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Holzbauweise

Holzrahmenbau - Konstruktion, Wandaufbau und Kosten

Tragende Holzstiele mit Hohlraumdämmung, Wandstärke 30 bis 36 cm, U-Werte 0,12 bis 0,18 W/(m²K) - die meistgenutzte Holzbauweise im Fertighaus-Markt.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 27. April 2026 14 Min Lesezeit
Holzrahmenbau-Konstruktion mit sichtbaren Stielen
Holzrahmenbau: tragende Stiele werden in der Werkshalle vorgefertigt, Hohlräume mit Dämmung gefüllt, beidseitig beplankt - Standard moderner Holz-Fertighäuser.
30 - 36 cm
Wandstärke gesamt je nach Energiestandard
0,12 - 0,18
U-Wert in W/(m²K) Außenwand inkl. Dämmung
~ 95 %
Anteil bei Fertighäusern Marktanteil 2025 in DE

Was ist Holzrahmenbau?

Der Holzrahmenbau (auch „Holzständerbau" genannt) ist eine Konstruktionsweise, bei der das tragende Wandsystem aus vertikalen Holzstielen (Konstruktionsvollholz KVH) mit horizontalen Schwellen und Rähmen besteht. Zwischen den Stielen entsteht ein Hohlraum, der mit Dämmstoffen gefüllt wird. Die beidseitige Beplankung mit OSB- oder Gipsfaserplatten gibt der Wand statische Aussteifung und brandschutztechnische Funktion.

Diese Bauweise hat ihren Ursprung im nordamerikanischen Wohnbau („Stick Frame Construction"), wurde in Mitteleuropa als Holzrahmenbau weiterentwickelt und ist seit den 1970er Jahren der dominante Konstruktionstyp im deutschen Holz-Fertighausbau. Die DIN 1052 regelt seit 2008 die statischen Anforderungen, DIN 4102 den Brandschutz, DIN 4109 den Schallschutz.

Wandaufbau im Detail

Standard-Wandaufbau Holzrahmenbau (Außenwand, KfW-EH 55)

  1. Außen: Außenputz oder Vorhangfassade. 8 bis 12 mm Putz auf Putzträgerplatte, oder Vorhangfassade aus Holz/Faserzement
  2. Putzträgerschicht/Wetterschutz. 4 bis 8 cm Holzfaser-Dämmplatte als Putzträger und zusätzliche Dämmung
  3. Dampfdiffusionsoffene Folie. Schutz vor eindringendem Regen, lässt aber Wasserdampf nach außen entweichen
  4. Tragwerk Holzrahmen. 16 bis 24 cm Holzstiele (KVH 60 x 160 mm bis 60 x 240 mm), Stiel-Abstand 62,5 cm
  5. Hohlraumdämmung. Mineralwolle, Zellulose oder Holzfaser, voll ausgefüllter Hohlraum
  6. Aussteifende OSB-Platte. 18 mm OSB-3-Platte, gibt Wand statische Aussteifung gegen Wind- und Erdbebenlasten
  7. Dampfbremse. Diffusions-bremsende Folie, verhindert dass Raumluftfeuchte in den Wandquerschnitt diffundiert
  8. Installationsebene. 4 bis 6 cm Hohlraum für Elektro- und Sanitär-Leitungen, oft mit Mineralwolle gefüllt
  9. Innenoberfläche. 12,5 bis 25 mm Gipskartonplatte oder Gipsfaserplatte, gestrichen oder tapeziert

Premium-Wandaufbau für KfW-EH 40 oder Passivhaus

Für höhere Energiestandards wird der Aufbau dicker und hochwertiger:

  • 22 bis 24 cm Holzrahmen statt 16 cm. Mehr Dämmstoff im Hohlraum
  • 8 bis 12 cm Holzfaser-Dämmplatte außen statt 4 bis 6 cm. Reduziert Wärmebrücken an Stielen
  • Dreifach-verglaste Fenster mit U-Wert 0,8 W/(m²K)
  • Dampfsperre statt Dampfbremse. Bei Passivhaus oft sd-Wert > 100 m
  • Gesamtwandstärke 38 bis 50 cm

Tragwerks-Konstruktion

Im Holzrahmenbau übernimmt das Skelett aus Schwellen, Stielen und Rähmen die Tragfunktion. Das Holz ist Konstruktionsvollholz (KVH) oder Brettschichtholz (BSH), beide nach DIN EN 14081 zugelassen.

Standard-Stielprofile

  • EFH 1 bis 2 Geschosse: KVH 60 x 160 mm. Stiel-Abstand 62,5 cm, ausreichend für alle Standard-EFH bis 8 Meter Wandbreite
  • EFH mit Sondergrößen oder erhöhter Last: KVH 60 x 200 mm
  • Mehrgeschosser: KVH 80 x 240 mm oder Brettschichtholz

Aussteifung

Holzrahmen-Wände werden gegen Windlasten und Erdbeben durch die OSB-Beplankung ausgesteift. Bei größeren Häusern oder höheren Lasten kommen zusätzliche aussteifende Querverbindungen (Diagonal-Streben) zum Einsatz, oder die Wand wird zweischalig mit doppelter Aussteifung ausgeführt.

Decken und Dachstuhl

Geschoss-Decken im Holzrahmenbau werden als Brettstapel-Decke, Holz-Beton-Verbunddecke oder klassische Holzbalken-Decke ausgeführt. Brettstapel-Decken haben bessere Schallschutz-Werte (40 bis 50 dB), Holzbalken-Decken sind günstiger (30 bis 40 dB ohne Zusatz-Maßnahmen). Der Dachstuhl ist konventionell mit Sparren, Pfetten und Mauerlatten - identisch zu Massivhäusern.

Dämmung im Holzrahmenbau

Die Dämmstoff-Wahl beeinflusst Energiebilanz, Schallschutz, Sommertaugfähigkeit und Ökobilanz. Drei verbreitete Optionen:

Mineralwolle (Glaswolle, Steinwolle)

  • Vorteile. Günstig (15 bis 25 Euro pro m²), gut dämmend, nichtbrennbar (A1)
  • Nachteile. Schlechte Ökobilanz (energieintensive Herstellung), schlechtere Sommertaugfähigkeit, gesundheitlich nicht unproblematisch beim Einbau (Atemschutz nötig)
  • Anwendung. Standard im günstigeren Fertighaus-Segment

Zellulose-Einblasdämmung

  • Vorteile. Aus recyceltem Altpapier, sehr gute Ökobilanz, hervorragende Sommertaugfähigkeit (hohe Wärmespeicherkapazität), gute Schalldämmung
  • Nachteile. Etwas teurer (25 bis 35 Euro pro m²), nur durch Spezialfirmen einblasbar
  • Anwendung. Premium-Fertighäuser mit Öko-Anspruch (Hanse Haus, Schwörer Sentinel-Linie)

Holzfaser-Dämmung

  • Vorteile. Beste Ökobilanz, beste Sommertaugfähigkeit, aus nachwachsenden Rohstoffen, klimabonus-fähig
  • Nachteile. Höchste Materialkosten (35 bis 55 Euro pro m²), größere Wandstärke nötig für gleichen U-Wert
  • Anwendung. Massivholzhäuser und Premium-Holzrahmenbau mit Naturmaterial-Anspruch

Kosten 2026 im Detail

Holzrahmenbau ist die günstigste Holzbauweise und liegt 2026 bei 2.300 bis 2.700 Euro pro m² schlüsselfertig. Beispielrechnung 140 m² EFH:

Kostenaufteilung Holzrahmen-EFH 140 m²

PositionAnteilKosten in €
Bodenplatte7 %22.500
Tragwerk Holzrahmen + Beplankung22 %71.500
Dämmung (Mineralwolle Standard)5 %16.500
Außenputz oder Fassade7 %22.500
Dach und Fenster15 %48.500
Heizung und Lüftung11 %35.500
Sanitär und Elektro13 %42.500
Innenausbau14 %45.500
Bodenbeläge und Türen6 %20.000
Gesamt schlüsselfertig100 %325.000

Aufpreise je nach Wahl

  • Zellulose statt Mineralwolle. +3.500 bis 6.000 Euro
  • Holzfaser-Dämmung. +6.000 bis 12.000 Euro
  • Gipsfaserplatte statt Gipskarton innen. +2.500 bis 4.500 Euro (besseres Schallschutz, höhere Hängelast)
  • KfW-EH 40 statt EH 55. +12.000 bis 22.000 Euro
  • Holz-Vorhangfassade statt Putzfassade. +8.000 bis 18.000 Euro

Baufeuchte und Bauphysik

Der größte Vorteil des Holzrahmenbaus ist das trockene Bauen: keine Mauer-Feuchte, kein lange trocknender Estrich (Trocken-Estrich aus Gipsfaserplatten verfügbar), keine Putz-Trocknungs-Phase. Das Haus kann nach 2 bis 4 Wochen Innenausbau-Beginn bezogen werden, sobald die Endmontagen fertig sind.

Diffusionsoffener Wandaufbau

Bei korrekt eingebauten Folien (dampfdiffusionsoffen außen, dampfbremsend innen) wandert Raumluft-Feuchte langsam durch die Wand nach außen ab. Schimmel-Risiko an Innenoberflächen wird reduziert. Voraussetzung: Verklebung der Folien-Stöße präzise nach DIN 4108-7.

n50-Wert (Luftdichtheit)

Holzrahmen-Häuser erreichen typisch n50-Werte von 0,5 bis 1,0/h - bei Passivhaus-Standards 0,3 bis 0,5/h. Das ist deutlich besser als bei Standard-Massivhäusern (1,0 bis 1,8/h). Voraussetzung: präzise Folien-Verklebung und sorgfältiger Anschluss von Fenstern und Durchdringungen.

Vor- und Nachteile in der Übersicht

Vorteile Holzrahmenbau

  • Günstigste Holzbauweise. 2.300 bis 2.700 Euro pro m² schlüsselfertig
  • Kürzeste Bauzeit. 6 bis 9 Monate ab Bodenplatte
  • Hervorragende U-Werte. 0,12 bis 0,18 W/(m²K) bei dünner Wandstärke
  • Trockenes Bauen. Schneller Einzug nach Innenausbau-Ende
  • Hohe Luftdichtheit. n50 0,5 bis 1,0 /h Standard
  • CO2-Bilanz besser als Massivbau. Holz speichert CO2, Mineralwolle ist energieintensiv aber leichter
  • Standard-Marktangebot. Über 95 Prozent aller Fertighäuser nutzen diese Bauweise

Nachteile Holzrahmenbau

  • Geringere Speichermasse als Massiv. Sommer-Hitze schlägt schneller durch
  • Schallschutz-Standardproblem. Trockene Wände dämpfen weniger, Zusatzmaßnahmen nötig
  • Hängelasten brauchen Spezial-Dübel. Schwere Lasten am Stiel oder mit Hohlwand-Dübel
  • Empfindlich gegen Folien-Beschädigung. Bei späteren Umbauten (Rohrleitungen verlegen) kann Dampfbremse beschädigt werden

Holzrahmenbau vs. Massivholzhaus

Wer zwischen Holzrahmen und Massivholz schwankt, findet die Argumente im Detail-Vergleich: Massivholzhaus und im Übersichtsartikel Holzhaus.

Lebenszyklus über 100 Jahre

Holzrahmen-Häuser nach DIN 1052 sind für eine kalkulierte Lebensdauer von 80 bis 120 Jahren ausgelegt. Wartungs-Zyklen über die Lebenszeit:

  • Jahre 0 bis 25. Kein Sanierungs-Bedarf bei sachgerechter Konstruktion. Nur Streich- und Putz-Reparaturen.
  • Jahre 25 bis 35. Putzfassade renovieren oder Putzhaut erneuern. Holzfassade Lasur erneuern.
  • Jahre 35 bis 45. Fenster austauschen. Wärmepumpe austauschen. Lüftungsanlage austauschen.
  • Jahre 45 bis 60. Tragwerk wird geprüft, Innenoberflächen erneuert, ggf. Wandaufbau bei Modernisierung optimiert.
  • Jahre 60 bis 100. Bei guter Pflege sind nur Hülle und Technik zu erneuern, das Tragwerk ist intakt.

Wer langfristig kalkuliert, plant pro Jahrzehnt rund 0,5 bis 1 Prozent der Bauwerkskosten als Wartungs-Rücklage ein. Bei einem 325.000-Euro-Holzrahmenhaus sind das jährlich 1.600 bis 3.250 Euro Rücklagen.

Historischer Kontext und Marktentwicklung

Der Holzrahmenbau hat seinen Ursprung im nordamerikanischen Stick Frame Construction des 19. Jahrhunderts. In Deutschland wurde die Bauweise in den 1950er Jahren importiert, vor allem nach US-amerikanischem Vorbild und durch skandinavische Einflüsse. In den 1970er Jahren entstanden die ersten großen Fertighaus-Marken (Schwörer 1950, Bien-Zenker 1906, Streif 1929 - lange Wurzeln, Holzrahmen-Fokus seit den 1970ern). Frühe Holzrahmen-Häuser hatten teilweise Bauphysik-Probleme: Dampfsperren-Konzepte waren noch nicht ausgereift, Dämmstoffe enthielten oft Asbest oder Formaldehyd-haltiges Holz. Diese Probleme sind seit den 1990er Jahren behoben, das Marktimage hängt aber teilweise nach. Moderne Holzrahmen-Häuser nach DIN 1052 und DIN 4108-7 haben mit den Problem-Häusern der 1970er/80er nichts mehr gemein.

Welcher Bauherr passt zum Holzrahmenbau?

Holzrahmenbau passt zu Bauherren mit:

  • Standard-Anforderungs-Profil. Wer keine Sonderwünsche an Wandbaustoffe hat und mit Marktstandard zufrieden ist
  • Bauzeit-Druck. Wer 6 bis 9 Monate Bauzeit ab Bodenplatte braucht
  • Festpreis-Anspruch. Wer im Werkvertrags-Fertighaus-Modell die Kostensicherheit schätzt
  • moderater Energiestandard-Anspruch. KfW-EH 55 bis EH 40 problemlos erreichbar im Standard
  • Akzeptanz für Schallschutz-Zusatzkosten. Bei sensiblen Räumen Vorsatzschalen oder schwere Bekleidungen einplanen

Bauphysik der Folien-Verklebung

Die Luftdichtheit eines Holzrahmen-Hauses hängt fast vollständig von der korrekten Verklebung der Dampfbremsfolie ab. Eine 1 Meter lange unverklebte Stoßstelle reduziert die Energieeffizienz um mehr als 4 m² Wandfläche mit U-Wert 0,17. Drei kritische Stellen:

Folien-Stöße zwischen Wandtafeln

Bei der Aufstellung treffen Wandtafeln aufeinander. Die Stoßstelle muss mit speziellem Klebeband (z.B. Tescon Vana, Pro Clima) verklebt werden. Bei Premium-Fertighäusern ist das Werkstandard, bei günstigen Anbietern oft mangelhaft - hier lohnt sich eine eigene Sichtprüfung vor der Innenbeplankung.

Anschlüsse an Fenster und Türen

Die Dampfbremse muss umlaufend an den Fensterrahmen verklebt werden. Bei nicht fachgerechter Ausführung entstehen hier Wärmebrücken und Schimmel-Ecken im Innenraum. Eine sorgfältige Werkmontage der Fenster mit vorbeplankten Folien-Anschlüssen reduziert dieses Risiko deutlich.

Durchdringungen für Elektro und Sanitär

Steckdosen, Lüftungsrohre, Wasserrohre durchdringen die Dampfbremse. Bei jeder Durchdringung muss die Folie mit Manschetten oder speziellen Klebebändern wieder geschlossen werden. Eine spätere Sanierung (z.B. Steckdose verschieben) verletzt die Folie - daher: Elektro-Plan vor dem Schließen der Wand sorgfältig durchgehen.

Blower-Door-Test als Qualitätskontrolle

Vor der Bauabnahme sollte ein Blower-Door-Test gemacht werden. Dabei wird ein Ventilator in der Eingangstür montiert und ein Druckunterschied von 50 Pascal erzeugt. Aus dem nötigen Luftstrom wird der n50-Wert berechnet (Luftwechsel pro Stunde bei 50 Pa). Anforderungen 2026:

  • GEG-Mindestanforderung. n50 ≤ 1,5 /h (Wohnbau ohne Lüftungsanlage) oder ≤ 1,0 /h (mit kontrollierter Lüftung)
  • KfW-EH 55. n50 ≤ 1,0 /h
  • KfW-EH 40. n50 ≤ 0,6 /h
  • Passivhaus. n50 ≤ 0,6 /h (zertifiziert)

Kosten Blower-Door-Test rund 250 bis 450 Euro. Bei nicht erreichter Anforderung kann nachgebessert werden, bevor die Innenbeplankung geschlossen wird - eine spätere Nachbesserung ist deutlich teurer.

Vorfertigung in der Werkshalle

Der zentrale Effizienz-Vorteil des Holzrahmenbaus liegt in der industriellen Vorfertigung. Wandtafeln werden in der Werkshalle auf computergesteuerten Abbund-Anlagen exakt zugeschnitten und vormontiert. Drei Vorfertigungs-Stufen sind verbreitet:

Offene Vorfertigung

Wandtafeln kommen mit fertigem Tragwerk und Außenbeplankung, aber ohne Dämmung und Innenbeplankung auf die Baustelle. Der Innenausbau erfolgt vor Ort. Vorteil: einfacher Transport, leichtere Anpassungen vor Ort. Nachteil: längere Bauzeit nach Aufstellung. Anwendung: regionale Zimmereien, Architekt-Holzhäuser.

Geschlossene Vorfertigung

Wandtafeln kommen vollständig vorgefertigt: Tragwerk, Dämmung, beidseitige Beplankung, Folien, Fenster eingebaut, Putz oder Fassade vormontiert. Vor Ort werden nur die Tafeln aufgestellt und anschließend Anschluss-Arbeiten gemacht. Vorteil: kürzeste Bauzeit, höchste Qualität. Nachteil: schwere Schwertransporte, teurer Kran nötig. Anwendung: Standard im Premium-Fertighaus.

Modul-Vorfertigung (3D)

Komplette Raum-Module werden in der Werkshalle vorgefertigt und auf der Baustelle gestapelt. Mehr im Artikel Modulhaus. Diese Bauweise ist eine spezielle Variante des Holzrahmenbaus, mit eigenen Anbietern.

Schallschutz im Holzrahmenbau

Schallschutz ist die größte bauphysikalische Herausforderung im Holzrahmenbau. Anders als beim mineralischen Mauerwerk hat der Holzrahmen wenig Eigenmasse, was bei Standard-Konstruktion zu erhöhter Schallübertragung führen kann. Drei wirksame Maßnahmen für gute Werte:

Doppelte Innenbeplankung mit Gipsfaser

Statt einer 12,5 mm Gipskartonplatte wird eine doppelte 18 mm Gipsfaserplatte aufgebracht. Schalldämmung steigt um 4 bis 6 dB, Hängelast verdoppelt sich auf 80 kg. Mehrkosten rund 8 bis 15 Euro pro m² Wandfläche.

Vorsatzschalen entkoppeln

Vor allem bei Wohnungs-Trennwänden, Bad-Innenwänden oder Schlafzimmer-Wänden lohnt sich eine entkoppelte Vorsatzschale: 5 cm Konterlattung mit Mineralwoll-Füllung, davor eine zweite Beplankungs-Ebene. Schalldämmung steigt um 8 bis 12 dB, erreicht damit 53+ dB nach DIN 4109. Mehrkosten 35 bis 55 Euro pro m².

Schwere Innentüren und Rahmen

Standard-Innentüren im Fertighaus haben oft nur 30 dB Schalldämmung. Wer Bad oder Schlafzimmer schalldämmend ausführen will, wählt schwere Türen mit Gummi-Dichtung und Bodendichtung (45 bis 50 dB). Mehrkosten 200 bis 400 Euro pro Tür.

Brandschutz nach DIN 4102

Holzrahmen-Wände erreichen je nach Konstruktion verschiedene Feuerwiderstandsklassen:

F30 - Standard für EFH

Holzrahmen 16 cm mit beidseitiger 12,5 mm Gipskarton-Beplankung erreicht F30 (30 Minuten Feuerwiderstand). Das ist die Mindestanforderung für Wohnbauten in Standard-Bauklassen. Im Schadensfall hält die Wand mindestens eine halbe Stunde dem Brand stand, was Bewohner-Evakuierung und Feuerwehr-Eingriff ermöglicht.

F60 - Mehrgeschosser bis 4 Geschosse

Holzrahmen 24 cm mit beidseitiger doppelter 18 mm Gipsfaser-Beplankung erreicht F60. Das ist Standard für Mehrgenerationenhäuser, Doppelhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser bis 4 Geschosse.

F90 - Sonderbauten

Mit speziellen Bekleidungen (Brandschutz-Putzplatten, mehrlagige Gipsfaser-Beplankung) erreichen Holzrahmen-Wände auch F90. Anwendung: Trennwände zu Garagen mit Gas-Heizung, Wände zu gewerblich genutzten Bereichen.

Anbieter im Holzrahmenbau

Der gesamte deutsche Fertighaus-Markt baut praktisch ausschließlich in Holzrahmenbau. Die wichtigsten Anbieter (siehe auch Fertighaus):

  • Premium. Schwörer Haus, Bien-Zenker, Weberhaus - rund 2.500 bis 3.000 Euro pro m²
  • Mittelklasse. Streif, Hanse Haus, Fingerhaus - rund 2.300 bis 2.700 Euro pro m²
  • Günstig. Town & Country, Heinz von Heiden, Massa Haus, Allkauf - 2.000 bis 2.500 Euro pro m²

Außerhalb des Fertighaus-Markts bieten regionale Zimmereien individuell geplante Holzrahmenhäuser an. Diese sind oft teurer (10 bis 20 Prozent über vergleichbarem Fertighaus), dafür architektonisch deutlich individueller.

Checkliste: Holzrahmenbau richtig planen

  • Wandstärke nach Energiestandard wählen. EH 55: 30 cm, EH 40: 36 cm, Passiv: 40-50 cm
  • Dämmstoff bewusst wählen. Mineralwolle Standard, Zellulose ökologisch, Holzfaser Premium
  • Innenbeplankung Gipsfaser statt Gipskarton. +20 Prozent Schallschutz, höhere Hängelast
  • Schallschutz-Maßnahmen einplanen. Schwere Innenbekleidung, Vorsatzschalen wo nötig
  • Folien-Verklebung kontrollieren lassen. Blower-Door-Test n50-Wert messen
  • Hängelasten im Werkplan vermerken. Verstärkungs-Bretter im Stiel-Bereich für Hängeschränke
  • Klimabonus prüfen. Bei Holzfaser-Dämmung Bonus-Förderung Bayern, BW, NRW, Berlin

FAQ - Holzrahmenbau 2026

Was ist der Unterschied zwischen Holzrahmenbau und Holzständerbau?
In der Praxis sind beide Begriffe synonym - es geht um eine tragende Konstruktion aus vertikalen Holzstielen mit horizontalen Schwellen und Rähmen, dazwischen Hohlraum mit Dämmung. Der Begriff "Holzrahmenbau" ist die moderne, in DIN 1052 verwendete Bezeichnung. "Holzständerbau" wird historisch und im Zimmerei-Sprachgebrauch verwendet. Eine technische Unterscheidung gibt es nicht.
Wie dick ist eine Holzrahmen-Außenwand?
Standard-Wandstärken liegen 2026 bei 30 bis 36 cm Gesamtaufbau. Der tragende Holzrahmen ist 16 bis 24 cm dick (gefüllt mit Mineralwoll- oder Zellulose-Dämmung), beidseitig kommt OSB- oder Gipsfaserplatten-Beplankung dazu, außen 4 bis 8 cm Holzfaser-Dämmplatte plus Putzschicht oder Vorhangfassade, innen 4 bis 6 cm Installationsebene plus Gipskarton-Innenwand. Bei KfW-EH 40 bis 36 cm Gesamtwandstärke, bei Passivhaus 40 bis 50 cm.
Welche Dämmung ist im Holzrahmenbau am besten?
Die drei verbreiteten Optionen 2026: Mineralwolle (Glaswolle, Steinwolle) - günstig, gut dämmend, schlechte Ökobilanz. Zellulose-Einblasdämmung - umweltfreundlich, gute Schalldämmung, sehr gute Wärmespeicherung im Sommer. Holzfaser-Dämmung - beste Ökobilanz, beste sommertaugfähige Speichermasse, höchste Kosten (rund 30 bis 50 Prozent über Mineralwolle). Faustregel: Mineralwolle für Standard-Fertighaus, Zellulose für ökologisch orientierte Bauherren, Holzfaser für Premium-Bauten mit Naturmaterial-Anspruch.
Können Holzrahmenwände tragend für mehrgeschossige Häuser eingesetzt werden?
Ja. Moderne Holzrahmenbau-Konstruktionen sind statisch geprüft für 3 bis 4 Vollgeschosse und werden auch in größeren Wohnhäusern verbaut (z.B. Bauten in München, Berlin, Hamburg mit 6 bis 8 Geschossen Holzrahmen plus aussteifende Massivholz-Treppenhäuser). Für klassische EFH und DHH ist die Tragfähigkeit des Holzrahmens nie ein Engpass.
Wie sind Hängelasten an Holzrahmen-Wänden zu befestigen?
Bei Wand-Aufbauten mit OSB-Beplankung können Hängelasten bis 50 kg in das OSB geschraubt werden, ohne die Stiele zu treffen. Schwerere Lasten (Hängeschränke, Wandregale, TV) brauchen Hohlwand-Dübel oder direkte Verschraubung in einen Stiel - die Stiel-Position ist im Werkplan eingezeichnet und über Magnet-Detektor lokalisierbar. Bei Massivholz-Innenbekleidung können Lasten bis 80 kg ohne Spezial-Dübel in das Holz geschraubt werden.
Brennen Holzrahmen-Wände schneller als massive Wände?
Nein. Moderne Holzrahmen-Wände nach DIN 4102 erreichen mit beidseitiger Gipsfaserplatten-Bekleidung F30 bis F90 (30 bis 90 Minuten Feuerwiderstand). Das ist mit Massivbau gleichwertig oder sogar besser als bei Stahl-Konstruktionen. Die Bekleidung schützt die tragenden Holzstiele bis zur Verkohlungs-Phase, in der das Holz langsam abbrennt. Brandprüfungen mit identischen Wandaufbauten zeigen: nach 60 Minuten Brand sind 4 bis 5 cm Holz verkohlt, der Kern bleibt tragend.
Hausbau Journal Redaktion

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