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Versicherung

Wohngebäudeversicherung 2026: Tarif-Vergleich, gleitender Neuwert, Kosten

Die Wohngebäudeversicherung ist der permanente Schutz für das fertige Haus. Worauf beim Abschluss wirklich zu achten ist, warum der gleitende Neuwert unverzichtbar ist - und was ein EFH typisch kostet.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 29. April 2026 13 Min Lesezeit
Modernes Einfamilienhaus mit Garten - Wohngebäudeversicherung
Das fertige Haus braucht dauerhaften Schutz - die Wohngebäudeversicherung ist der Basisschutz für die gesamte Lebensdauer des Gebäudes.
300 - 600 €
Jahresprämie EFH je nach Region und Ausstattung
4 Grundgefahren
Standardschutz Feuer, Wasser, Sturm, Hagel
Gleitender Neuwert
Pflicht-Klausel automatisch angepasste Summe

Die vier Grundgefahren im Detail

Die Wohngebäudeversicherung deckt standardmäßig vier Schadenursachen ab. Was dahinter steckt und wo die Abgrenzungen liegen:

Feuer

Brand, Blitzschlag, Explosion und Implosion sind abgedeckt. Auch Schäden durch Rauch, Ruß und Löschmittel nach einem Brand. Wichtig: Blitzschlag allein (ohne Brand) löst in der Regel die Feuer-Versicherung aus, wenn dadurch ein Schaden entsteht. Überspannungsschäden durch Blitz (an Elektrogeräten) sind meistens kein Feuer-Fall - dafür gibt es eine separate Klausel.

Leitungswasser

Schäden durch Leitungswasser aus Zu- und Ableitungen, Heizkörpern und Waschmaschinenanschlüssen. Auch Frost- und Auftauschäden an Leitungen. Nicht gedeckt: Überschwemmung von außen (das ist Elementarschaden), Grundwasser.

Leitungswasserschäden sind statistisch die häufigste Schadensursache in der Wohngebäudeversicherung - und oft teuer. Ein geplatztes Rohr im zweiten Obergeschoss kann alle Decken und Böden des Hauses beschädigen. 30.000 bis 100.000 Euro Schaden sind bei größeren Leitungsschäden keine Seltenheit.

Sturm und Hagel

Gedeckt sind Schäden, wenn der Wind eine Geschwindigkeit von mindestens Windstärke 8 (62 km/h) hat. Darunter gilt es versicherungstechnisch nicht als Sturm. Hagelschäden sind meist ohne Mindest-Korngröße versichert. Gedeckt: Dach abgedeckt, Dachfenster zerstört, durch eindringendes Wasser nach Sturm.

Hagel (Zusatz)

Hagelschäden an der Fassade, an Dacheindeckung und Fenstern. Bei neuen Häusern mit hochwertiger Fassade (Holz, Putz) lohnt sich ein Blick auf Hagel-Deckungsgrade.

Gleitender Neuwert: warum er unverzichtbar ist

Der gleitende Neuwert ist eine Anpassungsklausel, die sicherstellt, dass die Versicherungssumme mit dem Baupreisindex steigt. Ohne diese Klausel passiert Folgendes:

Neubau 2026: Haus wird für 500.000 Euro gebaut und mit diesem Wert versichert. 2036: Ein Totalschaden durch Brand tritt auf. Baukosten sind in 10 Jahren um 30 Prozent gestiegen - das Haus würde jetzt 650.000 Euro kosten. Versicherung zahlt aber nur 500.000 Euro - der Bauherr muss 150.000 Euro aus eigener Tasche zuschießen.

Mit gleitendem Neuwert: Die Versicherungssumme steigt automatisch jedes Jahr entsprechend dem Baupreisindex des Statistischen Bundesamts. 2036 wäre die Versicherungssumme bei 650.000 Euro - das Haus ist vollständig gedeckt.

1914er-Wert als Berechnungsbasis

Viele Wohngebäudeversicherungen verwenden den sogenannten 1914er-Wert als Berechnungsbasis - einen fiktiven Wert des Gebäudes im Jahr 1914, der durch einen Vervielfältiger auf den aktuellen Neuwert hochgerechnet wird. Dieses System ist branchen-standard, aber für Laien undurchsichtig. Wer den 1914er-Wert kennt und mit dem aktuellen Multiplikator rechnet, kann die Versicherungssumme überprüfen. Versicherer bieten Wohnflächen-basierte Berechnung an, die dieses System umgeht und direkt zum Neuwert führt.

Zusatzbausteine im Überblick

BausteinWas wird gedeckt?Sinnvoll wenn...Mehrkosten ca.
ElementarschädenÜberschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, ErdbebenLage in Gewässernähe, Hanglage, Überschwemmungsgebiet+ 50 - 300 €/Jahr
ÜberspannungsschädenElektronikschäden durch Blitzschlag-ÜberspannungBei teurer Elektronik im Haus+ 20 - 60 €/Jahr
Grobe FahrlässigkeitSchutz auch bei grober Fahrlässigkeit des EigentümersImmer empfohlen - Ausschluss kann teuer werden+ 30 - 80 €/Jahr
Photovoltaik-AnlagePV-Module als Teil des Gebäudes mitversichertBei installierter PV-Anlage+ 50 - 150 €/Jahr
Gartengebäude/CarportNebengebäude auf dem Grundstück mitversichertBei Carport, Gartenhaus, Garage+ 20 - 80 €/Jahr

Stand: April 2026. Kosten je nach Versicherer, Region und gewähltem Tarif.

Kosten 2026: Was ein EFH kostet

Die Jahresprämie für ein Einfamilienhaus hängt von mehreren Faktoren ab: Wohnfläche, Baujahr, Bauweise, Dachform, Region und gewählte Bausteine.

Beispielrechnungen (Stand April 2026)

HausWohnflächeGrundschutzMit Elementar
Neubau EFH, Massiv, Pultdach130 qm280 - 400 €/Jahr350 - 550 €/Jahr
Neubau EFH, Massiv, Satteldach160 qm330 - 480 €/Jahr420 - 650 €/Jahr
Neubau EFH, Holzrahmenbau150 qm350 - 520 €/Jahr450 - 700 €/Jahr
Großes EFH mit Keller200 qm420 - 620 €/Jahr550 - 850 €/Jahr

Stand: April 2026. Ohne PV-Anlage oder Carport-Zusatz. Regionale Unterschiede bis 30 Prozent möglich.

Regionale Unterschiede

Wohngebäudeversicherung ist regional sehr unterschiedlich bepreist. Norddeutschland (Sturmrisiko), Bayern (Schneelast, Überschwemmung) und NRW (Bergbaugebiet) sind tendenziell teurer als Baden-Württemberg oder Sachsen. In Risikogebieten nach ZÜRS-Klassifizierung steigen die Prämien erheblich.

Die Unterversicherungs-Falle

Unterversicherung ist das gefährlichste Problem in der Wohngebäudeversicherung - und es trifft besonders Häuser, die vor 2010 errichtet wurden und deren Versicherungssumme seitdem nicht angepasst wurde.

Wie Unterversicherung entsteht

Konkret: Ein Haus wurde 2005 gebaut und mit 280.000 Euro versichert. Baukosten sind seitdem um rund 60 Prozent gestiegen (Baupreisindex 2005 bis 2026). Der tatsächliche Wiederaufbauwert liegt heute bei etwa 450.000 Euro. Die Versicherung zahlt aber nur proportional - bei einem Schaden von 100.000 Euro werden nur 280.000 / 450.000 = 62 Prozent erstattet, also 62.000 Euro statt 100.000 Euro.

Unterversicherungs-Schutzklausel

Wer eine Versicherung mit gleitendem Neuwert hat, ist gegen Unterversicherung geschützt - die Summe wird jährlich automatisch angepasst. Wer eine ältere Police mit fixer Summe hat, sollte diese dringend prüfen und ggf. anpassen. Die meisten Versicherer bieten eine Unterversicherungsverzichts-Klausel an, wenn der Vertrag auf Neuwert-Basis umgestellt wird.

Checkliste: Worauf beim Abschluss achten?

  • Gleitender Neuwert als Basis. Pflicht für Neubauten und ältere Gebäude ohne regelmäßige Anpassung.
  • Elementarschaden-Baustein prüfen. Lage auf ZÜRS-Karte prüfen - in Risikogebieten unbedingt einschließen.
  • Grobe Fahrlässigkeit mitversichern. Ohne diesen Baustein kann die Versicherung bei fahrlässig verursachten Schäden die Leistung kürzen.
  • PV-Anlage separat prüfen. Nicht jede Police schließt PV-Anlagen automatisch ein. Bei installierter oder geplanter Anlage explizit nachfragen.
  • Selbstbeteiligung abwägen. 500 oder 1.000 Euro Selbstbeteiligung reduzieren die Prämie - macht Sinn, wenn kleine Schäden selbst getragen werden können und die Versicherung für große Fälle reserviert bleibt.
  • Nebengebäude einschließen. Carport, Gartenhaus, Garage: prüfen, ob im Vertrag enthalten oder Zusatz nötig.
  • Kündigungsfristen kennen. Wohngebäudeversicherungen haben meist eine Kündigungsfrist von 3 Monaten zum Jahrestag. Wer wechseln will, muss rechtzeitig handeln.

FAQ - Wohngebäudeversicherung 2026

Wann muss die Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden?
Spätestens ab dem Zeitpunkt der Fertigstellung und Bezugsfertigkeit. Im Idealfall schon mit dem Rohbau-Abschluss oder spätestens bei Einzug. Wenn das Haus finanziert wird, verlangen Banken die Police in der Regel vor der ersten Auszahlung oder zumindest zum Einzug. Eine Lücke zwischen Fertigstellung und Versicherungsabschluss ist ein erhebliches Risiko - ein einziger Leitungsschaden in dieser Zeit kann Kosten im fünfstelligen Bereich verursachen.
Was ist der gleitende Neuwert und warum ist er wichtig?
Der gleitende Neuwert bedeutet, dass die Versicherungssumme automatisch an den Baupreisindex angepasst wird. Ohne diese Klausel ist das Haus nach 10 Jahren aufgrund gestiegener Baukosten unterversichert - im Schadenfall bekommt man nicht das Geld für den Wiederaufbau zum aktuellen Preis, sondern nur den Zeitwert oder die veraltete Versicherungssumme. Der gleitende Neuwert ist für Neubauten praktisch ein Muss.
Ist Elementarschadenversicherung in der Wohngebäudeversicherung enthalten?
In den meisten Standardpolicen nicht. Elementarschäden (Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Erdbeben) sind ein Zusatzbaustein, der separat beauftragt und separat berechnet wird. In der Praxis bieten die meisten Versicherer sie als Optional-Baustein an. In Risikogebieten (ZÜRS-Klassen 3 und 4) ist sie entweder teuer oder nicht erhältlich.
Was deckt die Wohngebäudeversicherung nicht ab?
Nicht gedeckt: Hausrat (eigener Versicherungsvertrag nötig), Elementarschäden ohne Zusatzbaustein, Schäden durch vorsätzliches Handeln des Versicherungsnehmers, Kriegsschäden, Schäden am unbebauten Grundstück (Garten, Zaun - je nach Police). Auch grobe Fahrlässigkeit kann zur Leistungskürzung führen, z.B. wenn ein Fenster in einem bekannten Sturmgebiet offen gelassen wird und Wasser eindringt.
Wann lohnt sich ein Wechsel der Wohngebäudeversicherung?
Ein Wechsel lohnt sich, wenn: die aktuelle Police keine Elementarschaden-Option hat und diese gewünscht wird; die Prämie deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt (Vergleichsportale nutzen); die Versicherungssumme nicht mehr zum Gebäudewert passt; ein Anbieter nach einem Schadenfall schlecht reguliert hat. Zum Wechsel: Kündigung mit 3-Monats-Frist zum Hauptfälligkeitstermin (meist Jahrestag) oder innerhalb eines Monats nach einem Schadenfall.
Wie hoch sollte die Deckungssumme sein?
Die Deckungssumme sollte dem Wiederaufbauwert des Gebäudes entsprechen - nicht dem Marktwert oder dem Kaufpreis. Der Wiederaufbauwert umfasst Abriss, Entsorgung und vollständigen Neubau zu aktuellen Baupreisen. Ein Einfamilienhaus mit 150 qm Wohnfläche hat 2026 einen Wiederaufbauwert von typisch 350.000 bis 600.000 Euro je nach Bauweise und Ausstattung. Versicherungen bieten oft Wohnflächen-basierte Berechnung an, die automatisch zum richtigen Wert führt.
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