Was ist durch Elementarschäden versichert?
Elementarschäden sind Schäden durch Naturgewalten, die als außergewöhnlich gelten - im Gegensatz zu den normalen Wetterrisiken (Sturm, Hagel), die bereits in der Standard-Wohngebäudeversicherung enthalten sind.
Gedeckte Elementarschadentypen
- Überschwemmung: Überflutung des Grundstücks und des Gebäudes durch Gewässer, die über die Ufer treten. Betrifft besonders Häuser in Flussnähe oder in Senkenlagen.
- Rückstau: Wasser, das aus der Kanalisation ins Gebäude zurückdrückt, weil das Kanalnetz bei Starkregen überlastet ist. Besonders häufig in dichten Stadtgebieten. Hinweis: eine Rückstauklappe kann Schäden verhindern und ist oft Pflicht für die Versicherungsleistung.
- Starkregen: Oberflächenwasser, das durch extreme Niederschläge entsteht und in das Gebäude eindringt - auch wenn kein Gewässer in der Nähe ist. Nach dem Konzept der Sturzfluten (flash floods) kann Starkregen-Schaden überall entstehen.
- Erdrutsch und Erdsenkung: Bodenbewegungen, die das Fundament oder die Struktur des Hauses beschädigen. Betrifft Hanglagen und bestimmte geologische Risikogebiete.
- Erdbeben: In Deutschland grundsätzlich versicherbar, da Erdbeben hierzulande selten aber nicht ausgeschlossen sind (Erdbebenzone Rhein-Graben, Sachsen).
- Schneedruck: Schäden durch außergewöhnliche Schneelast auf Dach oder Carport. Betrifft besonders Voralpenregionen und Mittelgebirge.
- Lawinen: Relevant in bestimmten Alpenregionen und Hochlagen.
ZÜRS-Klassen: wie die Risikoeinstufung funktioniert
ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) ist das Klassifizierungssystem der deutschen Versicherungswirtschaft. Jedes Grundstück in Deutschland wird einer von vier Klassen zugeordnet.
Die vier ZÜRS-Klassen im Detail
| Klasse | Risiko | Häufigkeit | Versicherbarkeit | Prämien-Aufschlag |
|---|---|---|---|---|
| Klasse 1 | Gering | Überschwemmung seltener als 1 × in 200 Jahren | Problemlos | Kein Aufschlag |
| Klasse 2 | Erhöht | 1 × in 50 bis 200 Jahren | Mit Aufschlag möglich | + 20 - 60 % |
| Klasse 3 | Hoch (HQ100) | 1 × in 10 bis 50 Jahren | Eingeschränkt, teuer | + 100 - 300 % |
| Klasse 4 | Sehr hoch (HQ10) | Häufiger als 1 × in 10 Jahren | Kaum noch versicherbar | Oft Ablehnung |
Stand: April 2026. Die meisten deutschen Grundstücke (92 Prozent) sind in ZÜRS-Klasse 1 eingestuft.
ZÜRS-Standort prüfen
Den genauen ZÜRS-Standort kennen nur Versicherungen. Als Bauherr gibt es zwei Wege: Beim geplanten Versicherer anfragen, in welche Klasse das Grundstück fällt. Alternativ: Die Hochwassergefahrenkarten der Bundesländer (öffentlich zugänglich über das Hochwasserportal des Bundes) geben eine gute Einschätzung des Überschwemmungsrisikos.
Die Pflichtversicherungs-Debatte
Nach dem Ahrtal-Hochwasser im Juli 2021, das rund 135 Todesopfer forderte und Schäden von über 30 Milliarden Euro verursachte, ist die Debatte um eine Pflicht-Elementarschadenversicherung neu entflammt. Die Argumente:
Pro Pflichtversicherung
- Nur rund 55 Prozent der deutschen Haushalte haben 2024 eine Elementarschadenversicherung - obwohl fast alle sie abschließen könnten.
- Bei einem Schadenereignis greift der Staat mit Soforthilfe ein, weil unversicherte Haushalte sich sonst nicht erholen können - das belastet den Steuerzahler.
- Eine breite Pflichtversicherung würde die Risikogemeinschaft vergrößern und die Prämien stabilisieren.
Contra Pflichtversicherung
- In extremen Risikolagen (ZÜRS 4) ist der Wiederaufbau versicherungstechnisch nicht mehr darstellbar - eine Pflichtversicherung dort wäre eine Quersubventionierung.
- Eine Pflicht würde Fehlanreize setzen: Hauseigentümer in Hochrisikolagen müssen dann nicht mehr mit dem Gedanken konfrontiert werden, dort vielleicht nicht zu bauen.
- Die Versicherungsbranche befürchtet adverse Selektion bei einer Pflichtversicherung mit einheitlichen Prämien.
Aktueller Stand (April 2026)
Eine bundesgesetzliche Pflichtversicherung gibt es nicht. Einige Bundesländer haben Initiativen gestartet. Die Diskussion läuft - wer abwartet und hofft, dass der Staat im Schadensfall hilft, geht ein erhebliches Risiko ein.
Kosten 2026
Die Prämie für die Elementarschadenversicherung hängt stark vom ZÜRS-Standort ab und variiert zwischen verschiedenen Versicherern erheblich.
Preisbeispiele je ZÜRS-Klasse (EFH, 150 qm, Stand April 2026)
| ZÜRS-Klasse | Jahresprämie ca. | Besonderheit |
|---|---|---|
| Klasse 1 (92 % aller Grundstücke) | 50 - 150 €/Jahr | Problemlos verfügbar, günstig |
| Klasse 2 | 150 - 400 €/Jahr | Mit Aufschlag, aber versicherbar |
| Klasse 3 | 400 - 1.200 €/Jahr | Eingeschränkt, teilweise Selbstbeteiligung 5.000 €+ |
| Klasse 4 | Oft Ablehnung | Kaum noch abschließbar; ggf. Sonderlösungen über Makler |
Stand: April 2026. Konkrete Prämien beim jeweiligen Versicherer anfragen.
Wo und wie abschließen?
Die Elementarschadenversicherung kann als Zusatzbaustein zur bestehenden Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden - beim selben Versicherer oder bei einem neuen. Einige Punkte:
- Beim bestehenden Wohngebäudeversicherer anfragen. Wer dort einen guten Tarif hat, kann oft günstig den Elementarschutz ergänzen.
- Vergleich bei unabhängigen Maklern. In ZÜRS-Klasse 2 und 3 gibt es erhebliche Preisunterschiede zwischen Anbietern - ein Makler mit Marktzugang kann die beste Option finden.
- Selbstbeteiligung abwägen. In Risikolagen sind hohe Selbstbeteiligungen (2.000 bis 10.000 Euro) häufig Bedingung - das reduziert die Prämie, erhöht aber das Eigenrisiko bei kleineren Schäden.
- Rückstauklappe als Voraussetzung. Viele Versicherer verlangen eine funktionierende Rückstauklappe im Keller als Bedingung für die Rückstau-Deckung. Kosten: 500 bis 2.000 Euro Installation - lohnt sich auch unabhängig von der Versicherung.
FAQ - Elementarschadenversicherung 2026
Wird die Elementarschadenversicherung bald Pflicht?
Was ist ZÜRS und wie wirkt es sich auf die Versicherung aus?
Ist Starkregen durch die Elementarschadenversicherung abgedeckt?
Kann man die Elementarschadenversicherung nach einem Hochwasserereignis abschließen?
Wie kann ich meinen ZÜRS-Standort prüfen?
Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung und Bauherren-Interviews. Mehr über die Redaktion →