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Baufinanzierung

Baufinanzierung ohne Eigenkapital 2026

Voraussetzungen, Aufschläge, reelle Risiken und ehrliche Empfehlungen - wann eine Vollfinanzierung sinnvoll ist und wann besser nicht.

Hausbau Journal Redaktion
Stand: 26. April 2026 13 Min Lesezeit
Leerer Geldbeutel und Hausschlüssel - Vollfinanzierung ohne Eigenkapital
Vollfinanzierung 2026: möglich, aber teuer und nur für bestimmte Berufsgruppen realistisch verfügbar.
+0,8 %
Typischer Zinsaufschlag 100 % vs. 80 % Beleihung 2026
~ 80 T€
Mehrkosten Bindungsdauer bei 400.000 € über 10 Jahre
5-7 J.
Risiko-Zone bis Restschuld unter Verkehrswert sinkt

Die Frage nach einer Baufinanzierung ohne Eigenkapital wird seit 2022 wieder häufiger gestellt - weil Bauzinsen sich verdreifacht haben und das Ansparen von Eigenkapital im Verhältnis länger dauert. 2026 ist die ehrliche Antwort: ja, möglich. Aber teuer, restriktiv und mit erheblichen Risiken verbunden.

Was heißt Vollfinanzierung?

Banken unterscheiden drei Finanzierungs-Höhen, ausgedrückt als Prozentsatz des Beleihungswerts (typisch 80 bis 90 Prozent des Verkehrswerts):

80-Prozent-Finanzierung (Standard)

Klassische Variante: 20 Prozent des Kaufpreises plus Baunebenkosten kommen aus eigenen Mitteln. Banken bieten hier die günstigsten Konditionen. Der Beleihungsauslauf bleibt unter 80 Prozent des Beleihungswerts - die Bank ist gut abgesichert.

100-Prozent-Finanzierung (Vollfinanzierung)

Die Bank finanziert die kompletten Baukosten oder den Kaufpreis. Eigenmittel decken nur die Baunebenkosten (10 bis 15 Prozent). Aufschlag 0,5 bis 0,8 Prozent gegenüber Standard. Beleihungsauslauf 100 Prozent oder leicht darüber.

110-Prozent-Finanzierung (Vollfinanzierung plus Nebenkosten)

Die Bank finanziert auch die Baunebenkosten mit. Eigenmittel praktisch null. Aufschlag 1,0 bis 1,5 Prozent. Sehr selten und nur bei erstklassiger Bonität verfügbar. Beleihungsauslauf 110 bis 115 Prozent - die Bank trägt erhebliches Risiko und preist es ein.

Voraussetzungen für eine Vollfinanzierung 2026

Banken vergeben Vollfinanzierungen nur, wenn das Risiko durch sehr stabiles Einkommen und einwandfreie Bonität kompensiert wird. Konkrete Anforderungen:

Berufsbild und Einkommen

  • Beamte auf Lebenszeit: beste Voraussetzungen. Sicheres Einkommen, kein Insolvenzrisiko, oft günstigere Konditionen bei Beamtendarlehen-Anbietern.
  • Festangestellte mit hohem Bruttogehalt: ab 60.000 bis 70.000 Euro brutto pro Jahr realistisch. Unbefristeter Vertrag und mindestens 2 Jahre im Job.
  • Doppelverdiener: kombiniertes Haushaltseinkommen über 100.000 Euro brutto, beide unbefristet, gute Branchen (IT, Maschinenbau, Pharma, öffentlicher Dienst).
  • Selbstständige/Freiberufler: sehr schwierig. Mindestens 3 Jahre Bilanzvorlage, sehr stabile Einkommen, oft trotzdem Mindest-Eigenkapital von 10 Prozent verlangt.

Bonität (Schufa und Eigenkapital-Anrechnung)

  • Schufa-Score 95+ Prozent ohne negative Einträge.
  • Keine Konsumkredite oder maximal kleine Restbeträge.
  • Stabiles Sparverhalten über mehrere Jahre dokumentiert (Kontoauszüge der letzten 6 Monate werden geprüft).
  • Eigenkapital-Ersatz: Eine Lebensversicherung mit verfügbarem Rückkaufwert oder ein Bausparvertrag mit Guthaben können als "stiller Eigenkapital-Anteil" anerkannt werden.

Objekt-Anforderungen

Bei Vollfinanzierung sind Banken bei der Objekt-Auswahl strenger. Nur wertstabile Lagen werden akzeptiert: gute Verkehrsanbindung, A- oder B-Lage, kein erkennbares Wertminderungsrisiko (Hochwasser, Industrieumfeld, schwierige Infrastruktur). Häuser in C- und D-Lagen oder mit Sonderausstattung werden bei Vollfinanzierung selten finanziert.

Zinsaufschlag bei Vollfinanzierung 2026

Der Aufschlag entsteht aus zwei Komponenten: höherer Beleihungsauslauf bedeutet höheres Bankrisiko, was in einen höheren Zinssatz übersetzt wird. Aktuelle Marktwerte April 2026:

Aufschlag-Tabelle nach Beleihungsauslauf

BeleihungsauslaufTopzins April 2026Aufschlag vs. 80 %
60 % (oft 30 % Eigenkapital)3,68 %-0,13 %
80 % (Standard, 20 % Eigenkapital)3,81 %-
90 % (10 % Eigenkapital)4,12 %+0,31 %
100 % (Vollfinanzierung)4,55 %+0,74 %
110 % (Vollfinanzierung plus Nebenkosten)5,15 %+1,34 %

Stand: April 2026. Quelle: FMH Hypothekenzinsen, Interhyp Konditionsrechner.

Beispielrechnung: Vollfinanzierung vs. 20 Prozent Eigenkapital

Konkrete Annahmen: Hauspreis 500.000 Euro plus 50.000 Euro Baunebenkosten = 550.000 Euro Gesamtkosten. Vergleich zwei Szenarien:

Szenario A: 20 Prozent Eigenkapital (110.000 Euro)

  • Darlehensbedarf: 440.000 Euro
  • Zinssatz: 3,81 % (Beleihungsauslauf 80 %)
  • 2 % Tilgung, monatliche Rate: rund 2.131 Euro
  • Gezahlte Zinsen in 10 Jahren: rund 159.000 Euro
  • Restschuld nach 10 Jahren: rund 358.000 Euro

Szenario B: Vollfinanzierung (10.000 Euro Notar/Steuern aus eigenen Mitteln)

  • Darlehensbedarf: 540.000 Euro
  • Zinssatz: 4,55 % (Beleihungsauslauf 100 %)
  • 2 % Tilgung, monatliche Rate: rund 2.948 Euro
  • Gezahlte Zinsen in 10 Jahren: rund 234.000 Euro
  • Restschuld nach 10 Jahren: rund 461.000 Euro

Differenz

  • Monatsrate: +817 Euro
  • Zinsen über 10 Jahre: +75.000 Euro
  • Restschuld nach 10 Jahren: +103.000 Euro
  • Gesamtmehrkosten 10 Jahre: rund 78.000 Euro mehr Zinsen plus deutlich höheres Restrisiko

Wer also die 110.000 Euro Eigenkapital aufbringen kann, hat über die ersten 10 Jahre rund 78.000 Euro Vorteil - und eine deutlich kleinere Restschuld zur Anschlussfinanzierung. Der wirtschaftliche Vorteil von Eigenkapital ist 2026 mit höheren Zinssätzen größer als in den Niedrigzins-Jahren.

Reale Risiken einer Vollfinanzierung

Drei Risiken sind bei Vollfinanzierung deutlich höher als bei Standard-Finanzierung:

Risiko 1: Verkauf in den ersten 5 bis 10 Jahren

Das Hauptrisiko. Bei einem 500.000-Euro-Haus mit Vollfinanzierung beträgt die Restschuld nach 5 Jahren rund 503.000 Euro. Wenn das Haus dann für 470.000 Euro verkauft werden muss (Lebenslage, Trennung, Arbeitsplatzwechsel), bleibt eine Schuld von 33.000 Euro - ohne Haus, ohne Eigenkapital. In schlechten Marktphasen kann diese Lücke bei 50.000 bis 80.000 Euro liegen.

Risiko 2: Anschlussfinanzierung mit hoher Restschuld

Nach 10 Jahren liegt die Restschuld bei Vollfinanzierung typisch bei 460.000 bis 480.000 Euro (statt 350.000 Euro bei Standard). Wenn die Anschlusskonditionen 2036 bei 5 bis 6 Prozent liegen, steigt die Monatsrate stärker als bei kleinerer Restschuld. Bei 470.000 Euro Restschuld zu 5,5 Prozent sind das rund 2.940 Euro Monatsrate - bei 350.000 Euro nur 2.190 Euro. Die Differenz von 750 Euro pro Monat trifft das Haushaltsbudget hart.

Risiko 3: Arbeitsplatzverlust ohne Reserve

Wer keine Eigenmittel hatte, hat oft auch keine Reserve. Bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit fehlt der Puffer für 6 bis 12 Monate Rate. Banken verlangen bei Zahlungsausfall die Versteigerung - in den ersten Jahren bei Vollfinanzierung praktisch immer mit Restschuld nach Versteigerung. Daher: vor Vollfinanzierung mindestens 10.000 bis 20.000 Euro Liquiditätsreserve aufbauen, auch wenn das den Hausbau verzögert.

Wann eine Vollfinanzierung sinnvoll ist

Trotz der Risiken gibt es Konstellationen, in denen sich eine Vollfinanzierung rechtfertigen lässt:

Konstellation 1: Sehr stabiles Einkommen plus Erbschafts-Erwartung

Beamte oder Festangestellte mit hohem Einkommen, die in 3 bis 5 Jahren mit einer Erbschaft im sechsstelligen Bereich rechnen, können eine Vollfinanzierung wirtschaftlich rechtfertigen. Mit der Erbschaft wird sondergetilgt - vorausgesetzt, das Sondertilgungs-Recht ist großzügig vereinbart (mindestens 10 oder 25 Prozent pro Jahr).

Konstellation 2: Aktuelle Mietsituation untragbar teuer

Wer in einer Großstadt 2.500 bis 3.000 Euro Kaltmiete zahlt und in einer Phase weiter steigender Mieten und sich erholender Bauzinsen weiter zurückbleibt, kann sich überlegen, statt Mietsteigerungen die Hauskosten zu tragen. Die Rechnung muss aber realistisch sein - Mietsteigerungen vs. Vollfinanzierung-Aufschlag plus alle Nebenkosten des Eigentums.

Konstellation 3: Eigenkapital ist faktisch vorhanden, aber nicht liquide

Wer 100.000 Euro in Aktien-ETF angelegt hat und nicht verkaufen will (Steuern, Markttiming), könnte theoretisch ohne Cash-Eigenkapital finanzieren. Die meisten Banken erkennen Wertpapier-Bestände als "stilles Eigenkapital" an, was den Aufschlag reduziert. Beratung beim Vermittler einholen.

Konstellation 4: Junges Beamten- oder Akademiker-Paar mit langer Karriere-Perspektive

Wer Anfang 30 ist, beide unbefristet im öffentlichen Dienst oder in einem stabilen Beruf, und mit deutlich steigendem Einkommen über die nächsten 10 bis 15 Jahre rechnet, hat eine andere Risiko-Kalkulation. Das frühe Einsteigen ins Eigentum bei niedriger Restschuld in 10 Jahren funktioniert hier oft - vorausgesetzt, das Karriere-Versprechen hält. Wichtig: dieser Pfad funktioniert nur bei Berufen mit klar definierten Gehaltsstufen (Lehrer, Beamte, Tarif-IT), nicht bei freien Berufen mit unsicherem Einkommen.

Welche Banken vergeben Vollfinanzierungen 2026?

Nicht alle Banken bieten Vollfinanzierungen an. Marktüberblick April 2026:

Aktive Anbieter

  • Direktbanken (ING, DKB, Comdirect): bieten Vollfinanzierung bei sehr guter Bonität, oft mit knapp kalkuliertem Aufschlag.
  • Vermittler (Interhyp, Dr. Klein, Hüttig & Rompf): haben Zugang zu mehreren spezialisierten Banken und finden auch in schwierigen Fällen Lösungen. Einer der besseren Wege bei Vollfinanzierungs-Bedarf.
  • Beamtenbanken (BBBank, PSD-Banken): spezialisiert auf öffentlichen Dienst, oft mit besseren Konditionen für Beamte.

Ablehnende oder restriktive Anbieter

  • Sparkassen und Volksbanken: regional unterschiedlich, oft eher konservativ. In ländlichen Regionen mit fallenden Immobilienwerten praktisch keine Vollfinanzierung.
  • Bausparkassen: Konzept passt nicht zu Vollfinanzierung - Bausparen baut explizit Eigenkapital auf.

Alternativen zur Vollfinanzierung

Alternative 1: Noch 2 bis 3 Jahre sparen

Wer monatlich 1.000 bis 1.500 Euro sparen kann, baut in 3 Jahren 36.000 bis 54.000 Euro Eigenkapital auf - oft ausreichend für eine 90-Prozent-Finanzierung mit deutlich besserem Aufschlag. Die Mehrkosten von 36 Monaten Mieter-Sein sind oft niedriger als die Mehrkosten der Vollfinanzierung über 10 Jahre.

Alternative 2: Kleineres Haus oder günstigere Region

Statt 500.000-Euro-Haus mit Vollfinanzierung lieber 350.000-Euro-Haus mit 80-Prozent-Finanzierung. Funktional oft akzeptabel, finanziell deutlich entspannter.

Alternative 3: Familiendarlehen als Eigenkapital-Ersatz

Wenn Eltern oder Großeltern bereit sind, 50.000 bis 100.000 Euro als Privatdarlehen zu geben (mit oder ohne Zinsen), gilt das oft als Eigenkapital-Äquivalent. Bei Banken wie eine Schenkung anerkannt, in der Familie als verzinstes oder unverzinstes Darlehen geregelt. Schriftlicher Vertrag empfohlen.

Alternative 4: KfW-Förderung als Eigenkapital-Ersatz

KfW-Darlehen für klimafreundlichen Neubau (KfW 297/298) können wie Eigenkapital wirken, weil sie zu sehr günstigen Konditionen vergeben werden und den Bedarf an klassischem Bankdarlehen reduzieren. Mehr unter KfW-Förderung.

Alternative 5: Bauherrenmodell mit Eigenleistung

Wer handwerklich begabt ist und mindestens 200 bis 400 Stunden Eigenleistung in den Bau einbringen kann (Innenausbau, Malerarbeiten, Bodenverlegung), kann die "Muskelhypothek" als Eigenkapital-Ersatz nutzen. Banken erkennen dokumentierte Eigenleistungen typisch zu 50 bis 70 Prozent als Eigenkapital an. Bei 400 Stunden zu 30 Euro Stundensatz sind das anrechenbare 6.000 bis 8.400 Euro. Realistische Größenordnungen, aber nur bei echter handwerklicher Kompetenz.

Alternative 6: Bestandsimmobilie statt Neubau

Eine Bestandsimmobilie kostet pro Quadratmeter 30 bis 50 Prozent weniger als ein vergleichbarer Neubau. Wer das Wunschhaus nicht selbst bauen muss, sondern eine bezugsfertige Bestandsimmobilie kauft, reduziert den Finanzierungsbedarf deutlich. Mit weniger Darlehen ist auch eine Standardfinanzierung mit kleinem Eigenkapital realistischer als Vollfinanzierung beim Neubau. Mehr unter Bauen oder Kaufen.

Psychologische Fallen bei der Vollfinanzierungs-Entscheidung

Die Entscheidung für eine Vollfinanzierung wird selten rein rational getroffen. Drei psychologische Muster führen Bauherren regelmäßig zu Fehlentscheidungen:

Falle 1: Der "Jetzt-oder-nie"-Druck

Steigende Immobilienpreise und steigende Bauzinsen erzeugen das Gefühl, jetzt zugreifen zu müssen, sonst sei es für immer zu spät. Tatsächlich zeigen Marktdaten der letzten 30 Jahre, dass es immer wieder Phasen gibt, in denen Geduld belohnt wird. Die Phase 2008-2010 nach der Finanzkrise war ein Beispiel - wer 2007 unter Druck gekauft hat, zahlte deutlich mehr als jemand, der 2010 mit Eigenkapital gekauft hat. Wer sich gerade gedrängt fühlt, sollte zwei Wochen Pause machen, bevor er einen Kreditvertrag unterschreibt.

Falle 2: Der "Wir verdienen ja gut"-Optimismus

Doppelverdiener-Haushalte mit gemeinsam 100.000 Euro plus rechnen oft damit, dass das Einkommen auch in 5 oder 10 Jahren auf gleichem Niveau läuft. Realität: Familienplanung, Krankheit, Trennung, Karriere-Wechsel verändern in 50 bis 60 Prozent der Fälle die Einkommens-Situation deutlich. Wer eine Vollfinanzierung mit Doppelverdiener-Einkommen plant, sollte den Stresstest machen: würde die Rate auch tragbar sein, wenn ein Verdiener 18 Monate Elternzeit nimmt? Wenn die Antwort "nein" ist, ist die Vollfinanzierung zu sportlich.

Falle 3: Die "Miete ist auch Geld weg"-Logik

Klassischer Verkaufsansatz: "Die Miete ist auch weg, also lieber gleich kaufen". Diese Logik unterschlägt zwei Dinge. Erstens entsteht beim Kauf eine Verbindlichkeit, die bei Mietern nicht existiert. Zweitens bleibt der Mieter flexibel - bei Jobwechsel, Trennung oder Krankheit ist eine Wohnung in 3 Monaten kündbar, ein Haus mit Vollfinanzierung ist über Jahre eine finanzielle Falle. Mietzahlung als "verlorenes Geld" zu sehen ist ein psychologischer Trick, der die Risiken der Eigentumsbindung systematisch ausblendet.

Falle 4: Vergleich mit dem Bekannten, der "es geschafft hat"

Im Bekanntenkreis gibt es immer jemanden, der mit minimalem Eigenkapital ein Haus gebaut hat und heute glücklich darin lebt. Diese Geschichten verzerren die Risikowahrnehmung - sie zeigen die Erfolge, nicht die Pleiten. Statistisch ist das Risiko einer finanziellen Schieflage bei Vollfinanzierung ein Mehrfaches höher als bei Standardfinanzierung. Wer Vergleichsgeschichten heranzieht, sollte fragen: Welche Berufsgruppen, welche Einkommen, welche Lebenslagen? Ein erfolgreiches Beamten-Paar ist kein Vorbild für ein Doppelverdiener-Paar mit befristeten Verträgen.

Checkliste vor der Vollfinanzierungs-Entscheidung

Wer eine Vollfinanzierung ernsthaft erwägt, sollte vor dem Bankgespräch zehn Punkte ehrlich beantworten:

  1. Liegt das Bruttohaushaltseinkommen über 60.000 Euro pro Jahr und ist es unbefristet?
  2. Ist die Schufa-Bonität makellos (keine offenen Konsumkredite, keine Mahnverfahren)?
  3. Sind mindestens 10.000 bis 20.000 Euro Liquiditätsreserve verfügbar (Notgroschen)?
  4. Ist die Beziehungssituation in der absehbaren Zukunft stabil (Trennung wäre finanzielles Desaster)?
  5. Ist der Job-Standort planbar (kein anstehender Wechsel oder Auslandseinsatz)?
  6. Liegt das Wunschhaus in einer wertstabilen A- oder B-Lage?
  7. Ist der Kaufpreis realistisch (kein "Wunschdenken-Aufschlag" gegenüber Vergleichswerten)?
  8. Reicht das verfügbare Einkommen auch bei Anschluss-Zinssatz von 6 Prozent (Stresstest)?
  9. Ist mindestens eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit ausreichender Höhe abgeschlossen?
  10. Ist eine Risikolebensversicherung für beide Verdiener vorhanden?

Wer alle zehn Punkte mit "ja" beantworten kann, ist in einer der seltenen Konstellationen, in denen eine Vollfinanzierung verantwortbar ist. Wer drei oder mehr "nein" hat, sollte den Hausbau verschieben oder kleiner planen.

Rechtliche und versicherungstechnische Aspekte

Pflichtversicherungen bei Vollfinanzierung

Banken verlangen bei Vollfinanzierung oft zusätzliche Absicherungen. Standardpaket: Wohngebäudeversicherung (Pflicht bei jedem Darlehen), Risikolebensversicherung in Höhe der Darlehenssumme (oft Voraussetzung bei Vollfinanzierung), Berufsunfähigkeitsversicherung (Empfehlung). Manche Banken verlangen auch eine Restschuldversicherung - hier ist Vorsicht geboten, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist meist schlecht. Mehr unter Restschuldversicherung.

Notar- und Grundbuchkosten als nicht-finanzierbarer Anteil

Auch bei 110-Prozent-Finanzierung gibt es Posten, die meist nicht finanzierbar sind: Maklerprovision (in einigen Bundesländern), Bauversicherungen während der Bauphase, Umzugskosten, Anschluss-Sondergebühren. Diese 5.000 bis 15.000 Euro sollten in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden, sonst gerät man unmittelbar nach Einzug in finanzielle Engpässe.

Beleihungswert vs. Verkehrswert

Banken setzen einen Beleihungswert an, der typisch 80 bis 90 Prozent des Verkehrswerts beträgt. Bei einem Verkehrswert von 500.000 Euro ist der Beleihungswert also 400.000 bis 450.000 Euro. Eine "100-Prozent-Finanzierung" auf den Kaufpreis kann daher faktisch eine 110- bis 120-Prozent-Finanzierung des Beleihungswerts sein - mit entsprechend höherem Aufschlag. Die Bankberater erklären diese Unterscheidung selten von sich aus; bei Vertragsabschluss explizit nachfragen.

FAQ - Baufinanzierung ohne Eigenkapital 2026

Ist eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital 2026 noch möglich?
Ja, aber mit Einschränkungen. Vollfinanzierungen (100 oder 110 Prozent) werden hauptsächlich an Beamte, Akademiker mit hohem Festgehalt und in Sonderfällen vergeben. Aufschlag 0,5 bis 1,2 Prozent gegenüber 80-Prozent-Finanzierung. 2026 mit erhöhten Bauzinsen und strengerer Risikoprüfung deutlich seltener bewilligt als 2018-2021.
Was kostet eine Vollfinanzierung mehr als eine Standard-Finanzierung?
Bei 400.000 Euro Darlehen über 10 Jahre Bindung kostet 0,8 Prozent Aufschlag rund 32.000 Euro mehr Zinsen - plus die Tatsache, dass die volle Summe verzinst wird statt nur 80 Prozent. Insgesamt typisch 60.000 bis 100.000 Euro Mehrkosten über die Bindung verglichen mit 20-Prozent-Eigenkapital-Variante.
Wer bekommt 2026 eine 100-Prozent-Finanzierung?
Vorrangig Beamte (besonders Beamte auf Lebenszeit), Ärzte, Anwälte, IT-Fachkräfte mit Festgehalt über 60.000 Euro brutto, Personen mit ausgeprägter Bonität und sicherem Job. Selbstständige und Freiberufler haben deutlich schwierigere Voraussetzungen - hier wird oft mindestens 10 Prozent Eigenkapital verlangt.
Was ist der Unterschied zwischen 100 und 110 Prozent Finanzierung?
100 Prozent finanziert nur den Kaufpreis bzw. die Baukosten. 110 Prozent finanziert zusätzlich auch die Baunebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) - typisch 10 bis 12 Prozent on top. Die 110-Prozent-Variante ist riskanter (Beleihungswert wird überschritten) und nur in Sonderfällen verfügbar, mit Aufschlag von 1,2 bis 1,5 Prozent.
Was passiert, wenn ich bei Vollfinanzierung verkaufen muss?
Hier liegt das Hauptrisiko. Wer in den ersten 5 bis 10 Jahren verkaufen muss (Trennung, Umzug, Arbeitslosigkeit), realisiert oft eine Restschuld höher als der Verkaufserlös. Bei einem 400.000-Euro-Haus mit 100-Prozent-Finanzierung liegt die Restschuld nach 5 Jahren typisch bei 365.000 Euro - bei einem Verkaufserlös von 380.000 Euro nach Maklerkosten bleiben rund 0 Euro für den Eigentümer.
Lohnt sich eine Vollfinanzierung 2026 trotz der Mehrkosten?
Selten. Wer 60.000 bis 100.000 Euro Mehrkosten und höheres Risiko in Kauf nimmt, sollte sehr gute Gründe haben - z.B. ein extrem stabiles Berufsbild, eine Sonderrendite-Möglichkeit für das alternative Eigenkapital oder eine planbare Erbschaft in 2 bis 3 Jahren. In den meisten Fällen ist das Ansparen von 10 bis 20 Prozent Eigenkapital wirtschaftlich der bessere Weg.
Hausbau Journal Redaktion

Der unabhängige Hausbau-Ratgeber für private Bauherren in Deutschland. Recherchiert aus Primärquellen, ergänzt durch eigene Bauerfahrung und Bauherren-Interviews. Mehr über die Redaktion →