Ein Bauvertrag ist ein komplexes Vertragswerk über sechsstellige Summen mit langfristiger Wirkung. Eine systematische Prüfung mit dieser Checkliste deckt fast alle häufigen Schwachstellen auf - bevor sie zu Schaden führen.
Wie die Checkliste anwenden
Drei Schritte zur effizienten Anwendung.
Schritt 1: Vertragsentwurf bereitstellen
Vom Bauunternehmer den vollständigen Vertragsentwurf einschließlich aller Anlagen anfordern. Mindestens: Vertragstext, Leistungsbeschreibung, Bauplan, Lageplan, energetische Berechnung, Sonderwunsch-Liste.
Schritt 2: Systematisch prüfen
Mit Stift oder digitaler Notiz die 30 Prüfpunkte durchgehen. Pro Punkt: erfüllt (grün) / kritisch (gelb) / nicht erfüllt (rot). Notizen zu jedem Punkt.
Schritt 3: Nachverhandeln und Prüfung wiederholen
Bei nicht erfüllten Punkten Nachverhandlung mit Bauunternehmer. Schriftliche Bestätigung der Änderungen anfordern. Vor finalem Vertragsabschluss erneut prüfen.
Block 1: Vertragsart und Rechtsrahmen (5 Punkte)
Punkt 1: BGB-Bauvertrag oder Verbraucherbauvertrag
Steht im Vertrag explizit BGB-Bauvertrag mit Verbraucherbauschutz nach § 650i BGB? Nicht VOB/B oder reiner Werkvertrag.
Punkt 2: VOB/B-Klausel gestrichen
Falls VOB/B im Vertragsentwurf erwähnt: Wurde sie gestrichen? Falls nicht: VOB/B mindestens vollständig ausgehändigt mit Nachweis?
Punkt 3: Schiedsklausel
Keine Schiedsklausel zugunsten privater Schiedsgerichte? Bei Streit: ordentliche Gerichte zuständig.
Punkt 4: Anwendbares Recht
Deutsches Recht ausdrücklich vereinbart? Bei Auslands-Komponenten relevant.
Punkt 5: Gerichtsstand
Gerichtsstand am Bauort oder Wohnort des Bauherrn? Nicht bei Bauunternehmer-Sitz?
Block 2: Leistungsbeschreibung (5 Punkte)
Punkt 6: Vollständigkeit
Leistungsbeschreibung mit mindestens 15 Seiten Detail. Alle 12 Prüf-Bereiche aus Leistungsbeschreibung abgedeckt.
Punkt 7: Material-Spezifikationen
Pro Bauteil Hersteller, Modell, Qualitätskriterien definiert. Nicht nur „moderne Heizung“ sondern „Bosch Compress 7000i AW 7“ oder gleichwertig.
Punkt 8: Pflicht-Inhalte nach § 650i BGB
Art und Umfang der Bauarbeiten, Konstruktion, Energie- und Dämmstandard, technische Anlagen, Innenausbau, Außenanlagen alle abgedeckt.
Punkt 9: Smart-Home und PV-Vorrüstung
Smart-Home-Vorrüstung (KNX, EnOcean oder WLAN) explizit geregelt? PV-Vorrüstung (Leerrohre, Zählerschrank) enthalten?
Punkt 10: Außenanlagen
Hausanschlüsse, Pflasterung, Außenbeleuchtung, Einfriedung explizit geregelt? Garage oder Carport eingerechnet oder ausgeschlossen?
Block 3: Festpreis und Kalkulation (4 Punkte)
Punkt 11: Festpreis verbindlich
Festpreis explizit verbindlich vereinbart für die im Vertrag definierten Leistungen. Mit klarer Bezeichnung als Pauschalpreis oder Festpreis.
Punkt 12: Materialfortschreibung mit Baupreisindex
Materialfortschreibungs-Klausel objektiv mit Baupreisindex Statistisches Bundesamt formuliert. Mit Schwelle (mindestens 5 Prozent) und Maximum.
Punkt 13: Festpreis-Gültigkeit
Festpreis gültig für mindestens die geplante Bauphase plus 6 Monate Reserve. Bei 18-Monats-Bauphase also mindestens 24 Monate.
Punkt 14: Nachtrags-Aufschlag definiert
Aufschlag für Nachtragsleistungen klar im Vertrag mit max. 15 Prozent auf Material und Lohn.
Block 4: Bauzeit und Termine (3 Punkte)
Punkt 15: Verbindlicher Fertigstellungstermin
Konkretes Datum oder Anzahl Wochen ab Bauantragsgenehmigung. Nicht „voraussichtlich“ oder „circa“.
Punkt 16: Vertragsstrafe bei Verzögerung
Vertragsstrafe 0,1 Prozent pro Werktag, gedeckelt bei 5 Prozent der Bausumme. Ohne Deckelung unwirksam (BGH).
Punkt 17: Bauzeit-Vorbehalte
Vorbehalte (Witterung, höhere Gewalt) klar definiert und nicht uferlos formuliert. Maximal 4 Wochen Witterungs-Verzögerung pro Bauphase.
Block 5: Sicherheiten und Zahlungsplan (5 Punkte)
Punkt 18: 5-Prozent-Vertragserfüllungsbürgschaft
Vor erster Abschlagszahlung Pflicht-Sicherheit 5 Prozent als Bankbürgschaft im Vertrag verankert.
Punkt 19: 7-Raten-Schlüssel beim Bauträger
Beim Bauträger: Zahlungsplan strikt nach 7-Raten-Schlüssel der MaBV (§ 3 MaBV). Nicht 5-Prozent-Bürgschaft mit voller Vorauszahlung.
Punkt 20: Zahlungsplan nach Baufortschritt beim GU
Beim Generalunternehmer: Zahlungsplan in 5-8 Raten nach Baufortschritt. Niemals mehr zahlen als gebaut.
Punkt 21: Mängelbürgschaft 5 Prozent für 5 Jahre
Nach Bauabnahme Mängelbürgschaft 5 Prozent für 5 Jahre Laufzeit. Alternative: Sicherheitseinbehalt 5 Prozent.
Punkt 22: Vorauszahlungs-Schutz
Bei Vorauszahlungen für Material-Bestellungen Vorauszahlungsbürgschaft über 100 Prozent der Anzahlung.
Block 6: Mängelhaftung und Abnahme (4 Punkte)
Punkt 23: 5 Jahre Mängelverjährung
5-jährige Mängelhaftung nach § 634a BGB ab Bauabnahme im Vertrag verankert. Nicht 4 Jahre VOB/B.
Punkt 24: Förmliche Abnahme
Förmliche Abnahme mit Protokoll vereinbart. Keine fiktive Abnahme nach 12 Werktagen.
Punkt 25: Prüfzeitraum bei Abnahme
Mindestens 4 Wochen Prüfzeitraum nach Übergabe. Mit Möglichkeit, Sachverständigen einzubeziehen.
Punkt 26: Bautagebuch-Einsicht
Recht auf Bautagebuch-Einsicht nach § 650b Abs. 4 BGB im Vertrag bestätigt.
Block 7: Anbieter-Prüfung (4 Punkte)
Punkt 27: Bonitätsprüfung erfolgt
Schufa-Auskunft Unternehmer-Pool (ohne aktuelle Negativmerkmale), Creditreform-Bonitätsindex (unter 250), Bilanzauswertung über Bundesanzeiger (Eigenkapitalquote über 15 Prozent).
Punkt 28: Marktpräsenz und Referenzen
Mindestens 10 Jahre Marktpräsenz, 30+ realisierte Bauvorhaben, drei besichtigte Referenzobjekte mit Bauherren-Gesprächen.
Punkt 29: Berufshaftpflicht-Versicherung
Berufshaftpflicht-Versicherung mit aktuellem Versicherungsschein. Mindestens 500.000 EUR Deckung.
Punkt 30: Beim Bauträger zusätzlich
Gewerbeerlaubnis § 34c GewO bestätigt. Notarvertrag mit Auflassungsvormerkung. Lastenfreies Grundstück.
Block 8: Organisatorisches (Bonus-Punkte)
Diese Punkte sind nicht Teil der 30er-Liste, aber für die Gesamtorganisation wichtig.
Externe Vertragsprüfung erfolgt
Vertragsprüfung durch Bauherrenschutzbund oder Bauanwalt vor Notartermin.
Bausachverständigen-Begleitung
Bausachverständiger für Bauphasen-Begleitung beauftragt.
Energetische Baubegleitung
BAFA-geförderte Baubegleitung beim KfW-Effizienzhaus eingeplant.
Versicherungs-Pakets
Bauleistungsversicherung, Bauherrenhaftpflicht, spätere Wohngebäudeversicherung organisiert.
Bewertung der Checkliste
Wie interpretiert man das Prüf-Ergebnis?
27-30 Punkte erfüllt: grüne Bewertung
Sehr guter Bauvertrag. Alle wesentlichen Prüfpunkte erfüllt. Vertragsabschluss empfohlen. Trotzdem externe Prüfung sinnvoll - manche Schwachstellen entgehen der Selbstprüfung.
23-26 Punkte erfüllt: gelbe Bewertung
Akzeptabler Vertrag mit Verbesserungs-Potenzial. Nachverhandlung der fehlenden Punkte. Bei Akzeptanz mindestens drei Verbesserungen vor Unterschrift.
18-22 Punkte erfüllt: rote Bewertung
Kritischer Bauvertrag. Mehrere wichtige Schwachstellen. Externe Prüfung dringend erforderlich. Nachverhandlung intensiv. Bei Verweigerung des Anbieters: Anbieter-Wechsel prüfen.
Unter 18 Punkte erfüllt: Veto
Vertrag in der Form nicht akzeptabel. Anbieter-Wechsel oder vollständige Vertragsneuverhandlung. Bei Druck auf schnellen Abschluss: klares Warnsignal, kritisch prüfen.
Kritische Mindest-Punkte
Selbst bei guter Gesamtbewertung sollten diese Mindest-Punkte immer erfüllt sein:
- Punkt 1: BGB-Bauvertrag mit Verbraucherbauschutz
- Punkt 6: Vollständige Leistungsbeschreibung
- Punkt 12: Materialfortschreibung objektiv
- Punkt 18: 5-Prozent-Vertragserfüllungsbürgschaft
- Punkt 19/20: Zahlungsplan nach Baufortschritt
- Punkt 23: 5 Jahre Mängelverjährung
- Punkt 27: Bonitätsprüfung erfolgt
Praxis-Anwendung der Checkliste
Wie wendet man die Checkliste in der Praxis an?
Tag 1: Vertragsentwurf erhalten
Vom Bauunternehmer den vollständigen Vertragsentwurf anfordern. Bei Bauträger inklusive aller Notarvertrags-Anlagen.
Tag 2-3: Erste Selbstprüfung
Mit der 30-Punkte-Checkliste durchgehen. Notizen zu jedem Punkt. Erste Bewertung (grün / gelb / rot pro Block).
Tag 4-7: Anbieter-Prüfung parallel
Bonitätsprüfung über Schufa, Creditreform, Bundesanzeiger. Drei Referenzobjekte besichtigen mit Bauherren-Gesprächen.
Tag 8-10: Externe Vertragsprüfung
Vertragsentwurf an Bauherrenschutzbund oder Bauanwalt zur Prüfung. Schriftliches Gutachten mit Verbesserungs-Vorschlägen abwarten.
Tag 11-14: Verhandlung mit Bauunternehmer
Mit dem Prüf-Bericht in die Verhandlung gehen. Konkrete Verbesserungs-Punkte ansprechen. Schriftliche Bestätigung der akzeptierten Änderungen anfordern.
Tag 15-18: Wiederholte Prüfung
Nach Vertragsanpassungen erneut prüfen. Sind die zugesagten Verbesserungen wirklich im Vertragstext? Manche Anbieter bestätigen Verbesserungen mündlich, schreiben sie aber nicht in den Vertrag.
Tag 19-21: Notartermin-Vorbereitung
Beim Bauträger: Notartermin vereinbaren. Vorab den notariell beurkundeten Vertragstext erhalten und letzte Prüfung. Beim Generalunternehmer: privatrechtlicher Vertragsabschluss.
Druckbare Prüf-Liste
Eine kompakte Version der 30-Punkte-Checkliste zum Ausdrucken und durcharbeiten.
Block 1: Vertragsart
- [ ] BGB-Bauvertrag mit Verbraucherbauschutz nach § 650i BGB
- [ ] VOB/B-Klausel gestrichen oder vollständig ausgehändigt
- [ ] Keine Schiedsklausel im Vertrag
- [ ] Deutsches Recht ausdrücklich vereinbart
- [ ] Gerichtsstand am Bauort oder Wohnort
Block 2: Leistungsbeschreibung
- [ ] Leistungsbeschreibung mit mindestens 15 Seiten Detail
- [ ] Material-Spezifikationen pro Bauteil mit Hersteller
- [ ] Pflicht-Inhalte nach § 650i BGB / Art. 249 EGBGB abgedeckt
- [ ] Smart-Home und PV-Vorrüstung explizit geregelt
- [ ] Außenanlagen und Hausanschlüsse spezifiziert
Block 3: Festpreis und Kalkulation
- [ ] Festpreis explizit verbindlich vereinbart
- [ ] Materialfortschreibung mit Baupreisindex Statistisches Bundesamt
- [ ] Festpreis-Gültigkeit für mindestens Bauphase plus 6 Monate
- [ ] Nachtrags-Aufschlag max. 15 Prozent definiert
Block 4: Bauzeit und Termine
- [ ] Verbindlicher Fertigstellungstermin im Vertrag
- [ ] Vertragsstrafe 0,1 % pro Werktag, max. 5 % der Bausumme
- [ ] Bauzeit-Vorbehalte klar definiert und nicht uferlos
Block 5: Sicherheiten und Zahlungsplan
- [ ] 5-Prozent-Vertragserfüllungsbürgschaft im Vertrag
- [ ] Bauträger: 7-Raten-Schlüssel der MaBV
- [ ] GU: Zahlungsplan in 5-8 Raten nach Baufortschritt
- [ ] Mängelbürgschaft 5 Prozent für 5 Jahre
- [ ] Vorauszahlungs-Schutz bei grösseren Anzahlungen
Block 6: Mängelhaftung und Abnahme
- [ ] 5 Jahre Mängelverjährung nach § 634a BGB
- [ ] Förmliche Abnahme mit Protokoll
- [ ] Mindestens 4 Wochen Prüfzeitraum bei Abnahme
- [ ] Bautagebuch-Einsichtsrecht bestätigt
Block 7: Anbieter-Prüfung
- [ ] Bonitätsprüfung Schufa, Creditreform, Bundesanzeiger erfolgt
- [ ] Mindestens 10 Jahre Marktpräsenz, 30+ Bauvorhaben
- [ ] Berufshaftpflicht-Versicherung mit aktuellem Schein
- [ ] Gewerbeerlaubnis § 34c GewO bestätigt
Erklärung der wichtigsten Punkte im Detail
Punkt 6: Vollständige Leistungsbeschreibung
Eine vollständige Leistungsbeschreibung umfasst typisch 15-30 Seiten mit detaillierten Material-Spezifikationen pro Gewerk. Pauschale Beschreibungen mit 5 Seiten sind keine vollständige Beschreibung. Wer hier sparft, riskiert 30-50 Prozent Nachtragskosten. Detail unter Leistungsbeschreibung.
Punkt 12: Materialfortschreibung mit Baupreisindex
Akzeptable Klausel: „Anpassung nach Baupreisindex Statistisches Bundesamt mit Schwelle 5 Prozent und Maximum 10 Prozent der Bausumme“. Nicht akzeptabel: „nach Marktbedingungen“ oder „wesentliche Materialkostensteigerung“. Detail unter Festpreis-Bauvertrag.
Punkt 18: 5-Prozent-Vertragserfüllungsbürgschaft
Pflicht-Sicherheit nach § 650m BGB. Vor erster Abschlagszahlung als Bankbürgschaft im Vertrag. Bei Insolvenz oder mangelhafter Erfüllung kann der Bauherr die Bürgschaftssumme ziehen. Bei einem 350.000-EUR-Vertrag also 17.500 EUR Sicherheit.
Punkt 19: 7-Raten-Schlüssel beim Bauträger
Strikte Anwendung des MaBV-Schlüssels nach § 3 MaBV. Maximale 7 Raten nach festen Bauabschnitten. Nicht 5-Prozent-Bürgschaft mit voller Vorauszahlung. Wer das richtig anwendet, ist bei Insolvenz fast vollständig geschützt. Detail unter Bauen mit Bauträger.
Punkt 27: Bonitätsprüfung erfolgt
Schufa-Auskunft Unternehmer-Pool ohne aktuelle Negativmerkmale. Creditreform-Bonitätsindex unter 250. Bilanzauswertung über Bundesanzeiger mit Eigenkapitalquote über 15 Prozent. Detail unter Bauträger-Seriosität prüfen.
Praxis-Fall: Checkliste-Anwendung bei Familie Krause
Familie Krause plant ein Reihenmittelhaus über einen Bauträger. Festpreis 340.000 EUR. Sie wenden die 30-Punkte-Checkliste an.
Erstprüfung des Vertragsentwurfs
Bei der ersten Prüfung sind 19 von 30 Punkten erfüllt - rote Bewertung. Schwachstellen: VOB/B-Klausel statt BGB, Leistungsbeschreibung mit nur 9 Seiten Detail, Materialfortschreibung „nach Marktbedingungen“, Nachtrags-Aufschlag 28 Prozent, fiktive Abnahme nach 12 Werktagen, fehlende Mängelbürgschaft, ungeklärte Bonitätsprüfung.
Externe Prüfung
Familie Krause schickt den Vertrag an Bauherrenschutzbund. Prüf-Bericht bestätigt die Schwachstellen und liefert konkrete Verbesserungs-Vorschläge.
Verhandlung mit Bauträger
Mit dem BHS-Bericht in die Verhandlung. Der Bauträger akzeptiert: BGB statt VOB, Leistungsbeschreibung wird auf 22 Seiten erweitert, Materialfortschreibung mit Baupreisindex, Nachtrags-Aufschlag auf 18 Prozent reduziert, Mängelbürgschaft 5 Prozent. Fiktive Abnahme bleibt - akzeptabel mit 4 Wochen Prüfzeitraum.
Wiederholte Prüfung
Nach Verhandlung 27 von 30 Punkten erfüllt - grüne Bewertung. Vertragsabschluss empfohlen. Familie Krause ist mit der Verbesserung zufrieden und unterzeichnet.
Wirtschaftlicher Effekt
Prüf-Aufwand: 12 Stunden Familie Krause plus 250 EUR Bauherrenschutzbund-Honorar. Verbesserungs-Wert der Vertragsänderungen: rund 18.000 EUR (längere Mängelhaftung, geringere Materialfortschreibung, niedrigerer Nachtrags-Aufschlag, Mängelbürgschaft). ROI rund 70-fach.
Typisch durchsetzbare Vertragsverbesserungen
Erfahrungswerte aus der Vertragsverhandlung: Welche Verbesserungen sind typisch erreichbar?
BGB statt VOB
Sehr häufig durchsetzbar. Ca. 80 Prozent der Bauunternehmer akzeptieren den Wechsel auf BGB-Bauvertrag, wenn der Bauherr es klar verlangt. Verbesserung: 1 Jahr längere Mängelhaftung plus weitere strukturelle Verbesserungen.
Detaillierte Leistungsbeschreibung
Mittel durchsetzbar. Ca. 60 Prozent der Bauunternehmer erweitern die Leistungsbeschreibung bei klarer Anforderung. Schwierig bei standardisierten Hausbau-Konzepten.
Materialfortschreibungs-Klausel anpassen
Häufig durchsetzbar. Ca. 70 Prozent akzeptieren Baupreisindex statt „Marktbedingungen“. Schwelle und Maximum sind verhandelbar.
Nachtrags-Aufschlag reduzieren
Mittel durchsetzbar. Ca. 50 Prozent reduzieren auf 15-18 Prozent. Bei 25 Prozent oder mehr sollte verhandelt werden.
5-Prozent-Sicherheit
Sehr häufig durchsetzbar bei Verbraucherbauvertrag - meist ohnehin Pflicht. Ca. 90 Prozent akzeptieren ohne Diskussion.
7-Raten-Schlüssel statt 5-Prozent-Bürgschaft
Mittel durchsetzbar. Bauträger akzeptieren oft die 7-Raten-Variante, wenn der Bauherr sie verlangt. Bei Druck oder Eilbedarf weniger durchsetzbar.
Vertragsstrafe-Deckelung
Sehr häufig durchsetzbar. Ohne Deckelung wäre die Klausel ohnehin unwirksam (BGH).
Zeit zwischen Erstprüfung und Vertragsabschluss
Wie viel Zeit sollte zwischen Prüfung und Unterschrift liegen?
Optimaler Zeitrahmen: 3-4 Wochen
Ein optimaler Zeitrahmen ermöglicht: Erstprüfung, externe Begutachtung, Verhandlung mit Bauunternehmer, Wiederholungsprüfung, finale Verhandlung, Vorbereitung Notartermin. Drei bis vier Wochen sind realistisch.
Mindest-Zeitrahmen: 2 Wochen
Kürzer als zwei Wochen ist meist zu eng für ordentliche Prüfung und Verhandlung. Bei Druck auf kürzere Frist: kritisch prüfen, ob das ein Anbieter-Manipulations-Versuch ist.
Vermeiden: unter 1 Woche
Wer weniger als eine Woche zur Verfügung hat, kann nicht ordentlich prüfen. Solche Zeiträume sind ein klares Warnsignal - der Bauunternehmer will Prüfung verhindern.
Bei Eil-Bedarf: Anbieter-Wechsel prüfen
Wenn der Bauunternehmer auf einer schnellen Unterschrift besteht und keine ausreichende Prüfzeit gibt, sollte ein Anbieter-Wechsel geprüft werden. Seriöse Anbieter geben mindestens 2-3 Wochen Prüfzeit.
Zusammenfassung der Checkliste
Die wichtigsten Punkte in der Zusammenfassung:
- 30 Prüfpunkte in 8 Themenbereichen - systematisch durcharbeiten
- Mindestens 25/30 Punkte erfüllt für grüne Bewertung
- Kritische Mindest-Punkte: BGB, Leistungsbeschreibung, Materialfortschreibung, Sicherheit, Zahlungsplan, Mängelfrist, Bonität
- Aufwand 11-20 Stunden über 2-3 Wochen
- Externe Prüfung empfohlen - Bauherrenschutzbund 100-250 EUR
- ROI typisch 30-180-fach bei einem 350.000-EUR-Bauvertrag
Investition in Sicherheit
Eine systematische Vertragsprüfung mit dieser Checkliste plus externer Begutachtung ist die wichtigste Vorsorge-Massnahme beim Hausbau. Sie kostet 200-500 EUR plus 11-20 Stunden Aufwand. Sie vermeidet typische Schadenrisiken von 30.000-180.000 EUR. Ein Verhältnis, das ohne Diskussion klar in Richtung „immer prüfen“ geht.
Schritt-für-Schritt-Plan
Für eine effiziente Anwendung empfiehlt sich folgender Ablauf:
- Vertragsentwurf einschließlich aller Anlagen erhalten
- Bauherrenschutzbund-Mitgliedschaft (falls nicht vorhanden)
- Erste Selbstprüfung mit der 30-Punkte-Checkliste
- Parallel: Bonitätsprüfung des Bauunternehmers
- Parallel: Drei Referenzobjekte besichtigen
- Externe Vertragsprüfung durch BHS-Anwalt oder Bauanwalt
- Verhandlung mit Bauunternehmer auf Basis des Prüf-Berichts
- Schriftliche Bestätigung der Verbesserungen vor Notartermin
- Wiederholte Prüfung des angepassten Vertrags
- Notartermin oder privatrechtlicher Vertragsabschluss
Wer diese 10 Schritte systematisch durchgeht, hat eine sehr hohe Chance auf einen guten Bauvertrag - mit minimalem Schadenrisiko.
Häufige Fehler bei der Checklisten-Anwendung
- Prüfung zu kurz vor Notartermin. Mindestens 2 Wochen vorher beginnen, um Nachverhandlungen zu ermöglichen.
- Eigene Prüfung ohne externe Bestätigung. Bauanwalt oder BHS-Berater erkennt Schwachstellen, die der Bauherr selbst übersieht.
- Verhandlungs-Position unterschätzt. Bauherren haben oft mehr Verhandlungs-Position als sie denken - besonders nach Vergleichsangeboten.
- Mündliche Zusagen akzeptiert. Was nicht im Vertrag steht, gilt nicht. Schriftliche Bestätigung aller Zusagen.
- Druck auf Vertragsabschluss akzeptiert. Bei Druck-Taktiken: bewusst Pause einlegen, externe Beratung intensivieren.
- Punkte als unwichtig abgetan. Jeder einzelne Punkt der Checkliste hat seinen Grund - schon ein verpühltes Detail kann teuer werden.
- Nachverhandlung nicht protokolliert. Schriftliche Dokumentation aller Verhandlungs-Schritte und -Ergebnisse.
FAQ - Checkliste Bauvertrag
Wie lange dauert die Prüfung mit der Checkliste?
Was tun bei nicht erfüllten Punkten?
Wie viele der 30 Punkte muss ich erfüllen?
Kann ich die Checkliste alleine anwenden oder brauche ich Hilfe?
Wann sollte ich die Checkliste anwenden?
Ist die Checkliste auch für Sanierungsverträge anwendbar?
Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung und Bauherren-Interviews. Mehr über die Redaktion →