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Hochwasserrisiko 2026 - HQ100, HQ500, ZÜRS, Versicherung

Was Hochwassergefahrenkarten zeigen, was sie verschweigen und was 2026 für Bauherren wichtig ist - mit Anleitung zur Vorabprüfung in jedem Bundesland.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 27. April 2026 13 Min Lesezeit
Überflutete Wohnstraße - Hochwasser
Hochwassergefährdete Lagen sind 2026 schwer versicherbar - vor jedem Kauf prüfen.
HQ100 = Bauverbot
grundsätzlich Paragraph 78 WHG
ZÜRS 1-4
Versicherer-Klassifikation höchste Stufe oft nicht versicherbar
kostenlos
Hochwassergefahrenkarten online in allen Bundesländern

HQ100, HQ500 - was bedeutet das?

HQ100 - hundertjährliches Hochwasser

HQ steht für Hochwasserabflussspende, die Zahl gibt die Wiederkehrwahrscheinlichkeit in Jahren an. HQ100 bedeutet: ein Hochwasser dieser Größenordnung tritt im langjährigen Mittel einmal in 100 Jahren auf. Das ist eine statistische Größe - in der Realität kann ein HQ100 zweimal in 10 Jahren oder 200 Jahre nicht eintreten.

HQ100-Gebiete als festgesetzte Überschwemmungsgebiete

Nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) sind die Bundesländer verpflichtet, HQ100-Gebiete als Überschwemmungsgebiete festzusetzen. In diesen Gebieten gilt nach Paragraph 78 WHG ein grundsätzliches Bauverbot.

HQ500 - extremes Hochwasser

Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 500 Jahren. Diese Gebiete sind nicht förmlich als Überschwemmungsgebiete festgesetzt, gehören aber zu den hochwassergefährdeten Flächen, in denen Vorsorgemaßnahmen sinnvoll sind. Für die Versicherung relevant: ZÜRS-Klassen 3 und 4 erfassen häufig HQ500-Gebiete.

HQextrem

Begriff für sehr seltene, aber theoretisch mögliche Extremereignisse, oft als HQ500 oder HQ1000 dargestellt. In den letzten Jahren sind solche Ereignisse durch Klimaveränderung häufiger geworden - die statistischen Rechnungen werden inzwischen regional angepasst.

Hochwassergefahrenkarten der Länder

Was zeigen die Karten?

Die Hochwassergefahrenkarten zeigen für drei Szenarien (HQhäufig oft HQ10, HQ100 und HQextrem) die überfluteten Flächen, die Wassertiefe und teils auch die Fließgeschwindigkeit. Sie sind nach EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (2007/60/EG) erstellt und werden alle 6 Jahre aktualisiert.

Wo finde ich die Karten?

BundeslandPortal-Suche
Baden-WürttembergUDO BW Hochwasserkarten
BayernUmweltAtlas Bayern Hochwasser
BerlinFIS-Broker Hochwasser
BrandenburgGeoportal Brandenburg HW
BremenHWRM Bremen
HamburgHamburg HW-Risiko-Karten
HessenHW-Risikomanagement Hessen
Mecklenburg-VorpommernGeoportal MV Hochwasserkarten
NiedersachsenNLWKN Hochwasserkarten
NRWELWAS-Web NRW
Rheinland-PfalzHochwassergefahrenkarten RLP
SaarlandGeoPortal Saarland HW
SachseniDA Sachsen Hochwasser
Sachsen-AnhaltHW-Karten LHW Sachsen-Anhalt
Schleswig-HolsteinLLUR Hochwasserkarten
ThüringenTLUBN Hochwassergefahrenkarten

Stand: April 2026. Alle Karten sind kostenlos online verfügbar - Adresse oder Flurnummer eingeben, Hochwasserrisiko ablesen.

Starkregen-Hotspots zusätzlich prüfen

Hochwassergefahrenkarten erfassen primär Flusshochwasser. Sturzfluten und Starkregenereignisse (wie im Ahrtal 2021) werden in einigen Bundesländern in zusätzlichen Starkregenhinweiskarten dargestellt. Diese sind oft auf kommunaler Ebene verfügbar und geben Hinweise auf gefährdete Lagen in Mulden, Tälern und an Hangfüßen.

Baurechtliche Folgen

Bauverbot in HQ100-Gebieten

In festgesetzten Überschwemmungsgebieten (HQ100) gilt nach Paragraph 78 WHG ein grundsätzliches Verbot der Errichtung baulicher Anlagen. Wer dort kauft, kann meistens nicht bauen.

Ausnahmen und Befreiungen

Befreiungen von Paragraph 78 WHG sind möglich, wenn:

  • Die Hochwasserrückhaltung nicht beeinträchtigt wird
  • Der Hochwasserabfluss nicht behindert wird
  • Das Bauwerk hochwasserangepasst errichtet wird (erhöhte Bauweise, druckfeste Fenster, Hochwasserschutzwand)
  • Keine Gefahren für Menschen entstehen

In der Praxis: Befreiungen sind selten und mit hohen Auflagen versehen. Mehrkosten für hochwasserangepasstes Bauen können 30.000 bis 100.000 Euro über Standardbau hinausgehen.

Bauen in HQ500-Gebieten

Im HQ500-Bereich ist Bauen baurechtlich erlaubt, sollte aber mit Hochwasservorsorge erfolgen: erhöhte Bauweise, hochwasserdichte Kellerfenster, Rückstauklappen, Notstromaggregate für Heizung und Pumpen.

Klimaanpassung

Die Bundesländer aktualisieren ihre Hochwasserkarten alle 6 Jahre - mit Berücksichtigung der zunehmenden Klimaveränderung. Wer in einem Grenzgebiet zwischen HQ100 und HQ500 baut, sollte mit zukünftiger Hochstufung rechnen.

Elementarschadenversicherung

Was deckt sie ab?

Die Elementarschadenversicherung (Erweiterung der Wohngebäudeversicherung) deckt Hochwasser, Starkregen, Erdrutsch, Schneedruck, Erdbeben, Vulkanausbruch und ähnliche Naturereignisse ab. Standardmäßige Wohngebäudeversicherungen enthalten diese Risiken nicht - die Erweiterung kostet Aufschlag.

ZÜRS - Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen

Versicherer arbeiten mit dem ZÜRS-System des GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft). Es klassifiziert Adressen in vier Gefährdungsklassen:

  • ZÜRS 1: sehr geringes Risiko, alle Versicherer bieten an
  • ZÜRS 2: geringes Risiko, Standardprämien
  • ZÜRS 3: mittleres Risiko, höhere Prämien (oft Verdoppelung)
  • ZÜRS 4: hohes Risiko (HQ100), viele Versicherer lehnen ab oder verlangen massive Aufschläge

Prämien-Beispiele

Standardelementarschaden-Erweiterung: 80 bis 200 Euro pro Jahr für ein durchschnittliches EFH bei ZÜRS 1-2. Bei ZÜRS 3: 200 bis 500 Euro. Bei ZÜRS 4: 500 Euro bis über 2.000 Euro - wenn überhaupt versicherbar.

Selbstbehalt

Bei höheren ZÜRS-Klassen verlangen Versicherer oft Selbstbehalte von 1.000 bis 10.000 Euro pro Schadensfall.

Praxisempfehlung vor Kauf

Schritt 1: Hochwassergefahrenkarte prüfen

Im Geoportal des jeweiligen Bundeslands die Karte aufrufen, Adresse eingeben, prüfen ob HQ100 oder HQ500 das Grundstück betreffen. Dauer 5 Minuten, kostenlos.

Schritt 2: ZÜRS-Klasse beim Versicherer abfragen

Versicherer können die ZÜRS-Klasse einer Adresse abfragen. Vor dem Kauf bei einem oder zwei Wohngebäudeversicherern anfragen: in welche ZÜRS-Klasse fällt die Adresse, wie hoch wären die Elementarschaden-Prämien?

Schritt 3: Bei der Gemeinde fragen

Bei der unteren Wasserbehörde der Gemeinde oder des Landkreises nach der Hochwasser-Geschichte des Grundstücks fragen. Manche Behörden haben detailliertere Daten als die offiziellen Karten.

Schritt 4: Nachbarn fragen

Anwohner haben oft Erfahrungen mit Hochwasser-Ereignissen, die nicht in offiziellen Karten stehen - vor allem Starkregen-Vorfälle.

Schritt 5: Vor-Ort-Eindruck

Topografie des Grundstücks anschauen - liegt es in einer Mulde, am Hangfuß, an einem Bach? Diese Indizien können die Karten ergänzen.

Häufige Fehler bei Hochwasser

  • Hochwassergefahrenkarte nicht prüfen. 5 Minuten Vorabprüfung verhindert sechsstellige Risiken.
  • Versicherbarkeit nicht abfragen. Vor dem Kauf bei Versicherern ZÜRS-Klasse erfragen.
  • HQ500 als unproblematisch ansehen. Auch hier Versicherungs-Aufschläge und Sonderauflagen.
  • Starkregen ignorieren. Karten erfassen Flusshochwasser - Sturzfluten in Mulden und Tälern können dramatischer sein.
  • Klimaanpassung nicht berücksichtigen. HQ100 von 2020 kann 2030 schon HQ50 sein - Risiko steigt.
  • Bauen in HQ100 mit Befreiung ohne Mehrkosten kalkulieren. Hochwasserangepasste Bauweise kostet 30.000 bis 100.000 Euro extra.
  • Elementarschadenversicherung als Standard ansehen. Viele Wohngebäudeversicherungen enthalten sie nicht - separat ergänzen.

Hochwasserschutz am Bauwerk

Wer in einem hochwassergefährdeten Gebiet baut oder ein bestehendes Haus dort schützen möchte, hat eine Reihe technischer Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich nach Schutzgrad, Kosten und baulichem Eingriff.

Erhöhte Bauweise

Das Erdgeschoss wird mindestens 50 Zentimeter über der höchsten zu erwartenden Hochwasserlinie errichtet. In Hochwassergebieten wird oft auf einen Keller verzichtet oder das Erdgeschoss auf Stelzen oder einer Sockelplatte gestellt. Mehrkosten gegenüber Standardbau: 30.000 bis 80.000 Euro - nimmt aber das Risiko des Wassereintritts in die Wohnräume praktisch komplett heraus.

Druckwasserdichte Fenster und Türen

Im Erdgeschoss können druckwasserdichte Sonderfenster und -türen installiert werden, die einem Wasserstand von bis zu 1 oder 2 Metern standhalten. Mehrkosten 2.000 bis 5.000 Euro pro Element. Bei größeren Hochwasserständen mussten zusätzliche Schutzsysteme aktiviert werden, etwa mobile Hochwasserschutzwände oder Sandsäcke.

Rückstauklappen im Abwassersystem

Bei Hochwasser kann Abwasser durch die Kanalisation in den Keller drücken (Rückstau). Rückstauklappen verhindern das automatisch, wenn der Wasserdruck im Kanal höher wird als im Hauskeller. Pflicht in vielen Bundesländern bei tiefliegenden Räumen, Kosten 200 bis 800 Euro pro Klappe. Bei mehreren Anschlüssen entsprechend mehr.

Notstromversorgung

Bei Hochwasser fällt oft der Strom aus - Heizung, Pumpen, Lüftung gehen nicht mehr. Notstromaggregat oder Batteriespeicher mit Notbetriebs-Funktion sichert das Bauwerk und seine Bewohner. Kosten 2.500 bis 8.000 Euro für eine Standard-Anlage.

Wohnraumplanung

Wertvolle Einrichtung, Heizung und elektrische Anlagen sollten nicht im hochwassergefährdeten Erdgeschoss oder Keller stehen. Heizungsraum, Schaltschrank, Wasserspeicher gehören in das Obergeschoss oder einen separaten Raum oberhalb der zu erwartenden Hochwasserlinie. Bei einem Hochwasser bleiben dann die zentralen technischen Systeme funktionsfähig.

Lehren aus dem Ahrtal-Hochwasser 2021

Das Hochwasser im Ahrtal vom Juli 2021 hat gezeigt, dass auch sehr seltene Sturzfluten zu katastrophalen Folgen führen können. Über 130 Menschen starben, viele Häuser wurden komplett zerstört. Die Lehren aus diesem Ereignis prägen die Hochwasservorsorge seitdem nachhaltig.

Sturzfluten in Tälern

In engen Bachtälern können auch normalerweise unauffällige Gewässer durch Starkregen plötzlich zu reißenden Strömen werden. Die Hochwassergefahrenkarten der Länder für Flusshochwasser erfassen solche Sturzfluten oft nicht ausreichend. In Bach- und Flusslagen sollten zusätzlich lokale Erfahrungen abgefragt werden.

Frühwarnsystem und Alarmierung

Wer in hochwassergefährdeten Gebieten lebt, sollte sich bei den lokalen Hochwasserwarndiensten registrieren - in den meisten Bundesländern über die App NINA oder regionale Pegel-Apps. Frühwarnungen gehen oft mehrere Stunden vor dem eigentlichen Eintreffen heraus.

Versicherungspflicht in der Diskussion

Nach dem Ahrtal-Hochwasser wird eine bundesweite Pflicht-Elementarschadenversicherung diskutiert. Stand 2026 noch nicht beschlossen, aber die politische Tendenz zeigt in diese Richtung. Wer 2026 ein Haus baut oder kauft, sollte unabhängig davon eine Elementarschadenversicherung als Standardlösung mitbestellen - vorausgesetzt, die ZÜRS-Klasse erlaubt es.

Klimaentwicklung

Klimamodelle zeigen für Mitteleuropa eine Zunahme von Starkregenereignissen. Die heute als HQ100 klassifizierten Gebiete könnten in 20 bis 30 Jahren häufiger überflutet sein. Wer in Grenzbereichen baut, sollte mit zukünftiger Verschärfung der Schutzanforderungen und Versicherungsprämien rechnen.

Regionale Hochwasser-Brennpunkte

Bestimmte Regionen Deutschlands sind 2026 besonders hochwassergefährdet. Wer in einem dieser Gebiete kauft, sollte mit erhöhten Auflagen und Versicherungs-Aufschlägen rechnen.

Rheinauen und Mosel

Der Rhein und seine Nebenflüsse zeigen historisch immer wieder erhebliche Hochwasser. Köln, Bonn, Koblenz, Trier sind betroffen. Auenlagen entlang dieser Flüsse fast immer ZÜRS 3 oder 4.

Elbe-Region

Nach den Hochwasser-Ereignissen 2002, 2013 und weiteren ist die Elbe-Region besonders aufmerksam beobachtet. Dresden, Magdeburg, Hitzacker sowie zahlreiche kleinere Orte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Donau-Region

Bayerische Donau und ihre Zuflüsse - in Passau, Regensburg, Donauwörth treten regelmäßig Hochwasser auf. Auch Inn, Salzach und kleinere Flüsse betroffen.

Norddeutsche Küstenregionen

Sturmflutgefahr an Nord- und Ostsee. Hamburg, Bremen, Lübeck und kleinere Küstenorte. Wegen Klimaerwärmung und Meeresspiegelanstieg langfristig zunehmendes Risiko.

Mittelgebirgsregionen mit Sturzfluten

Eifel, Sauerland, Bayerischer Wald, Schwäbische Alb - in engen Tälern können Starkregenereignisse zu Sturzfluten führen, wie im Ahrtal 2021 dramatisch sichtbar wurde. Auch außerhalb klassischer Hochwassergebiete kann Risiko bestehen.

Hochwasserschutz bei Bestandsbauten

Wer ein bestehendes Haus in einem hochwassergefährdeten Gebiet kauft oder besitzt, kann nachträglich Schutzmaßnahmen ergreifen.

Mobile Hochwasserschutzwände

Aufstellbare Aluminium- oder Edelstahl-Elemente, die bei Hochwasserwarnung in vorbereitete Halterungen eingesetzt werden. Schützen vor Wasserständen bis 1,5 Metern. Kosten 200 bis 600 Euro pro laufenden Meter, plus Halterungs-Montage 1.500 bis 4.000 Euro einmalig.

Druckwasserdichte Türen und Fenster nachrüsten

Im Erdgeschoss können bestehende Fenster und Türen durch druckwasserdichte Elemente ersetzt werden. Mehrkosten gegenüber Standardelement 1.500 bis 4.000 Euro pro Element. Lohnt sich vor allem bei Häusern mit dauerhaftem Hochwasserrisiko.

Rückstauklappen nachrüsten

Wer noch keine Rückstauklappen hat, kann sie in bestehenden Abwasserleitungen nachrüsten. Kosten 500 bis 1.500 Euro pro Klappe inklusive Einbau.

Wertvolle Einrichtung umlagern

Heizung, Elektrik, wertvolle Einrichtung sollten ins Obergeschoss oder höher gelegene Räume verlegt werden. Mehrkosten beim Umbau, dafür drastisch reduziertes Schadensrisiko.

Versicherungsmarkt 2026

Der Versicherungsmarkt für Elementarschäden ist nach den großen Hochwasser-Ereignissen der letzten Jahre stark in Bewegung.

Neue Versicherer am Markt

Mehrere Spezial-Versicherer haben sich auf hochwassergefährdete Lagen spezialisiert. Sie versichern auch ZÜRS-3- und teils ZÜRS-4-Lagen, allerdings mit deutlichen Aufschlägen und Selbstbehalten.

Pflichtversicherung in der Diskussion

Eine Pflicht-Elementarschadenversicherung wird politisch diskutiert. Bei Einführung würden alle Wohngebäude verpflichtend einbezogen, was die Solidargemeinschaft erweitert und die Prämien insgesamt senken würde. Stand 2026 noch nicht beschlossen.

Vergleich verschiedener Anbieter

Bei hochwassergefährdeten Grundstücken lohnt sich der Vergleich mehrerer Anbieter. Prämien können um Faktor 2 bis 5 unterscheiden. Vermittler mit Spezialisierung auf Elementarschäden helfen, das passende Angebot zu finden.

Selbsthilfe-Plan

Auch mit Versicherung sollte ein Selbsthilfe-Plan vorhanden sein: was tun bei Hochwasserwarnung, welche Wertsachen werden gesichert, wer wird informiert, welche Pumpen sind verfügbar. Übung in ruhigen Zeiten - bei Eintritt eines Ereignisses bleibt keine Zeit zum Lernen.

Kommunale Hochwasservorsorge

Über die individuelle Vorsorge hinaus arbeiten viele Kommunen an verbesserter Hochwasservorsorge.

Rückhaltebecken

In den letzten Jahren wurden viele Rückhaltebecken angelegt, um Hochwasserspitzen zu dämpfen. Das reduziert das Risiko in den unterliegenden Wohngebieten - aber nicht für jedes Grundstück gleich stark.

Renaturierung

Begradigte Flüsse werden zunehmend renaturiert, mit ausgewiesenen Überschwemmungsflächen. Das schützt Wohngebiete - bedeutet aber auch, dass manche bislang trockene Gebiete künftig Überflutungsflächen werden können.

Frühwarnsysteme

Pegel-Apps, NINA-Warnsystem, kommunale Sirenenanlagen werden ausgebaut. Wer in hochwassergefährdeten Gebieten lebt, sollte sich registrieren.

Nachbarschaftshilfe

In hochwassergefährdeten Quartieren entstehen oft Nachbarschaftsnetzwerke, die im Ereignisfall gegenseitig helfen. Beim Einzug aktiv erkundigen, ob solche Strukturen existieren.

Finanzierung in Hochwassergebieten

Banken berücksichtigen das Hochwasserrisiko bei der Beleihung von Wohngebäuden zunehmend.

Beleihungswert

In ZÜRS-3- und -4-Lagen kann die Bank den Beleihungswert reduzieren - typisch um 5 bis 20 Prozent. Das senkt die maximale Darlehenssumme und kann höhere Eigenkapitalanforderungen auslösen.

Versicherung als Bedingung

Banken verlangen oft den Nachweis einer Elementarschadenversicherung als Bedingung für die Auszahlung. Wenn die Versicherung nicht möglich ist, kann die Finanzierung scheitern.

Zinsaufschläge

Manche Banken kalkulieren bei hohem Hochwasserrisiko Zinsaufschläge von 0,1 bis 0,5 Prozent. Über die Darlehenslaufzeit entstehen so Mehrkosten von einigen tausend bis zehntausend Euro.

Ausblick auf die nächsten Jahre

Die Hochwasserlandschaft in Deutschland verändert sich rasant. Drei Entwicklungen sind absehbar.

Schärfere Bauauflagen

Bauvorschriften für hochwassergefährdete Gebiete werden strenger. Erhöhte Bauweise, Druckwasserdichtigkeit, Notstromversorgung könnten in mehr Regionen Pflicht werden.

Ausweisung neuer Gebiete

Mit der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie werden Bestände neu erfasst. Manche Grundstücke, die heute außerhalb des HQ100 liegen, könnten in den nächsten Aktualisierungen einbezogen werden.

Pflichtversicherung möglich

Eine bundesweite Pflicht-Elementarschadenversicherung steht zur Diskussion. Bei Einführung würden alle Wohngebäude erfasst, mit Solidargemeinschaft die Prämien insgesamt sinken könnten.

Mehr individuelle Vorsorge

Hausbesitzer in hochwassergefährdeten Gebieten ergreifen zunehmend eigene Schutzmaßnahmen - mobile Schutzwände, Rückstauklappen, erhöhte Wertgegenstände. Das wird in den nächsten Jahren zum Standard werden.

Praxis: Hochwasser-Prüfung in 5 Schritten

Schnelle systematische Prüfung vor jedem Grundstückskauf in flussnahen Lagen.

Schritt 1: Hochwassergefahrenkarte

Geoportal des Bundeslands aufrufen, Adresse eingeben, HQ-Klassifizierung ablesen.

Schritt 2: ZÜRS-Klasse abfragen

Bei einem oder zwei Wohngebäudeversicherern anfragen: ZÜRS-Klasse für die konkrete Adresse.

Schritt 3: Pegel-Daten ansehen

Falls ein Pegel in der Nähe ist, historische Hochwasser-Daten ansehen. Bei mehreren Hochwasser-Ereignissen über kurze Zeit Vorsicht.

Schritt 4: Lokale Erfahrungen

Mit Anwohnern sprechen, ob es in den letzten Jahrzehnten Hochwasser-Ereignisse gab.

Schritt 5: Versicherbarkeit klären

Konkretes Angebot einer Elementarschadenversicherung einholen. Wenn das Risiko nicht versicherbar ist, sollte vom Kauf abgesehen werden.

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FAQ - Hochwasserrisiko

Was bedeutet HQ100?
HQ100 steht für „Hochwasserabflussspende mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren" - statistisch tritt ein Hochwasser dieser Größenordnung im Mittel einmal in 100 Jahren auf. Das HQ100-Gebiet wird durch dieses Hochwasser überflutet. Bauen in HQ100-Gebieten ist erschwert oder verboten - geregelt im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) Paragraph 78.
Was bedeutet HQ500 oder Hochwasserextremereignis?
HQ500 ist die Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 500 Jahren - extreme Hochwasser. Daneben gibt es HQextrem, das oft eine HQ500- oder HQ1000-Berechnung darstellt. HQ500-Gebiete sind nicht baurechtlich gesperrt, gehören aber zu den durch Hochwasser gefährdeten Flächen und sind oft wichtig für die Elementarschadenversicherung.
Wo finde ich die Hochwassergefahrenkarte für mein Grundstück?
In den Geoportalen der Bundesländer. Suche „Hochwassergefahrenkarte" plus Bundesland liefert den richtigen Einstieg. Alle Karten sind kostenlos online verfügbar. Adresse oder Flurnummer eingeben - die Karte zeigt, ob das Grundstück in HQ100, HQ500 oder einem extremen Hochwasserrisiko-Gebiet liegt.
Darf ich in HQ100-Gebieten bauen?
Grundsätzlich nicht. Nach Paragraph 78 WHG ist die Errichtung baulicher Anlagen in festgesetzten Überschwemmungsgebieten verboten. Ausnahmen sind möglich, wenn der Hochwasserschutz sichergestellt ist und keine Gefahren entstehen. In der Praxis: Bauen in HQ100 ist sehr schwierig, mit hohen Auflagen versehen und mit erheblichen Mehrkosten verbunden.
Bekomme ich Elementarschadenversicherung für ein hochwassergefährdetes Grundstück?
In HQ100-Gebieten oft nicht oder nur mit deutlichen Aufschlägen. Versicherer prüfen über das ZÜRS-System (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen) die Gefährdungsstufe 1 bis 4. Bei ZÜRS 4 (höchstes Risiko) lehnen viele Versicherer ab. Das ist ein zentraler Punkt vor dem Kauf - ohne Elementarschadenversicherung trägt der Eigentümer das volle Hochwasserrisiko selbst.
Was tun, wenn das Grundstück knapp außerhalb HQ100 liegt?
Auch dort kann Hochwasserrisiko bestehen, wenn Starkregen oder Hangwasser auftritt. Die Hochwassergefahrenkarten erfassen primär Flusshochwasser - Starkregen-Hotspots werden in einigen Bundesländern in zusätzlichen Starkregenhinweiskarten erfasst. Vor Kauf zusätzlich Sturzflut-Risiko prüfen, vor allem in Tälern und Mulden.
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