Planung und Vorbereitung: Was entscheiden Sie zuerst?
Vor dem ersten Schnitt ins Holz stehen sechs Entscheidungen, die alles weitere beeinflussen. Wer hier sorgfältig plant, spart sich Nacharbeiten und teure Korrekturen.
1. Größe festlegen
Für einen Pkw der Mittelklasse gilt als Minimum 2,5 m Breite × 5,0 m Länge. Komfortabler sind 3,0 m × 5,5 m. Für SUVs und Kombis mit Dachlast: 3,0 m × 6,0 m. Die lichte Durchfahrtshöhe sollte mindestens 2,2 m betragen - für SUV mit Dachträger eher 2,5 m.
2. Dachform wählen
Pultdach (einseitig geneigt, 5-15°): Am einfachsten zu bauen, am günstigsten. Ideal für Anlehncarports. Satteldach (zweiseitig geneigt, 15-30°): Stabiler bei Schnee, optisch ansprechender, aber aufwändiger in der Konstruktion. Flachdach: Möglich mit EPDM-Folie, aber wartungsintensiver - nicht empfehlenswert für Selbstbauer ohne Erfahrung.
3. Holzart und Holzklasse
| Holzart | Preis (m³) | Dauerhaftigkeit | Pflege |
|---|---|---|---|
| Fichte / Kiefer (KVH) | 280-380 € | Klasse 4 (gering) | Lasur alle 2-3 Jahre |
| Lärche | 420-580 € | Klasse 3-4 | Öl alle 3-5 Jahre |
| Douglasie | 380-520 € | Klasse 3-4 | Öl alle 3-5 Jahre |
| Robinie (Akazie) | 600-900 € | Klasse 1 (sehr hoch) | Nahezu wartungsfrei |
| Bangkirai (Tropenholz) | 700-1.100 € | Klasse 1-2 | Öl alle 2-4 Jahre |
Empfehlung für Selbstbauer: Lärche oder Douglasie - ein gutes Preis-Qualitäts-Verhältnis, leicht zu bearbeiten, ausreichend dauerhaft für 20-30 Jahre Lebensdauer. Fichte ist günstiger, aber ohne regelmäßige Pflege beginnt der Fäulnisprozess nach 5-8 Jahren.
4. Genehmigung prüfen
Bevor Sie Material kaufen: Genehmigungsbedarf klären. Die Grenzen variieren je nach Bundesland zwischen 20 m² und 50 m² - in NRW sind es 30 m² Grundfläche, in Bayern bis 50 m² Volumen für den genehmigungsfreien Bereich. Details finden Sie in unserem Genehmigungsüberblick nach Bundesländern.
Materialliste und Kosten: Einfacher 3 × 5 m Einzelcarport
Die folgende Liste gilt für einen freistehenden Einzelcarport, 3,00 m × 5,00 m, Pultdach mit 10° Neigung, Lärchenstützen und -balken, Trapezdach aus beschichtetem Stahl. Preise Stand April 2026 (Baumarkt / Holzhändler DE/AT).
| Position | Menge | Preis ca. | Gesamt ca. |
|---|---|---|---|
| Stützen Lärche 12×12 cm, 3 m | 4 Stk | 35 €/Stk | 140 € |
| Querträger Lärche 10×14 cm, 3,5 m | 2 Stk | 45 €/Stk | 90 € |
| Längsträger Lärche 10×14 cm, 5,5 m | 2 Stk | 65 €/Stk | 130 € |
| Sparren Lärche 6×10 cm, 3,5 m | 6 Stk | 18 €/Stk | 108 € |
| Trapezdach Stahl 0,7 mm beschichtet | 18 m² | 16 €/m² | 288 € |
| Dachrinne PVC 5 m inkl. Fallrohr | 1 Set | 45 € | 45 € |
| Stützenschuhe / Einschlagbodenhülsen | 4 Stk | 22 €/Stk | 88 € |
| Winkelverbinder Edelstahl | 16 Stk | 4 €/Stk | 64 € |
| Schrauben Edelstahl A2 (Sortiment) | 1 Set | 45 € | 45 € |
| Beton C20/25 (Fundament 4 Pkt.) | 200 kg | 6 €/25 kg | 48 € |
| Holzöl Lärche 2,5 l | 2 Dosen | 28 €/Dose | 56 € |
| Sonstiges (Dachschrauben, Dichtband) | pauschal | - | 60 € |
| Gesamt Material | 1.162 € |
Hinzu kommen noch Werkzeugmiete (Betonmischer, Schlagbohrmaschine falls nicht vorhanden: ca. 50-100 €/Tag) und eventuelle Hilfskosten. Mit Puffer für Verschnitt und Kleinkram landen Sie bei ca. 1.300-1.500 € für diesen Standardcarport in Lärche.
Werkzeug und Hilfsmittel
| Werkzeug | Zweck | Kaufen / Mieten |
|---|---|---|
| Kreissäge / Handkreissäge | Holz auf Maß schneiden | Kaufen (ab 80 €) |
| Akkuschrauber (starker) | Schrauben und Verbinder setzen | Kaufen (ab 70 €) |
| Wasserwaage 1,8 m | Stützen und Balken ausrichten | Kaufen (ab 25 €) |
| Betonmischer (100 l) | Fundament-Beton mischen | Mieten (ca. 30 €/Tag) |
| Erdbohrer / Spaten | Fundamentgruben ausheben | Erdbohrer mieten (20 €/Tag) |
| Hammer und Zimmermannshammer | Verbindungen und Justierung | Kaufen (ab 20 €) |
| Holzbohrer-Set | Vorbohrungen für Verbinder | Kaufen (ab 15 €) |
| Winkel 90° und 45° | Winkel prüfen und einhalten | Kaufen (ab 12 €) |
| Strickschnur / Lot | Positionen abstecken | Kaufen (ab 5 €) |
| Rollgerüst oder stabile Leiter | Dacharbeiten | Gerüst mieten (ca. 40 €/Tag) |
Schritt 1: Fundament bauen
Das Fundament ist die Basis für alles. Bei einem verfahrensfreien Einzelcarport haben Sie drei Optionen: Einschlag-Bodenhülsen, Punktfundamente oder Bodenplatte. Für Dauerhaftigkeit und Stabilität empfehlen wir Punktfundamente - sie sind schnell hergestellt, kostengünstig und dauerhaft.
Punktfundamente: Schritt für Schritt
- Positionen abstecken: Mit Strickschnur und Lot die vier Stützenstandorte markieren. Diagonal messen: Beide Diagonalen müssen gleich lang sein (Pythagoras-Kontrolle). Bei 3 × 5 m: Diagonale = √(3² + 5²) = √34 = 5,83 m.
- Gruben ausheben: Mindesttiefe unter der Frostgrenze: in Norddeutschland 80 cm, Mittel- und Süddeutschland 80-100 cm. Durchmesser der Grube: mind. 30 cm, besser 40-50 cm. Mit Erdbohrer (Ø 25-30 cm) oder von Hand.
- Kies-Drainagschicht: 10-15 cm Kies oder Schotter einfüllen und verdichten. Verhindert Wasseransammlungen unter dem Fundament.
- Schalung einbauen: Betonrohrschalung (Ø 200-250 mm) einsetzen. Die Schalung sollte mind. 5 cm über das Gelände ragen.
- Beton einfüllen: Beton C20/25 mischen (4 Teile Sand, 1 Teil Zement, 0,5 Teile Wasser) oder Trockenbeton verwenden. Beton einfüllen, Stützenschuh einsetzen und ausrichten.
- Aushärten: 3-5 Tage für Grundbelastbarkeit, 28 Tage für volle Festigkeit. In der Praxis: nach 3-4 Tagen kann man mit dem Aufstellen beginnen, aber Stöße vermeiden.
Den Stützenschuh beim Einbetonieren genau ausrichten: mit Wasserwaage prüfen, dass die Auflagefläche exakt horizontal ist. Einmal abgebunden ist Korrektur nur durch Herausmeißeln möglich. Alle vier Stützenschuhe müssen auf exakt gleicher Höhe liegen - am besten mit einer langen Wasserwaage oder einem Schlauch-Nivelliergerät prüfen.
Alternativ: Einschlag-Bodenhülsen
Für leichtere Carports bis ca. 500 kg Eigengewicht: Einschlag-Bodenhülsen aus verzinktem Stahl werden mit einem Einschlaghammer (oder einem Rammer am Bohrgerät) direkt in den Boden getrieben. Vorteil: sehr schnell, kein Beton nötig. Nachteil: nicht für alle Bodenverhältnisse geeignet (schwierig bei Schotter oder sehr hartem Lehm), weniger stabil bei Windlasten.
Schritt 2: Holzkonstruktion aufstellen
Stützen montieren
Die Stützen (12 × 12 cm für Einzelcarport, 14 × 14 cm für Doppelcarport) werden in die Stützenschuhe eingesetzt und mit Edelstahlschrauben M12 gesichert. Stützenschuh-Typ "BH" (Bolzenanker) oder "BP" (Platte) - beide Varianten sind im Baumarkt erhältlich.
Wichtig: Stützen mit Wasserwaage in beide Richtungen auf exakte Vertikale prüfen. Hilfsperson nötig - allein kann man Stützen nicht halten und gleichzeitig ausrichten. Provisorisch mit Holzlatten absteifen, bevor die Querträger montiert werden.
Querträger und Längsträger
Die Querträger (verbinden die Stützen quer zur Einfahrrichtung) werden oben auf die Stützen aufgelegt und mit Balkenschuhen oder direkt mit Schwerlastschrauben gesichert. Für saubere Verbindungen: Stützenkopf und Balken mit Holzverbindern (Balkenschuh, Pfettenanker) aus Edelstahl verbinden.
Verbindungstypen für den Stützen-Querträger-Knoten:
- Auflager mit Balkenschuh: Am einfachsten, sauberste Kraftübertragung. Balkenschuh an Stützenkopf mit Rillennägeln oder Schrauben befestigen, Querträger einlegen.
- Zapfenverbindung: Klassische Zimmermannsverbindung, sehr stabil, aber handwerklich anspruchsvoll. Für Einsteiger nicht empfohlen.
- Edelstahl-Winkelverbinder: Einfach, schnell, ausreichend stabil für normale Windlasten. Empfehlung für Selbstbauer.
Dachsparren
Beim Pultdach: Alle Sparren gleich lang, Neigungswinkel durch unterschiedliche Stützenhöhen erzeugt (vordere Stützen kürzer als hintere). Sparrenabstand: 80-100 cm bei Trapezdach, 60-80 cm bei schwererem Wellzement.
Sparrenbefestigung: Mit Sparrenpfetten-Winkel oder Schwalbenschwanz-Ausklinkung. Edelstahlschrauben 6 × 120 mm verwenden.
Bauen Sie sich aus Resthölzern einen einfachen Sägebock in Dachhöhe. Damit können Sie die Sparren auf passende Länge schneiden, ohne jedes Mal auf die Leiter zu steigen. Sparren immer zuerst am Boden auf Länge bringen, dann einzeln oben montieren - sicherer und schneller.
Schritt 3: Dach eindecken
Dachmaterialien im Vergleich
| Material | Preis/m² | Min. Neigung | Lichtdurchlässig | Lebensdauer |
|---|---|---|---|---|
| Trapezdach Stahl | 8-18 € | 3-5° | Nein | 30-40 Jahre |
| Polycarbonat (PC) Stegplatten | 22-45 € | 5-7° | Ja (lichtdurchlässig) | 15-25 Jahre |
| Bitumenwellplatten | 6-12 € | 10° | Nein | 15-25 Jahre |
| Faserzement-Wellplatten | 8-14 € | 10° | Nein | 30-50 Jahre |
| Acrylglas / Acryl-Wellplatten | 18-35 € | 7° | Ja (hell, UV-beständig) | 10-20 Jahre |
Empfehlung für Selbstbauer: Trapezdach aus beschichtetem Stahl - einfach zu verlegen, sehr stabil, günstig. Wer mehr Licht möchte: Polycarbonat-Stegplatten oder eine Kombination aus beiden (z.B. mittlere Bahnen PC, Randstreifen Stahl).
Trapezdach verlegen: So geht's
- Dichtband: Auf alle Auflager (Sparren) ein EPDM-Dichtband kleben - verhindert Pfeifgeräusche und abdichten den Spalt zwischen Welle und Sparren.
- Erste Bahn: An der Traufkante (unteres Ende) beginnen, in Verlegerichtung gegen die Windhauptrichtung arbeiten.
- Überlappung: Mindestens eine Welle quer und mindestens 15 cm in Längsrichtung überlappen.
- Dachschrauben: Mit EPDM-Dichtscheibe in jedem zweiten Wellenberg auf den Sparren schrauben. Schraube fest, aber nicht zu fest anziehen - die Dichtscheibe muss etwas stauchen, darf aber nicht gequetscht werden.
- Firstabschluss: Firstblech montieren und mit Dichtschaum abdichten.
- Dachrinne: Rinnenhalter an der Traufkante befestigen, Rinne einlegen, Fallrohr anschließen. Rinne mit 2-3 mm Gefälle pro Meter Länge montieren.
Schritt 4: Finish und Holzschutz
Holzschutz ist keine Kür - er entscheidet maßgeblich über die Lebensdauer des Carports. Fichte ohne Schutz: 5-8 Jahre. Mit regelmäßiger Lasur: 15-25 Jahre. Lärche unbehandelt: 15-20 Jahre. Lärche mit Öl: 25-35 Jahre.
Wann behandeln?
Holz vor dem Aufbau behandeln - besonders alle Schnittflächen sofort nach dem Schneiden versiegeln. Schnittflächen sind der kritischste Punkt: Das Hirnholz saugt Wasser direkt auf. Alle frischen Schnitte mit Hirnholz-Sealer oder zumindest Holzlasur verschließen.
Nach dem Aufbau: Gesamtfläche ölen oder lasieren. Bei Lärche und Douglasie: 2-3 Durchgänge Lärchen-/Holzöl, je 24 Stunden Trockenzeit zwischen den Schichten. Erste Auffrischung nach 2-3 Jahren, danach alle 4-5 Jahre.
Stützenköpfe und Bodenbereich
Die gefährdetsten Stellen sind die Stützenköpfe (Hirnholz oben) und der Bereich kurz über dem Boden. Stützenköpfe mit Abdeckkappen schützen. Im Bodenbereich: Stützenschuh hält die Stütze vom Boden ab - das ist entscheidend für die Dauerhaftigkeit. Direkte Erdberührung von Holz führt zu Fäulnis innerhalb weniger Jahre.
Bausatz oder Eigenkonstruktion: Was ist besser?
| Kriterium | Bausatz | Eigenkonstruktion |
|---|---|---|
| Planungsaufwand | Gering - alles fertig geplant | Hoch - eigene Planung nötig |
| Kosten | 600-2.500 € je nach Größe | 800-2.000 € Materialkosten |
| Flexibilität | Standardmaße, wenig Anpassung | Beliebige Maße, individuelle Gestaltung |
| Statik | Typenstatik liegt bei | Eigene Statik bei > 5 m Spannweite nötig |
| Werkzeugaufwand | Gering - viel vorgeschnitten | Hoch - eigene Schnitte und Verbindungen |
| Qualitätskontrolle | Hersteller-Qualität | Eigene Kontrolle |
Empfehlung: Wer zum ersten Mal einen Carport baut und nicht auf individuelle Maße angewiesen ist - Bausatz kaufen. Die Ersparnis durch Eigenkonstruktion ist gering, der Planungs- und Werkzeugaufwand hoch. Für Carports mit besonderen Abmessungen oder individueller Gestaltung lohnt die Eigenkonstruktion.
Häufige Fehler beim Carport-Selbstbau
- Fundamente zu flach: Unter der Frostgrenze ausheben (80-100 cm). Zu flache Fundamente werden durch Frost-Tau-Wechsel angehoben - die Stützen "wandern".
- Stützen direkt in die Erde: Immer mit Stützenschuh oder Einschlagbodenhülse arbeiten. Holz in Erdkontakt fault in 3-5 Jahren.
- Keine Vorbohrungen: Ohne Vorbohren sprengt die Schraube das Holz auf. Besonders bei Lärche (hartes Holz) und bei Verbindungen nahe der Holzkante.
- Zu geringe Dachneigung: Bei Trapezdach unter 3°, bei Wellplatten unter 5° staut sich Wasser - Undichtigkeiten und Algenwachstum die Folge.
- Hirnholz unbehandelt: Alle Schnittflächen sofort nach dem Sägen behandeln. Frisches Hirnholz saugt innerhalb von Minuten Feuchtigkeit auf.
- Maße nicht geprüft: Diagonalen immer messen. Ein schief stehendes Carportgerüst kann nicht mehr durch das Dach korrigiert werden.
- Genehmigung vergessen: Erst bauen, dann Baugenehmigung nachträglich - das gibt Ärger. Genehmigungsbedarf vor dem ersten Spatenstich klären.
Häufige Fragen: Carport selber bauen
Wie viel kostet ein Carport zum Selberbauen? ▼
Welches Holz eignet sich am besten für einen Selbstbau-Carport? ▼
Brauche ich einen Statiker für den Selbstbau-Carport? ▼
Wie lange dauert der Selbstbau eines Carports? ▼
Kann ich den Carport direkt auf die Auffahrt stellen ohne Fundament? ▼
Welche Dachneigung brauche ich für einen Carport? ▼
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