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Energieeffizienz

Grundofen und Kaminofen im Neubau: was erlaubt ist und was passt

Warum ein 8-kW-Ofen in einem gut gedämmten Haus mehr leistet als die ganze Heizung, welcher Schornstein seit 2022 Pflicht ist und warum der Ofen die KfW-Förderung nicht mehr kostet.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 31. Oktober 2026 11 Min Lesezeit
Gemauerter Grundofen mit Sitzbank im Wohnzimmer eines Neubaus an einem Winterabend
Speicherofen mit Ofenbank im Wohnbereich (Symbolbild)
0,04
g/m³ Staub, Grenzwert Stufe 2
40 cm
Schornstein über First seit 2022
4-6 kW
Heizlast eines ganzen EH-55-Hauses mit 140 m²

Kaminofen, Grundofen, Speicherofen: drei Arten zu heizen

Ofenart Wie er Wärme abgibt Nachweis nach 1. BImSchV Im gedämmten Neubau
Kaminofen schnell, überwiegend als warme Luft, solange das Feuer brennt Typprüfung des Herstellers neigt zum Überheizen, kleine Leistung wählen
Speicherofen, Kaminofen mit Speichermasse teils sofort, teils verzögert über Speichersteine Typprüfung des Herstellers guter Kompromiss
Grundofen, vom Ofenbauer gesetzt kurzer, heißer Abbrand; die gemauerte Masse gibt die Wärme über viele Stunden als Strahlung ab Staubabscheider, außer bei geprüftem Heizeinsatz passt zur trägen Heizung eines Neubaus

Quelle zum Nachweis: § 4 Abs. 3 und 5 der 1. BImSchV. Stand Oktober 2026.

Ein Grundofen ist eine handwerkliche Einzelanfertigung aus Schamotte und Ofenkacheln oder Putz, oft mit Ofenbank. Er wird ein- bis zweimal am Tag kräftig angeheizt und speichert die Wärme in seiner Masse. Ein Kaminofen ist ein Serienprodukt aus Stahl oder Guss mit Sichtfenster, das sofort warm wird und schnell wieder abkühlt. Dazwischen liegen Kaminöfen mit Speichersteinen. Welche Art passt, hängt weniger vom Geschmack ab als von der Frage, wie viel Wärme das Haus überhaupt braucht.

Das eigentliche Problem: zu viel Leistung im gedämmten Haus

Ein Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche nach Effizienzhaus-55-Standard hat je nach Standort und Lüftung eine Heizlast von rund 4 bis 6 kW, und zwar für das ganze Haus am kältesten Tag. Wie sich das berechnet, steht unter Heizlastberechnung. Ein offener Wohn- und Essbereich mit 45 m² braucht davon vielleicht 1,5 kW.

Wärmebedarf Leistung
Heizlast ganzes Haus, 140 m², Effizienzhaus 55rund 4 bis 6 kW
Heizlast offener Wohnbereich, 45 m², bei rund 33 W/m²rund 1,5 kW
Typischer Kaminofen, Nennleistung6 bis 8 kW

Eigene Einordnung auf Basis des Rechenbeispiels unter Heizlastberechnung.

Ein Ofen mit 6 kW liefert also das Vierfache dessen, was der Raum braucht, und fast so viel wie das ganze Haus am kältesten Tag. Das Ergebnis kennen viele Neubaubesitzer: Nach einer Stunde Feuer hat das Wohnzimmer 26 Grad, die Fenster werden geöffnet, und die Wärme geht verloren. Zusätzlich drosselt die Fußbodenheizung im Wohnbereich, und die übrigen Räume kühlen ab, wenn der Raumfühler im überheizten Zimmer sitzt.

Daraus folgen drei Planungsregeln. Erstens die kleinste Leistung wählen, die der Hersteller anbietet, oder einen Ofen, dessen Leistung sich weit drosseln lässt. Zweitens Speichermasse bevorzugen, damit die Wärme über viele Stunden statt in einer abgegeben wird. Drittens den Raumthermostat der Fußbodenheizung nicht in Sichtweite des Ofens setzen.

Grenzwerte und Nachweise nach der 1. BImSchV

Für Einzelraumfeuerungen mit festen Brennstoffen gelten seit dem 1. Januar 2015 die Grenzwerte der Stufe 2: 0,04 g/m³ Staub und 1,25 g/m³ Kohlenmonoxid. Nachgewiesen werden sie bei Kaminöfen nicht durch eine Messung im Haus, sondern nach § 4 Abs. 3 der 1. BImSchV über die Typprüfung des Herstellers. Der Schornsteinfeger verlangt den Nachweis bei der Abnahme.

Für Grundöfen gibt es keine Typprüfung, weil jeder ein Einzelstück ist. § 4 Abs. 5 verlangt deshalb für Grundöfen, die nach dem 31. Dezember 2014 errichtet werden, eine nachgeschaltete Staubminderungseinrichtung nach dem Stand der Technik mit behördlicher Eignungsfeststellung oder Bauartzulassung. Ausgenommen sind Kachelofenheizeinsätze, bei denen die Anforderungen durch eine Messung des Schornsteinfegers zu Betriebsbeginn oder durch eine Typprüfung des vorgefertigten Feuerraums nachgewiesen werden. Wer einen Grundofen plant, sollte mit dem Ofenbauer klären, welcher Weg gewählt wird. Der Staubabscheider kostet Geld, Platz und Wartung.

Unabhängig davon muss sich nach § 4 Abs. 8 jeder Betreiber einer handbeschickten Feuerstätte innerhalb eines Jahres nach der Errichtung vom Schornsteinfeger beraten lassen, zum richtigen Anheizen, zum Brennstoff und zur Lagerung des Holzes.

Der Schornstein: seit 2022 am First und 40 cm darüber

Seit dem 1. Januar 2022 gelten nach § 19 der 1. BImSchV strengere Vorgaben für Schornsteine neuer Feststofffeuerungen. Die Mündung muss in der Nähe des Firsts liegen und diesen um mindestens 40 cm überragen. Liegt der Schornstein vom First entfernt, muss er entsprechend höher sein. Bei flach geneigten Dächern unter 20 Grad wird die Höhe auf einen gedachten First mit 20 Grad Neigung bezogen. Dazu kommen Abstände zu Fenstern und Lüftungsöffnungen benachbarter Gebäude, die mit der Leistung der Anlage wachsen. Für Bestandsanlagen gelten die neuen Regeln nicht, für jeden Neubau schon.

Für den Neubau heißt das: Der Schornstein gehört in die Entwurfsplanung, nicht in die Ausbauphase. Ein Edelstahlschornstein an der Traufseite eines Satteldachs müsste sehr hoch werden und eventuell statisch abgespannt werden. Ein gemauerter oder vorgefertigter Systemschornstein, der im Haus nach oben geführt wird und nahe am First austritt, ist meist die elegantere Lösung. Mehr zur Lage im Grundriss unter Dachformen.

Verbrennungsluft und Lüftungsanlage

Ein Neubau ist luftdicht, das zeigt der Blower-Door-Test. Ein Ofen braucht aber Luft zum Verbrennen. Kommt sie aus dem Raum, entsteht beim Betrieb Unterdruck, und Abgase können zurückschlagen. Für Neubauten sind deshalb raumluftunabhängige Öfen üblich, die ihre Verbrennungsluft über eine eigene Leitung von außen beziehen.

Läuft zusätzlich eine kontrollierte Wohnraumlüftung, kann sie im Aufstellraum Unterdruck erzeugen. Die Feuerungsverordnungen der Länder lassen den gemeinsamen Betrieb nur zu, wenn ein gefährlicher Unterdruck ausgeschlossen ist: über einen raumluftunabhängigen Ofen mit entsprechender Zulassung oder über eine Sicherheitseinrichtung wie einen Unterdruckwächter, der die Lüftungsanlage abschaltet. Das klärt man vor dem Kauf mit dem Bezirksschornsteinfeger, nicht danach.

KfW-Förderung: Ofen erlaubt, aber nicht als Heizung

Die Technischen Mindestanforderungen der KfW für den klimafreundlichen Neubau schließen Wärmeerzeuger auf Basis fester Biomasse aus. Lange galt das auch für Kaminöfen. Nach den überarbeiteten FAQ der KfW, über die unter anderem Schiedel im Mai 2024 berichtete, führen Einbau und Betrieb einer Einzelraumfeuerstätte bei den Programmen 297, 298 und 300 nicht mehr zum Förderausschluss. Bedingungen: Der Ofen darf in der Wärmebedarfsberechnung nicht berücksichtigt werden und dient nur als sekundäre Wärmequelle. Gefördert werden Ofen und Schornstein nicht.

Die Lockerung betrifft Öfen, die nur den Raum heizen. Ein wasserführender Kaminofen oder ein Grundofen mit Wassertasche speist in die Heizungsanlage ein und ist damit ein Wärmeerzeuger für das Gebäude, für den beim Effizienzhaus 40 der Ausschluss fester Biomasse gilt. Wer so etwas plant, sollte das mit dem Energieeffizienz-Experten klären, bevor der Antrag gestellt wird. Die Programmbedingungen stehen unter KfW 297 und 298, die Hauptheizung unter Heizung im Neubau.

Häufige Fehler bei Ofen und Schornstein im Neubau

  • Zu viel Leistung. Ein 8-kW-Ofen im offenen Wohnbereich eines Effizienzhauses heizt in kurzer Zeit auf Saunatemperatur.
  • Schornstein zu spät planen. Seit 2022 muss er am First austreten. Das bestimmt Lage und Höhe, und beides gehört in den Entwurf.
  • Raumluftabhängiger Ofen mit Lüftungsanlage. Ohne Zulassung oder Sicherheitseinrichtung nimmt der Schornsteinfeger die Anlage nicht ab.
  • Grundofen ohne Staubkonzept. Nach 2014 errichtete Grundöfen brauchen einen Abscheider oder einen geprüften Heizeinsatz. Das gehört ins Angebot des Ofenbauers.
  • Den Ofen in die Energiebilanz rechnen. Dann ist er Wärmeerzeuger, und beim Effizienzhaus 40 droht der Förderausschluss.
  • Den Raumfühler neben den Ofen setzen. Die Fußbodenheizung schaltet ab, und der Rest des Hauses kühlt aus.

FAQ - Grundofen und Kaminofen im Neubau

Darf man im Neubau einen Kaminofen einbauen?
Ja. Neue Kaminöfen müssen die Grenzwerte der Stufe 2 der 1. BImSchV einhalten, also 0,04 g/m³ Staub und 1,25 g/m³ Kohlenmonoxid, nachgewiesen über die Typprüfung des Herstellers. Der Schornstein muss seit 2022 firstnah sitzen und mindestens 40 cm über den First ragen. Der Bezirksschornsteinfeger nimmt die Anlage vor der Inbetriebnahme ab.
Verliere ich die KfW-Förderung, wenn ich einen Kaminofen einbaue?
Nicht mehr. Nach den überarbeiteten FAQ der KfW führen Einbau und Betrieb einer Einzelraumfeuerstätte bei den Programmen 297, 298 und 300 nicht zum Förderausschluss, sofern der Ofen in der Wärmebedarfsberechnung nicht berücksichtigt wird und nur als sekundäre Wärmequelle dient. Ofen und Schornstein selbst werden nicht gefördert. Ein wasserführender Ofen, der in die Heizungsanlage einspeist, ist dagegen ein Wärmeerzeuger des Gebäudes, und solche schließt die KfW auf Basis fester Biomasse beim Effizienzhaus 40 aus.
Braucht ein Grundofen einen Staubfilter?
Ja, wenn er nach dem 31. Dezember 2014 errichtet wurde. § 4 Abs. 5 der 1. BImSchV verlangt für solche Grundöfen eine nachgeschaltete Staubminderungseinrichtung nach dem Stand der Technik. Ausgenommen sind Kachelofenheizeinsätze, bei denen die Grenzwerte durch eine Messung des Schornsteinfegers zu Betriebsbeginn oder eine Typprüfung des vorgefertigten Feuerraums nachgewiesen sind.
Wie viel kW braucht ein Kaminofen im Neubau?
Weniger, als die meisten Öfen haben. Ein Einfamilienhaus mit 140 m² nach Effizienzhaus-55-Standard hat oft eine Heizlast von 4 bis 6 kW für das ganze Haus. Ein Kaminofen mit 6 oder 8 kW Nennleistung heizt einen offenen Wohnbereich damit schnell zu stark auf. Für gut gedämmte Häuser sind Öfen mit kleiner Leistung oder Speicheröfen die bessere Wahl, die Wärme über viele Stunden abgeben.
Kann ein Kaminofen mit einer Lüftungsanlage betrieben werden?
Ja, aber nur mit Sicherheitsvorkehrung. Eine Lüftungsanlage kann im Aufstellraum Unterdruck erzeugen und Abgase aus dem Ofen in den Raum ziehen. Die Landesfeuerungsverordnungen verlangen deshalb einen raumluftunabhängigen Ofen mit entsprechender Zulassung oder eine Sicherheitseinrichtung, etwa einen Unterdruckwächter. Der Schornsteinfeger prüft das bei der Abnahme.

Quellen

Hausbau Journal Redaktion

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