Extensiv und intensiv: zwei sehr unterschiedliche Dächer
| Extensive Begrünung | Intensive Begrünung | |
|---|---|---|
| Pflanzen | Sedum, Moose, Kräuter, Gräser | Stauden, Rasen, Sträucher, kleine Bäume |
| Aufbauhöhe | ab etwa 6 bis 10 cm | ab etwa 20 bis 25 cm, bis über 40 cm |
| Gewicht wassergesättigt | 80 bis 170 kg/m², Leichtbegrünung rund 50 kg/m² | ab etwa 300 kg/m², bis über 1.000 kg/m² |
| Kosten | 30 bis 60 €/m² | ab etwa 80 €/m² |
| Pflegegänge im Jahr | 1 bis 2 | 4 bis 8 |
| Nutzung | nicht begehbar, nur zur Pflege | Dachgarten, Terrasse, begehbar |
Quellen: Bundesverband GebäudeGrün (FAQ und Planungshinweise), Systemangaben Optigrün. Stand Oktober 2026.
Für ein Einfamilienhaus ist fast immer die extensive Begrünung die richtige Wahl. Sie wächst ohne Bewässerung, verträgt Trockenheit und braucht keinen Gärtner. Die intensive Begrünung ist ein Dachgarten und wird wie eine Dachterrasse geplant: mit begehbarem Aufbau, Absturzsicherung und einer Tragwerksplanung, die von Anfang an mit mehreren hundert Kilo pro Quadratmeter rechnet.
Die Dachneigung begrenzt die Wahl. Die meisten Systeme sind für 0 bis 5 Grad ausgelegt, das klassische Flachdach. Ab 10 Grad sind laut BuGG Maßnahmen gegen das Abrutschen des Substrats nötig, spezielle Schrägdachsysteme reichen bis etwa 45 Grad.
Kosten und Rechenbeispiel
Die Preise des BuGG verstehen sich für die Begrünung selbst: Schutz- und Speichervlies, Drän- und Filterschicht, Substrat und Pflanzen. Die Abdichtung des Dachs ist nicht enthalten, weil jedes Flachdach sie ohnehin braucht. Muss sie wurzelfest sein, kostet das gegenüber einer normalen Bahn etwas mehr, oder es kommt eine Wurzelschutzbahn dazu.
| Fläche | Extensive Begrünung (30 bis 60 €/m²) | Last bei 80 bis 170 kg/m² |
|---|---|---|
| Carport, 18 m² | 540 bis 1.080 € | 1,4 bis 3,1 t |
| Doppelgarage, 36 m² | 1.080 bis 2.160 € | 2,9 bis 6,1 t |
| Flachdach Einfamilienhaus, 120 m² | 3.600 bis 7.200 € | 9,6 bis 20,4 t |
Eigene Berechnung auf Basis der BuGG-Werte. Kleine Flächen liegen eher am oberen Ende der Preisspanne.
Dem steht ein Effekt gegenüber, der in keiner Angebotszeile auftaucht. Laut BuGG halten nackte oder bekieste Flachdächer etwa 15 bis 25 Jahre, für ein Gründach schätzt das Fraunhofer-Institut eine Lebensdauer von mindestens 40 Jahren, weil Substrat und Pflanzen die Abdichtung vor UV-Strahlung, Hitze und Temperaturschwankungen schützen. Über die Lebensdauer des Hauses kann ein Gründach damit eine komplette Dachsanierung einsparen, und die kostet ein Vielfaches der Begrünung.
Hinzu kommt die Abwassergebühr. Viele Gemeinden berechnen die Niederschlagswassergebühr nach der versiegelten Fläche und rechnen begrünte Dächer nur anteilig an. Wie hoch der Nachlass ist, steht in der Gebührensatzung der Gemeinde. Mehr dazu unter Niederschlagswassergebühr und Versickerung.
Was ein Gründach bringt
- Regenwasser zurückhalten. Je nach Aufbaudicke und Substrat speichern Dachbegrünungen laut BuGG 50 bis 90 Prozent des jährlichen Niederschlags. Der Rest fließt verzögert ab und entlastet Kanal und Zisterne. Als Abflussbeiwert für ein Gründach setzt die Zisternen-Planung etwa 0,5 an, für eine Flachdachfolie 0,9.
- Abdichtung schützen. Die Vegetationsschicht hält UV-Strahlung und Temperaturspitzen von der Abdichtung fern.
- Sommerlicher Wärmeschutz. Ein Gründach heizt sich weniger auf als Kies oder Folie. Für Räume direkt darunter, etwa ein Arbeitszimmer im Flachdachbau, ist das spürbar. Mehr dazu unter Sommerlicher Wärmeschutz.
- Lebensraum. Sedum und Kräuter blühen und bieten Insekten Nahrung, besonders bei einer artenreichen Saatmischung.
- Ausblick. Wer aus dem Obergeschoss auf das Garagendach schaut, sieht Grün statt Bitumen.
Retentionsdach: Begrünung als Regenspeicher
Eine Weiterentwicklung ist das Retentionsdach. Unter dem Substrat liegt eine zusätzliche Speicherschicht, die Regenwasser zurückhält und gedrosselt abgibt. Optigrün führt es als System ab 9 Zentimetern Aufbauhöhe und 90 kg pro Quadratmeter für Dachneigungen bis 5 Grad. In Baugebieten, in denen die Gemeinde die Einleitung von Regenwasser begrenzt, kann ein Retentionsdach einen Teil der sonst nötigen Rückhaltung auf dem Grundstück ersetzen. Das klärt die Entwässerungsplanung mit der Gemeinde.
Planung im Neubau: Statik, Abdichtung, Entwässerung, Brandschutz
Ein Gründach ist kein Pflanzkübel, den man nach dem Einzug aufs Dach stellt. Fünf Punkte gehören in die Planung, bevor das Dach gebaut wird. Die Grundlage sind die FLL-Dachbegrünungsrichtlinien in der Ausgabe 2018 und für die Abdichtung die DIN 18531.
- Statik. Die Last der wassergesättigten Begrünung kommt zu Schnee- und Eigenlasten hinzu. Bei einem Holzdach oder einer leichten Garagendecke entscheidet sie über die Dimension der Balken. Der Statiker braucht den Systemaufbau mit Gewichtsangabe.
- Wurzelfeste Abdichtung. Die Abdichtung muss nach FLL-Verfahren als wurzelfest geprüft sein, oder es kommt eine eigene Wurzelschutzbahn darüber. Laut BuGG wird die Schutzlage an den Rändern 5 bis 10 Zentimeter hochgezogen, fixiert und vor UV-Strahlung geschützt.
- Entwässerung. Jedes Dach braucht mindestens einen Ablauf und einen Notüberlauf. Ein Ablauf DN 100 entwässert laut BuGG unter Normalbedingungen etwa 300 bis 400 Quadratmeter. Abläufe bleiben frei von Bewuchs und zugänglich.
- Brandschutz. Begrünte Dächer gelten meist als harte Bedachung, die landesrechtlichen Vorschriften sind zu prüfen. Vor Fenstern und an Dachaufbauten sind in der Regel Kies- oder Plattenstreifen von mindestens 50 Zentimetern vorgesehen.
- Absturzsicherung. Ab 2 Metern Absturzhöhe muss eine Sicherung für Pflegearbeiten von Anfang an eingeplant werden, mit Anschlagpunkten, die die Abdichtung nicht durchdringen.
Gründach und Photovoltaik: das Solargründach
Gründach und Photovoltaik konkurrieren nicht, sie ergänzen sich. Das Substratgewicht kann die Unterkonstruktion der Module halten, sodass keine Befestigung durch die Abdichtung nötig ist. Und die Verdunstung der Pflanzen kühlt die Umgebung der Module, was ihre Leistung an heißen Tagen verbessert, weil Solarzellen mit steigender Temperatur Leistung verlieren.
Das BuGG nennt dafür klare Planungsregeln: auflastgehaltene Systeme bevorzugen, die Modulunterkante mindestens 20, besser 30 Zentimeter über dem Substrat, Reihenabstand 50 bis 80 Zentimeter, und eine niedrige Bepflanzung von etwa 15 bis 20 Zentimetern, die keinen Schatten auf die Module wirft. Optigrün nennt für sein Solargründach ein Systemgewicht ab 110 kg pro Quadratmeter und Kosten von etwa 65 Euro pro Quadratmeter für die Begrünung. Für die spätere Pflege muss zwischen den Modulreihen genug Platz bleiben.
Förderung und Bebauungsplan
Viele Städte fördern Dachbegrünungen mit Zuschüssen. Das BuGG führt eine Übersicht der Kommunen mit Förderprogrammen, darunter Aachen, Bonn, Bottrop, Gelsenkirchen und Stuttgart. Die Bedingungen ähneln sich: eine Mindestschichtdicke, etwa 8 Zentimeter bei extensiver und 20 bis 25 Zentimeter bei intensiver Begrünung, eine Mindestfläche und eine Zweckbindung, meist über zehn Jahre. Der Antrag gehört vor die Auftragsvergabe.
In vielen neuen Baugebieten ist die Frage ohnehin entschieden: Der Bebauungsplan schreibt für Flachdächer und flach geneigte Dächer, oft auch für Garagen und Carports, eine extensive Begrünung vor. Dann ist sie Pflicht, und ob eine vorgeschriebene Begrünung trotzdem gefördert wird, regelt die jeweilige Förderrichtlinie der Stadt. Die textlichen Festsetzungen gehören deshalb vor der Planung gelesen. Wer ein Flachdach plant, findet die Bauweisen unter Dachformen.
Häufige Fehler bei der Dachbegrünung
- Statik vergessen. Ein Garagendach, das für Kies berechnet wurde, trägt nicht automatisch 150 kg pro Quadratmeter Begrünung plus Schnee.
- Normale statt wurzelfeste Abdichtung. Wurzeln finden jede Schwachstelle. Ohne geprüfte Wurzelfestigkeit oder Wurzelschutzbahn droht ein Wasserschaden, der erst spät auffällt.
- Abläufe zuwachsen lassen. Ein verstopfter Ablauf bei Starkregen setzt das Dach unter Wasser. Kiesstreifen und Kontrollschächte gehören zur Planung.
- Hohe Pflanzen unter PV-Modulen. Gräser und Stauden, die über die Modulunterkante wachsen, verschatten und kosten Ertrag.
- Förderung nach Auftrag beantragen. Die meisten Programme verlangen den Antrag vor Beginn der Maßnahme.
- Bebauungsplan nicht lesen. Eine vorgeschriebene Begrünung, die fehlt, kann die Abnahme durch die Bauaufsicht verzögern.
FAQ - Dachbegrünung
Was kostet eine Dachbegrünung pro Quadratmeter?
Wie schwer ist ein Gründach?
Wie viel Pflege braucht ein Gründach?
Kann man ein Gründach mit Photovoltaik kombinieren?
Gibt es Förderung für Dachbegrünung?
Quellen
- Bundesverband GebäudeGrün - FAQ Dachbegrünung
- Bundesverband GebäudeGrün - Planungshinweise Dachbegrünung
- Bundesverband GebäudeGrün - Städte mit Förderprogrammen für Dachbegrünungen
- Optigrün - Systemlösungen extensiv und intensiv
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