Wechselrichter. Vorteile bei Teilverschattung. Mehrkosten 15-25 % vs. String-System.

Dimensionierung

Standard-Empfehlung: Wechselrichter mit 90-100 Prozent der Modulleistung. Bei 14 kWp Modulen also 12-14 kW Wechselrichter. Leichte Unterdimensionierung („AC-Limit") bei 90 Prozent macht Sinn, weil die Spitzenleistung selten und kurz erreicht wird.

Ertrags-Simulation vor Bestellung

Vor Vertragsabschluss sollte eine fundierte Ertrags-Simulation erstellt werden. Tools:

  • PVGIS (EU-Tool): kostenlos, präzise für Standort.
  • Sunny Design (SMA): kostenlos, mit Modul-Datenbank.
  • Solarprognose-Tools der Hersteller: jeder Wechselrichter-Hersteller hat ein eigenes Tool.
  • HTW Berlin Stromertragsrechner: sehr präzise für Eigenverbrauchsquote.

Ertrags-Garantie verlangen

Seriöse Installateure geben einen schriftlichen Ertrags-Nachweis im Angebot. Bei tatsächlich niedrigerem Ertrag (mehr als 5 Prozent unter Prognose) ist eine Nachbesserung oft vertraglich möglich.

Praxis-Tipps zur Auslegung

  • Lieber 2-3 kWp zu groß als zu klein - Skaleneffekte in den Kosten.
  • Süd-Dach immer voll belegen, Ost-West-Aufdachung ggf. ergänzen.
  • Verschattungs-Analyse vor Bestellung Pflicht.
  • Hybrid-Wechselrichter wählen, auch wenn Speicher erst später kommt.
  • Ertrags-Simulation in den Vertrag integrieren.
  • Modul-Datenblätter mit Garantiebedingungen prüfen.
  • Carport-PV als zusätzliche kWp-Reserve einplanen.

Häufige Fehler bei der PV-Auslegung

  • Zu klein dimensionieren. Dach nicht voll belegt - nachträgliche Erweiterung 50 % teurer.
  • Verschattung ignorieren. Bäume oder Nachbargebäude reduzieren Ertrag stark.
  • Wechselrichter zu klein. Spitzen werden gekappt, 5-10 % weniger Ertrag.
  • Nur Süddach planen, Ost-West-Reserven ignorieren. Mehr Eigenverbrauch durch Doppelbelegung.
  • Speicher zu klein. Eigenverbrauchsquote stagniert bei 35-40 %.
  • Ertrags-Simulation überspringen. Bei tatsächlich niedrigem Ertrag kein Anspruch.
  • Modulwahl rein nach Preis. 25-Jahres-Garantie und Leistungs-Stabilität sind wichtiger.

PV-Planung im Bauablauf

  1. Werkplanung Dach: PV-Last in Statik einplanen, Aufbauten reduzieren.
  2. Verbrauchsanalyse: Haushalt, WP, EV.
  3. Dachausrichtung und Verschattung prüfen.
  4. kWp festlegen: Maximal-Belegung anstreben.
  5. Module, Wechselrichter, Speicher auswählen.
  6. Ertrags-Simulation erstellen lassen.
  7. Genehmigung bei Netzbetreiber einholen.
  8. Installation mit Dacheindeckung koordinieren.
  9. Inbetriebnahme und Anmeldung.

Erweiterung in 10 Jahren

Wer heute 14 kWp installiert, kann später erweitern. Wichtig: Wechselrichter mit Reserve (12-14 kW statt 10 kW), Verkabelung mit Reserve-Strang, Speicher-System modular erweiterbar. Erweiterung um 4-6 kWp in 8-12 Jahren typisch sinnvoll, wenn ein zweites E-Auto oder höhere Wärmepumpen-Last dazukommt.

Grundstücks-Spezifika

Bei kleinen Grundstücken oder ungünstigen Dachformen:

  • Carport-PV als zusätzliche Fläche.
  • Solar-Garten-Tisch und Solar-Pergola als Akzent.
  • Fassaden-PV an Süd-Wand.
  • Solarthermie als Ergänzung wenn Wärmepumpe und Pellet kombiniert.

Kosten-Detailtabelle

AnlagengrößeModuleWechselrichterMontageGesamt netto
10 kWp3.500-5.000 €1.800-2.500 €3.500-5.000 €9.500-13.000 €
14 kWp5.000-7.000 €2.500-3.500 €4.500-6.500 €13.000-18.000 €
18 kWp6.500-9.000 €3.000-4.500 €5.500-7.500 €16.500-22.500 €

Anschluss-Pflichten bei der Installation

Der Installateur muss für die fertige Anlage die Anmeldung beim Netzbetreiber durchführen, einen Inbetriebnahme-Bericht erstellen und die Anlage im Marktstammdatenregister eintragen. Diese Pflicht-Schritte gehören zum Standardumfang. Wer eine Anlage „nur" mit Modulen, Wechselrichter und Montage erhält, muss die Bürokratie selbst übernehmen.

Neigungseinfluss in Zahlen

NeigungSpez. Ertrag (kWh/kWp)Hinweis
0° (Flach)900Aufständerung 10-15° empfohlen
15°980moderne Pultdächer
30°1.000-1.050Süd-Standard-Sattel
35°1.040-1.080Optimum
45°1.020-1.060steilere Sattel
60°900-940Walmdach-Steilflächen

Praxisbeispiel: 140 m² EH 55 mit WP

Familie Müller baut ein 140-m²-EH-55-Haus mit Süddach 50 m² und Ost-West-Anteil je 25 m². Wärmepumpe 5 kW, ein E-Auto, geplanter Verbrauch 9.500 kWh pa.

  • Auslegung: 12 kWp Süd plus 6 kWp Ost-West-Aufdachung = 18 kWp gesamt.
  • Wechselrichter: Hybrid 15 kW (mit zwei MPP-Trackern).
  • Speicher: 15 kWh Lithium-Eisenphosphat.
  • Investition netto: 28.500 Euro (ohne MwSt).
  • Erwarteter Jahresertrag: 17.300 kWh.
  • Eigenverbrauchsquote: 70 Prozent.
  • Stromkosten gespart: rund 4.200 Euro pa.
  • Einspeisevergütung: rund 380 Euro pa.
  • Amortisation: 7 Jahre.

Modulrahmen und Material

Aluminium-Rahmen ist Standard, auch für 25-Jahres-Lebensdauer ausreichend. Glasfreie Rückseite oder Glas-Glas-Module bieten höhere Stabilität, sind aber 10-15 Prozent teurer. Glas-Glas-Module mit 30 Jahren Garantie eine sinnvolle Investition für sehr langfristige Planung.

Kombination mit Wärmepumpe

Bei Wärmepumpen-Hausstrom optimal: Wärmepumpe direkt am PV-Wechselrichter angeschlossen, SG-Ready aktiviert. Im Sommer läuft die Wärmepumpe für Warmwasser komplett aus PV, im Winter ergänzt der Speicher. Eigenverbrauchsquote der Wärmepumpe steigt von 30 auf 65-75 Prozent.

Dachfenster, Lüfter, Schornstein

Aufbauten auf dem Dach reduzieren die nutzbare PV-Fläche. Im Neubau lohnt es sich, sie zu minimieren oder an Nord- oder Ost-Seite zu legen. Dachfenster brauchen rund 3 m² Sicherheitsabstand für PV. Lüftungsabzüge 1 m². Schornsteine 2 m². Wer alle Aufbauten optimiert platziert, kann 10-20 Prozent mehr Modulfläche belegen.

Ausrichtungs-Rechner für Bauherren

Online-Rechner wie SunSurveyor, Solartoolbox oder das HTW-Berlin-Tool ermöglichen eine eigene Voranalyse. Eingabe: Postleitzahl, Dachausrichtung in Grad, Neigung, kWp. Ausgabe: Jahresertrag und monatliches Profil. Vor Beauftragung des Installateurs kann der Bauherr so eigene Erwartung kalibrieren und im Angebots-Vergleich besser bewerten.

Praxis-Tipps bei der Installateur-Auswahl

  • 3-5 Angebote einholen, möglichst auf gleicher Spec-Basis.
  • Auf Modul-Marke und konkretes Modulmodell bestehen.
  • Wechselrichter-Marke und Modell schriftlich.
  • Speicher-Marke und exakte Kapazität.
  • Schriftliche Ertragsprognose.
  • Garantie-Leistungen schriftlich (Modul, Wechselrichter, Speicher, Installation).
  • Abnahme- und Inbetriebnahme-Protokoll als Vertragsbestandteil.
  • Wartungsvertrag-Optionen klären.

Warmwasser mit PV-Strom

Wer keine Wärmepumpe hat, kann PV-Überschuss mit einem Heizstab ins Warmwasser einleiten. Heizstab 2-3 kW im Pufferspeicher, smart-gesteuert. Effizienz nicht so hoch wie Wärmepumpe (COP 1 statt 4), aber mit kostenlosem PV-Überschuss wirtschaftlich. Investition Heizstab plus Steuerung: 600-1.500 Euro.

Speicher in der Auslegung berücksichtigen

Bei der PV-Auslegung wird der Speicher direkt mitgedacht. Hybrid-Wechselrichter braucht Speicher kompatible Schnittstelle (BMS-Protokoll), Speicher ist meist 12-15 kWh bei 14 kWp Anlage. Erweiterung möglich, aber bei Erstinstallation günstiger. Mehr unter PV-Speicher.

Solarprognose-Apps

Apps wie Solcast, Solar.web oder die Wechselrichter-eigenen Apps geben Tagesprognosen für PV-Erträge. Wer Wärmepumpe und Speicher manuell steuert, kann gezielt Verbraucher in sonnige Stunden legen. Mit smartem Energie-Management-System läuft das automatisch.

Lade-Strategien für E-Auto und PV

StrategieEigenverbrauchsquoteKomfort
Sofortladen mit Netz15-25 %maximal
PV-Überschuss-Laden60-75 %variabel je nach Wetter
PV-Überschuss + Mindest-Netz-Anteil50-65 %hoch
Dynamischer Tarif + Smart-Steuerung70-85 % effektivhoch mit App

Bauantrags-Relevanz

PV-Anlagen auf Wohngebäuden sind in den meisten Bundesländern verfahrensfrei oder anzeigepflichtig - keine Baugenehmigung nötig. Ausnahmen: Denkmalgeschützte Häuser (extra Genehmigung), Spezial-Architektur (Sichtschutz für Anlieger). Im Bauantrag wird die PV-Anlage typisch als Bauteil mit dargestellt.

Mehrere Dachflächen kombinieren

Wer mehrere Dachflächen (Süd plus Ost-West, oder Süd plus Carport) hat, kann diese kombinieren. Wichtig: jede Fläche an einem MPP-Tracker des Wechselrichters anschließen, damit unterschiedliche Erträge nicht gegenseitig limitieren. Bei vier oder mehr Flächen können auch zwei Wechselrichter sinnvoll sein.

Trafo und Hausanschluss

Bei sehr großen Anlagen (über 25 kWp) prüft der Netzbetreiber, ob der Hausanschluss genug Kapazität hat. Bei kleineren Anlagen kein Problem. Hausanschluss-Anpassung kostet 1.500-3.500 Euro, ist aber für die meisten Wohnneubau-Anlagen nicht nötig.

Zukunfts-Szenarien einplanen

Wer 2026 baut, sollte vorausschauend dimensionieren:

  • Zweites E-Auto in 5-10 Jahren möglich? Dann gleich 2-3 kWp Reserve einplanen.
  • Wärmepumpe wird in 15 Jahren effizienter? Dann reicht aktuelle Auslegung auch dann.
  • Speicher-Erweiterung in 8-10 Jahren wahrscheinlich? Wechselrichter mit Erweiterungs-Reserve wählen.
  • Tarif-Strukturen ändern sich? Smart-Meter-Pflicht ab 2026 bringt dynamische Optimierung.

Redundanz und Strangaufteilung

Eine 14-kWp-Anlage wird typisch in zwei Strängen verschaltet (jeweils 17-18 Module). Vorteile: bei Defekt eines Wechselrichter-MPP-Trackers nur die Hälfte der Anlage betroffen, bessere Verschattungs-Optimierung. Bei sehr großen Anlagen oder mehreren Dachflächen mehr Stränge sinnvoll.

Brandschutz bei PV-Anlagen

Moderne PV-Anlagen haben automatische Notabschalt-Funktion (DC-Trennstelle), die bei Wechselrichter-Stillstand die Module spannungsfrei schaltet. Wichtig für die Feuerwehr im Brandfall. Premium-Wechselrichter (SolarEdge) haben Modul-Optimierer mit „Safe DC" - Feuerwehr kann die Anlage komplett spannungsfrei machen.

Modul-Orientierung (Hochkant vs. Quer)

Module können hochkant oder quer auf dem Dach montiert werden. Hochkant-Belegung passt meist besser auf typische Dachflächen, hat etwas weniger Verschattungs-Risiko bei tief stehender Sonne. Quer-Belegung lohnt sich bei breiten Dächern mit kurzer Höhe. Der Installateur entscheidet das nach Dachgeometrie - der Bauherr braucht das nicht selbst zu festlegen, sollte aber die Begründung verstehen.

Ertragstabelle nach Region

StandortSpez. Ertrag (kWh/kWp pa)14-kWp-Anlage Ertrag
Hamburg91012.740
Berlin95013.300
Köln/Bonn95013.300
Frankfurt98013.720
Stuttgart1.02014.280
München1.08015.120
Freiburg1.11015.540

3D-Verschattungs-Simulation

Bei komplexen Standorten (Bäume, Nachbargebäude, Dachgauben) lohnt sich eine 3D-Simulation. Tools wie PV*SOL oder Helioscope erstellen ein 3D-Modell der Umgebung und simulieren die Sonnenbahn über das Jahr. Mehrkosten der Planung: 200-500 Euro, dafür präzise Auslegung mit minimalem Verschattungsverlust.

Kabelwege und Leitungsplanung

Vom Modulfeld auf dem Dach zum Wechselrichter im HWR sollte der Kabelweg möglichst kurz sein. Empfehlung: maximaler Spannungsabfall 1 Prozent über die DC-Strecke. Bei größeren Anlagen lohnt sich höhere Systemspannung (1.000 V Strings statt 600 V), das reduziert Kabel-Querschnitt und Verluste.

Leerrohr im Rohbau einplanen

Im Rohbau ein Leerrohr DN 50 vom Dachboden zum HWR vorsehen - das spart später Schlitzungen und ermöglicht problemlose Verkabelung. Kosten Leerrohr: 50-100 Euro Material, ein paar Minuten Aufwand für den Elektriker.

Überschuss-Management

Wer den Eigenverbrauch maximieren will, lenkt den PV-Überschuss zu folgenden Verbrauchern:

  1. Wärmepumpe (über SG-Ready)
  2. Speicher (bis voll)
  3. Wallbox (bei E-Auto-Anwesenheit)
  4. Warmwasser-Heizstab als Notnagel
  5. Einspeisung ins Netz (Standardvergütung)

Raumbedarf im Haus

Wechselrichter und Speicher brauchen Platz im Hauswirtschaftsraum. Standard:

  • Wechselrichter: rund 60 cm × 40 cm × 20 cm Wandmontage.
  • Speicher 12 kWh: 1,4 m × 0,6 m × 0,3 m bodenstehend.
  • Mindestabstand zu Heizung 50 cm.
  • Belüftung sicherstellen, weil beide Geräte Wärme abgeben.

Statik-Anpassungen

PV-Module wiegen rund 13-15 kg pro Modul, Aufdach-System rund 5 kg/m² zusätzlich. Bei Standard-Dachstühlen kein Problem. Bei filigranen Dachstühlen oder ungewöhnlichen Geometrien Statik-Nachweis durch Tragwerksplaner. Aufpreis Statik-Prüfung: 300-800 Euro.

Dachflächen-Detail

Standard-Module 2026 sind 1,7 m × 1,1 m groß und liefern 400-440 Wp. Die Modul-Belegung berücksichtigt:

  • Mindestabstand zu Dachrand: 30-50 cm aus Brandschutz-Gründen.
  • Abstand zu Dachfenstern: 50 cm seitlich, 1,5 m vor dem Fenster.
  • Abstand zu Schornstein: 1 m im Verschattungs-Schatten.
  • Abstand zwischen Modulreihen: bei Süd-Dach Reihen-Anordnung quer.

Bei einem 80-m²-Süddach ergeben sich rund 60 m² nutzbare Fläche, also Platz für 32-36 Module à 415 Wp = 13-15 kWp.

PV bei verschiedenen Dachformen

  • Satteldach: Klassiker, Süd- oder Ost-West-Belegung optimal.
  • Pultdach: meist nach Süd oder Süd-West orientiert, sehr gute PV-Eignung.
  • Walmdach: vier Dachflächen, je nach Ausrichtung Süd-Anteil belegen.
  • Flachdach: Aufständerung nach Süd oder Ost-West, größerer Modulabstand.
  • Mansarddach: obere Fläche oft sehr flach, untere steiler. Beide nutzen.
  • Zeltdach: kleinere Süd-Fläche, ggf. mit Ost und West kombinieren.

Indach- vs. Aufdach-Module

Im Neubau lohnt sich oft Indach-Montage: die Module ersetzen die Dacheindeckung. Vorteile: optisch integriert, kein zusätzlicher Aufbau. Nachteile: spezielle Module nötig, leicht höhere Kosten. Aufdach ist Standard für Bestandsbauten und unkomplizierter.

Bauablauf PV-Installation im Neubau

Idealer Zeitpunkt: nach Fertigstellung der Dacheindeckung, vor dem Innenausbau. Installation läuft parallel zur Trockenausbau. Vorteile: das Gerüst steht noch, Verkabelung kann in unverputzten Wänden geführt werden, Wechselrichter wird mit Heizungs- und Stromverteiler-Installation koordiniert.

FAQ - PV-Auslegung

Wie berechne ich die optimale PV-Größe?
Faustregel: 1 kWp pro 10 m² Wohnfläche, plus 2-3 kWp für Wärmepumpe, plus 2 kWp pro Elektroauto. Bei 140 m² mit WP und einem EV ergibt das 14-18 kWp. Wer das Dach voll belegt, ist meist auf der sicheren Seite.
Lohnt sich Norddach für PV?
Selten. Norddach liefert nur 60-70 Prozent vom Süd-Maximum. Lohnt sich nur, wenn Süd- oder Ost-West-Flächen ausgeschöpft sind und der Bauherr die maximale kWp-Zahl haben will.
Süd oder Ost-West - was ist besser?
Süd liefert 5-10 Prozent mehr Jahresertrag. Ost-West liefert gleichmäßiger über den Tag verteilt - bei Vier-Personen-Haushalten ohne Wärmepumpe oft höhere Eigenverbrauchsquote. Mit Wärmepumpe und PV-Eigenverbrauch ist Süd meist optimal.
Wie groß sollte der Wechselrichter sein?
Faustregel: 80-100 Prozent der Modulleistung. Bei 14 kWp Modulen also 11-14 kW Wechselrichter. Leichte Unterdimensionierung (90-95 %) ist für höheren spezifischen Ertrag sinnvoll, weil Spitzenleistung selten erreicht wird.
Wie wirkt sich Verschattung aus?
Verschattung von 10 Prozent der Modulfläche kann den Ertrag um bis zu 30 Prozent reduzieren, wenn String-Wechselrichter verwendet werden. Mit Mikro-Wechselrichtern oder Optimierern (SolarEdge) sinkt der Verlust auf 10-15 Prozent.
Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung und Bauherren-Interviews. Mehr über die Redaktion →