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Haustechnik

Leerrohre im Neubau: der billigste Zukunftsschutz im ganzen Haus

Welche Rohre ein Einfamilienhaus vom Keller bis zum Gartentor braucht, was die DIN 18015-1 zu Länge und Füllung sagt und warum ein Rohr nach draußen ein Loch in der luftdichten Hülle ist.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 5. November 2026 10 Min Lesezeit
Rohbauwand mit orangen und grauen flexiblen Elektroinstallationsrohren, die in Unterputzdosen führen
Leerrohre im Rohbau vor dem Verputzen (Symbolbild)
25 m
Rohrlänge ohne Richtungsänderung nach DIN 18015-1
1/2
höchstens belegter Querschnitt bei Mantelleitungen
25 mm
Mindestdurchmesser Rohr Zählerschrank zu Hausübergabepunkt

Warum Leerrohre

Ein Haus steht 80 Jahre, ein Netzwerkkabel ist nach 15 Jahren technisch überholt. Glasfaser, Wallbox, Photovoltaik, Energiemanagement, Außenkamera: Vieles davon gab es vor zwanzig Jahren in keinem Einfamilienhaus, und niemand weiß, was in zwanzig Jahren dazukommt. Ein Kabel, das in einem Rohr liegt, lässt sich herausziehen und durch ein neues ersetzen. Ein Kabel, das direkt in Putz oder Estrich liegt, bleibt, bis jemand die Wand öffnet.

Die Rechnung ist einfach: Ein Meter Leerrohr kostet im Rohbau wenig Material und ein paar Minuten Arbeit. Ein nachträglicher Kabelweg durch eine fertige Wand kostet Schlitz, Putz, Maler und Staub, durch eine gedämmte Bodenplatte oder ein fertiges Dach oft ein Vielfaches. Wer ein Rohr zu viel legt, verliert fast nichts. Wer eines vergisst, zahlt später.

Was die DIN 18015-1 vorgibt

Die DIN 18015-1 regelt die Planung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden. Ihre Ausgabe 2020-05 hat die Anforderungen an Rohrnetze deutlich verschärft. Die wichtigsten Punkte nach dem Fachbeitrag in der Zeitschrift de, Ausgabe 12/2020:

Regel Inhalt
Rohrnetze für KommunikationKabel und Leitungen für Informations- und Kommunikationstechnik sowie Rundfunk sind in Rohrnetzen zu verlegen, für mechanischen Schutz und Austauschbarkeit
Getrennte Systemefür Informations- und Kommunikationstechnik und für Rundfunk jeweils eigene Rohrsysteme; Starkstrom und Kommunikation nie in einem Rohr
Rohrlängebis 25 m ohne Richtungsänderung (vorher 12 m), 15 m zwischen zwei Zugangspunkten mit einer Richtungsänderung
FüllgradEinzeladern höchstens ein Drittel, Mantelleitungen höchstens die Hälfte der nutzbaren Querschnittsfläche
Zähler zu HausübergabepunktElektroinstallationsrohr mit mindestens 25 mm Durchmesser für eine Datenleitung
Rohre nach außenluftdicht verschließen, im Freien Druckfestigkeit und UV-Beständigkeit beachten
Ladepunkt für E-Fahrzeugewenn vorgesehen, Zuleitung mit drei Außenleitern und mindestens 32 A vom Zählerschrank zum Stellplatz oder mindestens ein entsprechendes Rohr

Quelle: Fachbeitrag zur DIN 18015-1:2020-05, Zeitschrift de 12/2020. Stand Oktober 2026.

Die Norm wirkt nicht automatisch. Sie gilt, wenn sie im Bauvertrag oder der Leistungsbeschreibung vereinbart ist, und im Streitfall wird sie als anerkannte Regel der Technik herangezogen. Wer sichergehen will, schreibt in die Leistungsbeschreibung der Elektroinstallation: Ausführung nach DIN 18015-1 bis -3 in der aktuellen Fassung, mit Rohrplan. Wo Leitungen in der Wand laufen dürfen, regelt DIN 18015-3 über die Installationszonen.

Gesetz: warum TKG und GEIG das Einfamilienhaus auslassen

Zwei Gesetze verlangen Leitungsinfrastruktur im Neubau, beide nehmen das Einfamilienhaus aus. Nach § 145 TKG müssen neu errichtete Gebäude gebäudeintern bis zu den Netzabschlusspunkten mit passiver Infrastruktur für Netze mit sehr hoher Kapazität ausgestattet werden, also mit Rohren für Glasfaser. Absatz 6 nimmt Einfamilienhäuser ausdrücklich aus. Nach § 6 GEIG braucht jeder Stellplatz eines neuen Wohngebäudes Leitungsinfrastruktur für Elektromobilität, aber erst ab mehr als fünf Stellplätzen.

Daraus folgt nicht, dass Leerrohre im Einfamilienhaus überflüssig wären, sondern nur, dass sich niemand außer dem Bauherrn darum kümmert.

Rohrplan für ein Einfamilienhaus

Die folgende Liste ist ein Vorschlag für einen Neubau mit Wärmepumpe, Photovoltaik und Garage oder Carport. Die Durchmesser sind Empfehlungen, die die Füllgradregel mit Reserve einhalten, keine Normwerte.

Strecke Wozu Empfehlung
Grundstücksgrenze zum HausanschlussraumGlasfaser, TelefonSchutzrohr nach Vorgabe des Netzbetreibers, über die Mehrspartenhauseinführung
Hausanschluss zum TechnikraumGlasfaser zum Routermindestens 25 mm, besser 32 mm
Technikraum zum DachPV-Gleichstrom, Datenleitung, gegebenenfalls Antennezwei getrennte Rohre, je 32 bis 40 mm
Technikraum zur Garage oder zum CarportWallbox-Zuleitung, Datenleitungein Energierohr passend zur Zuleitung, ein Datenrohr 25 mm
Technikraum zum Außengerät der WärmepumpeStromversorgung, Steuer- und Datenleitunggetrennte Rohre für Energie und Daten
Technikraum in jeden Wohn- und SchlafraumNetzwerkkabel, später Glasfaser25 mm sternförmig vom Verteiler
Zu Decke und FensternAccesspoints, Rollladen- und Raffstoreantriebe, Sensoren25 mm an den Stellen, an denen Geräte sitzen werden
Ins Erdreich zu Garten und EinfahrtGartenbeleuchtung, Torantrieb, Kamera, Klingel, Briefkastenerdverlegbare, druckfeste Schutzrohre mit Trassenband

Eigene Empfehlung auf Grundlage der Regeln der DIN 18015-1.

Wie das Netzwerk im Haus aufgebaut wird, steht unter LAN-Verkabelung im Neubau und WLAN-Konzept, die Anbindung von Wallbox, Wärmepumpe und PV an eine gemeinsame Steuerung unter Energiemanagementsystem.

Rechnung: wie viele Kabel passen in welches Rohr?

Die Füllgradregel der DIN 18015-1 lässt sich direkt in Kabelzahlen übersetzen. Für Mantelleitungen darf die Hälfte der nutzbaren Querschnittsfläche belegt sein. Mit typischen Innendurchmessern flexibler Rohre und typischen Kabeldurchmessern ergibt sich:

Rohr Innendurchmesser, Richtwert Davon nutzbar (Hälfte) Netzwerkkabel Cat 7, rund 7,5 mm Wallbox-Zuleitung 5 × 6 mm², rund 13,5 mm
M25rund 18,5 mmrund 134 mm²rechnerisch 3, praktisch 2passt nicht
M32rund 24,3 mmrund 232 mm²rechnerisch 51
M40rund 31,2 mmrund 382 mm²rechnerisch 82

Eigene Berechnung. Innen- und Kabeldurchmesser sind Richtwerte und variieren je nach Hersteller und Kabeltyp.

Zwei Schlüsse daraus: Ein M25-Rohr reicht für ein, höchstens zwei Netzwerkkabel in einen Raum, nicht für mehr. Und eine Wallbox-Zuleitung für 11 kW braucht mindestens ein M32-Rohr für sich allein, das Datenkabel kommt in ein zweites. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt für Strecken zu Dach, Garage und Technik eine Nummer größer.

Ausführung auf der Baustelle

  • Zugdraht einziehen. Ein Rohr ohne Zugdraht ist bei 15 Metern Länge mit Biegungen kaum noch zu nutzen.
  • Biegeradien beachten. Die Herstellerangaben gelten, besonders für Glasfaser. Enge Knicke im Estrich machen ein Rohr unbrauchbar.
  • Beide Enden beschriften. Wohin führt das Rohr, und was liegt schon drin?
  • Foto vor dem Verputzen. Ein Foto jeder Wand mit Rohren und Meterstab gehört in die Bauakte. Es verhindert später den Bohrer im Rohr.
  • Rohre im Estrich und in der Bodenplatte planen. Was dort liegt, muss vor dem Betonieren oder vor dem Estrich gelegt werden, und genau dort sind nachträgliche Wege am teuersten.
  • Getrennte Wege. Starkstrom und Daten bekommen eigene Rohre, auch wenn es eng wird.

Luftdicht verschließen: das Rohr als Loch in der Hülle

Jedes Rohr, das von innen nach außen führt, verbindet die warme Raumluft mit der kalten Außenluft oder mit der Bodenluft unter der Bodenplatte. DIN 18015-1 verlangt deshalb, solche Rohre luftdicht zu verschließen. In der Praxis geschieht das mit Dichtstopfen oder Dichtmanschetten an beiden Enden, auch an Rohren, in denen schon ein Kabel liegt.

Wer das vergisst, merkt es beim Blower-Door-Test, an zugigen Steckdosen oder, schlimmer, an feuchter Luft, die im Rohr kondensiert. Rohre durch die Bodenplatte sind außerdem ein möglicher Weg für Radon aus dem Untergrund. Beides lässt sich mit wenigen Dichtstopfen vermeiden.

Häufige Fehler bei Leerrohren

  • Zu dünn. Ein 16-mm-Rohr für ein Netzwerkkabel ist nach dem Einzug voll. Für Daten mindestens 25 mm.
  • Zu lang ohne Zugang. Mehr als 25 Meter gerade oder 15 Meter mit Biegung lassen sich kaum durchziehen. Zwischendosen einplanen.
  • Strom und Daten gemeinsam. Unzulässig nach DIN 18015-1 und eine Quelle für Störungen.
  • Kein Rohr zum Dach. Wer heute keine PV plant, plant sie vielleicht in fünf Jahren. Ohne Rohr wird es eine Leitung außen an der Fassade.
  • Rohrenden offen lassen. Undicht für Luft, Feuchte und Bodenluft.
  • Nicht dokumentieren. Ein Rohr, dessen Weg niemand kennt, nützt nach zehn Jahren wenig.

FAQ - Leerrohre im Neubau

Sind Leerrohre im Einfamilienhaus Pflicht?
Gesetzlich kaum. § 145 TKG verlangt für Neubauten eine hochgeschwindigkeitsfähige gebäudeinterne Netzinfrastruktur, nimmt Einfamilienhäuser aber ausdrücklich aus, und das GEIG verlangt Leitungsinfrastruktur für Ladepunkte erst bei Wohngebäuden mit mehr als fünf Stellplätzen. Die Norm DIN 18015-1 schreibt dagegen vor, Leitungen für Informations- und Kommunikationstechnik in Rohrnetzen zu verlegen. Sie gilt, wenn sie vertraglich vereinbart ist oder als anerkannte Regel der Technik herangezogen wird.
Wie lang darf ein Leerrohr sein?
Nach der Ausgabe 2020-05 der DIN 18015-1 dürfen Elektroinstallationsrohre ohne Richtungsänderung bis zu 25 m lang sein, zuvor waren es 12 m. Verbindet ein Rohr zwei Zugangspunkte mit einer Richtungsänderung, sind es 15 m. Längere Strecken brauchen Zwischendosen, an denen das Kabel neu eingezogen werden kann.
Wie voll darf ein Leerrohr sein?
Werden Einzeladern eingezogen, darf nach DIN 18015-1 höchstens ein Drittel der nutzbaren Querschnittsfläche belegt sein, bei Mantelleitungen die Hälfte. Wer später nachrüsten will, plant noch großzügiger: Ein halb volles Rohr nimmt oft kein weiteres Kabel mehr auf, weil sich die Leitungen verdrillen.
Dürfen Strom- und Netzwerkkabel in ein gemeinsames Leerrohr?
Nein. Die gemeinsame Führung von Starkstrom- und Kommunikationsleitungen in einem Rohr ist nach DIN 18015-1 unzulässig, und für Informations- und Kommunikationstechnik sowie für Rundfunk sind jeweils getrennte Rohrsysteme zu errichten. Für den Neubau heißt das: Zu Wallbox, Wärmepumpe oder Photovoltaik führen mindestens zwei Rohre, eines für die Energie, eines für die Daten.
Welchen Durchmesser sollten Leerrohre haben?
DIN 18015-1 nennt für die Datenverbindung zwischen Zählerschrank und Hausübergabepunkt mindestens 25 mm. Für Datenleitungen in Räume sind 25 mm üblich, für Strecken mit mehreren Kabeln, Glasfaser oder Leistungskabeln zu Dach, Garage und Wärmepumpe sind 32 bis 50 mm sinnvoll. Ein dickeres Rohr kostet im Rohbau wenige Euro mehr, ein zu dünnes lässt sich nicht nachträglich erweitern.

Quellen

Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung. Mehr über die Redaktion →